Bei Schmerz hilft deftiges Fluchen

Von: zsa
Letzte Aktualisierung:
6322096.jpg
Getreu dem Motto „Lachen statt Leiden“ begeisterte John Doyle das Publikum im Talbahnhof. Foto: Sandra Ziemons

Eschweiler. John Doyle hat ein großes Problem: Mit dem fortschreitenden Alter kommen langsam immer mehr Schmerzen: Nacken-, Schulter-, Kopf- und vor allem Rückenschmerzen. Sein Leid teilte der Comedian am Samstagabend mit dem Eschweiler Publikum im Talbahnhof.

In seinem Programm „Die Welt ist eine Bandscheibe“ ließ der gebürtige Amerikaner dabei keinen Schmerz, keine Therapie aber auch keine Attacke auf die Lachmuskeln aus.

Eingangs musste John Doyle erstmal feststellen, dass er, seit er im Juli 50 Jahre alt geworden ist, immer öfter auf die Toilette muss. Da stellt er sich zu Recht die Frage: „Schaffe ich es noch bis zur Pause?“ Sein Arzt habe ihm geraten, er solle viel trinken, um die Bandscheiben zu befeuchten, aber keiner habe ihm gesagt, dass man „davon so viel pinkeln muss“.

Gymnastik am Heumarkt

Aber Doyle kann den Schmerzen auch etwas Positives abgewinnen, denn wenn man Schmerzen hat, dann findet man auch schnell Leute, mit denen man sich unterhalten kann. So habe er schon in seiner Wahl-Heimatstadt Köln am Heumarkt Beckenbodenübungen mit einem Leidensgenossen gemacht.

„In Amerika würde man erschossen, wenn man solche Bewegungen in der Öffentlichkeit macht“, konnte sich Doyle einen Seitenhieb auf die Prüderie in seinem Geburtsland nicht verkneifen. Vom Orthopäden über den Heilpraktiker bis hin zum Chiropraktiker hat der Comedian schon alle Ärzte ausprobiert.

Seine Erfahrungen: Der Orthopäde gab ihm eine Spritze nach der anderen und wollte erstmal einen Schwangerschaftstest machen. Beim Heilpraktiker gab es zunächst keine Spritzen, dafür wurde viel geredet, berührt und schließlich „packte er immer die Ohrenkerzen aus“. Der Chiropraktiker sei da schon etwas gröber gewesen, „da merkt man im Gegensatz zum Heilpraktiker sofort, wenn er dich berührt“. Und seinem Würgegriff konnte er sich nur schwer entziehen.

Auf der Suche nach Schmerzlinderung versuchte Doyle dabei so manche alternative Heilmethode. Von Yoga übers Fitnessstudio bis hin zur Thai-Massage. Yoga ist ihm allerdings zu weich und zu leise. Auch die Yogalehrerin und die Teilnehmer kamen ihm zuweilen suspekt vor.

„Stellt euch vor, ein Busfahrer würde euch auf die gleiche Weise begrüßen wie die Yogalehrerin: Willkommen im Bus mit vielen Sitzplätzen.“ Der Kabarettist fragt sich auch, warum Leute mit dem Fahrrad zum Fitnessstudio fahren, um dort drinnen auf einem Fitness-Rad zu fahren und dann dafür auch noch 50 Euro im Monat zahlen. War Yoga ihm zu weich, musste Doyle bei der Thai-Massage das Gegenteil erleben.

„Die Masseurinnen sahen auf den Bildern online ganz anders aus. Anstatt 25 Jahre und 25 Kilo war die Dame älter und wog 120 Kilo!“ Da wird auch das Einölen zu einem Horror-Erlebnis: „Das war ein Gefühl, als wenn ein gestrandeter Wal von einem anderen gestrandeten Wal eingeölt wird“.

Von den Arzt-Empfehlungen und Gesundheits-Tipps seiner Freunde über den „Stressfaktor Kind“ bis hin zu ungewöhnlichen Abnehm-Methoden und seinen FKK-Erfahrungen hatte John Doyle am Samstagabend eine Fülle von scharfwitzigen Geschichten im Gepäck.

Auch die Erzählungen von seinen Heimatbesuchen in den USA sowie seine Erlebnisse im Deutschkurs vor 20 Jahren sorgten für schallendes Gelächter im Talbahnhof. Dabei schaffte es Doyle immer wieder mit einer gelungenen Mischung aus seinem Deutsch mit einem charmanten amerikanischen Akzent und seiner Muttersprache Englisch, die Unterschiede zwischen den Deutschen und den Amerikanern vor allem sprachlich darzustellen.

Dies bewies er auch gegen Ende seines eineinhalbstündigen Programms. Als weiteres Mittel zum Schmerz- und Stressabbau schlug der Comedian ganz einfach Fluchen vor. Dabei sei er fasziniert von der Genauigkeit der Deutschen beim Fluchen.

In seiner unter tosendem Applaus geforderten Zugabe kam Doyle dann noch einmal auf sein Lieblingsthema Rückenschmerzen zurück: „Das Gute an den Rückenschmerzen ist, man vernachlässigt den Zahnarzt.“ Daher habe er eine neue Einstellung entwickelt: Erst gehen, wenn die Schmerzen, die man hat, größer sind als die, die man dort erwartet. „Beim letzten Mal hat der Zahnarzt in meinem Mund gedübelt, gebohrt und geschraubt, da habe ich gedacht, er sagt gleich: Der Ikea-Schrank ist fertig.“ Auch diese Pointe saß und wurde vom Publikum mit reichlich Beifall honoriert.

Wer selbst erfahren will, wie man trotz ständiger Rückenschmerzen und einem Dutzend anderer altersbedingter Verfallserscheinungen das Lachen nicht verlernt, aber Doyles Auftritt verpasst hat, kann einfach sein neues, gleichnamiges Buch „Die Welt ist eine Bandscheibe“ lesen. Es erscheint am 23. Oktober.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert