Eschweiler - Bei Richard Rogler kriegt jeder sein Fett weg

Bei Richard Rogler kriegt jeder sein Fett weg

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Kabarettist Richard Rogler bei seinem Auftritt am Donnerstag im Talbahnhof. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Das Kabarett hat einiges mit dem Stammtisch gemeinsam. Es geht hier wie dort um einfache, grobe Wahrheiten, und dass einer sie auszusprechen wagt, hat etwas Erleichterndes, Befreiendes. Das neue Programm des Kabarettisten Richard Rogler heißt „Das müssten Sie mal sagen, Herr Rogler!“, und hat etwas von solchen Stammtischgesprächen. Der Talbahnhof in Eschweiler war am Donnerstag eine der ersten Stationen, an denen der Kabarettist dieses neue Programm spielte.

Gespräche in seiner Kölner Stammkneipe „Bei Gerti“ sind der Rahmen des zweistündigen Auftritts; und die Gäste, die Rogler beschreibt, meint man zu kennen. Sie könnten an jedem Stammtisch sitzen: der ehemalige Kfz-Meister Euskirchen, der noch immer gegen bar etwas an Autos frickelt, der pensionierte Postler Krämer in Anzug und Krawatte samt Krawattennadel, der aufstrebende Selbständige Herr Friedemann, der seine Tochter „Alexandra Surinam Chajenne“ nennt und gefühlte 500 mal am Abend mit dem Spruch „ganz großes Kino“ den anderen Gästen auf die Nerven geht, in „Gertis Kleinem Brauhaus“ – einer Raucherkneipe übrigens, „das letzte Widerstandsnest gegen die schleichende Bevormundung des mündigen Bürgers“. Wenn da nicht diese fünf hässlichen Blumenkübel vor der Tür wären, Waschbeton-Imitation aus den 70-er Jahren, Eigentum der Stadt Köln, die kriegt und kriegt man nicht weg.

Darum geht es Richard Rogler immer wieder, das ist, auch wenn er von Thema zu Thema springt, sein Roter Faden in vielen Kabarett-Jahrzehnten: das Bevormunden der Bürger, die Gängelei durch Gesetze und Verordnungen, auch der politische Aktionismus, der keine Besserung bringt: „Ich habe mal ins Archiv geguckt – ich habe vor 30 Jahren schon Texte geschrieben über die Minderbezahlung von Frauen – da ändert sich nix. Da labern sie heute im Bundestag ein bisschen und dann geht das wieder so weiter.“

Bei Rogler kriegen alle Parteien ihr Fett weg. Für die SPD mit ihrem Konzept einer Mindestrente hat er nur Hohn: „Im Jahre 2030 – das ist ja schon bald – soll die Mindestrente 850 Euro betragen. Sind die denn durchgeknallt? So viel Geld den Leuten zu geben?“

Die CDU sieht Rogler als „Club deutscher Untergrundkämpfer“, unterwandert von Angela Merkel „als U-Boot der DDR. Erst schafft sie die Wehrpflicht ab, dann schaltet sie die AKWs ab. Das haben noch nicht mal die Grünen geschafft. Für die Homo-Ehe setzt sie sich auch ein. Natürlich. Das enge Verhältnis zur Schavan, das hat doch keinen politischen Hintergrund. Irgendwann fängt die an zu kiffen, besetzt Häuser...“ Die Grünen hingegen – Rogler seufzt: „Ich denke manchmal, die Grünen haben als die selbsternannten Nachfolger der 68er nicht gegen den Staat gekämpft, weil es zu viele, sondern weil es zu wenig Gesetze gab.“

Und nun werde alles reglementiert: „Da ist das Rauchverbot, dann die Glühbirne, jetzt wollen sie neue Duschköpfe einbauen, Modell Nieselregen im Emsland. Was geht die Grünen an, wie ich mich dusche? Ich interessiere mich doch auch nicht dafür, wie Herr Trittin und Claudia Roth duschen, auch wenn da die Frage bleibt, warum die Frau Roth nach dem Duschen den Duschvorhang als Kleid anzieht.“

Da ist es wieder, Roglers Dauerthema „Bevormundung der mündigen Bürger“. Er schreckt da nicht vor Grobheiten zurück, und je gröber, je stammtischmäßiger er formuliert, desto lauter jubelt das Publikum im ausverkauften Saal des Talbahnhofs.

Über Hartz 4: „Herr Rogler, das müssen sie doch auch mal sagen, das ist ein Skandal, dass ein deutsches Sozialsystem immer noch nach dem Zuhälter für korrupte Vorstandsvorsitzende benannt ist.“ Über den Armutsbericht der Bundesregierung: „Der hat sich ja um ein Jahr verzögert. Weil der Gegenstand sehr schwer war. Die mussten ja das Gegenteil von dem beweisen, was jeder weiß und was stimmt: dass es immer mehr Arme gibt und immer mehr Superreiche.“

Und über Bildungsministerin Christina Schröder: „Das ist glaube ich die taubeste Nuss, die es überhaupt gibt. Diese katholische Gouvernante, gefangen im Körper einer Barbie-Puppe! Die hatte vorgeschlagen, dass die Rentner rein sollen in die Kindertagesstätten und die Kinder erziehen sollen. Rentner in den Kitas – ob das alles hinhaut? Füttern und trösten und Märchen vorlesen, aufs Töpfchen setzen – ob damit die Kinder nicht überfordert sind?“

Wenn es um die Herzlosigkeit der Gesellschaft geht, um Vernachlässigung alter Menschen zum Beispiel, dann verzichtet Rogler auf jeden Gag, dann ist er nur noch böse: „Wir haben Geld für Urlaube und Playstation und alles, aber wir stehen mit der Stoppuhr hinter den alten Leuten, damit die nicht zu lange auf der Toilette bleib n. Wenn einer stirbt, darf ein Pfleger genau sieben Minuten neben dem Sterbenden sitzen, dann ist der wieder alleine. Das ist doch unmöglich, so was.“

Auch diese Nachdenklichkeit, diese Ernsthaftigkeit mitten im Wirbel seiner Pointen trifft die Zuhörer. Auch dies hat etwas vom Stammtisch in seinen positiven Aspekten. Als einem Ort, an dem Wahrheiten gesagt werden können, die schlicht und undifferenziert sind, aber doch das Gefühl vieler Bürger zur Sprache bringen. Und die grässlichen Blumenkübel vor Gertis Kneipe in Köln – die werden am Ende des Abends einfach gesprengt. Richard Roglers Auftritt hat sehr viel Befreiendes.

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