Bei Nocase stehen Menschen mit Handicap im Vordergrund

Von: Sonja Essers
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„Leicht gezeigt“: So heißt die Filmreihe des gemeinnützigen Unternehmens Nocase. Gesucht werden Menschen mit Handicap, aber auch Unternehmen, Selbsthilfe-Organisationen und Wohlfahrtsverbände. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. „Leicht Gezeigt“: So heißt eine Filmreihe des gemeinnützigen Unternehmens Nocase. Was Nocase, das übersetzt so viel wie „auf keinen Fall“, bedeutet? Im Oktober des vergangenen Jahres wurde Nocase als Medienwerkstatt für Kinder und Jugendliche gegründet. Daraus entstand eine Filmproduktion der ganz besonderen Art.

Menschen mit und ohne Handicap stehen gemeinsam vor und hinter der Kamera. Nun präsentiert das gemeinnützige Unternehmen die Filmreihe „Leicht Gezeigt“ . Das Ziel: Neue Wege zur eigenen Selbstständigkeit finden.

Warum dies so wichtig ist, weiß Claudia Schmoldt, Initiatorin, Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin des Unternehmens. Sie ist in der Selbsthilfe tätig, weiß, dass es viel Info-Material, in Form von Flyern und Texten, gibt, dass dieses jedoch gar nicht mehr so intensiv von den Betroffenen genutzt wird. Der Grund: „Oft wird das Material nicht richtig verstanden“, sagt Schmoldt. So überlegten sich die Mitarbeiter des Unternehmens zunächst, welche Menschen das Info-Material nicht verstehen würden und kamen zu dem Ergebnis, dass die Betroffenen vor allem Kinder und Menschen mit Lernschwierigkeiten sind.

Zwar gebe es bereits Informations-Material in leichter Sprache und auch in Audio-Form. Dies bedeute allerdings noch nicht, dass es auch von allen verstanden und genutzt werde. Aus diesem Grund entschied sich Claudia Schmoldt dazu Flyer und Informationsmaterialien in leichter Sprache zu verfilmen. „Wir wollen eine neue Informationsquelle schaffen, eine Art neues Bildungsfernsehen soll sich etablieren. Es entstehen Filme von Betroffenen für Betroffene“, sagt Schmoldt.

Dabei arbeiten die Teilnehmer nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera, kümmern sich um das Drehbuch und die Umsetzung. „Menschen, die selbst Schwierigkeiten haben, bedienen sich sowieso schon einer leichteren Sprache und können besser aufklären“, ist sich Schmoldt sicher. Unterstützt werden die Teilnehmer nicht nur von der pädagogischen Leiterin. Mit Kim Ebert und Petra Uthe hat sich ein Beratungsteam gefunden, das die Drehbücher auswertet und testet, ob diese auch verständlich genug sind.

Ebert und Uthe müssen es wissen. Schließlich haben die beiden Frauen selbst Lernschwierigkeiten, lassen sich davon allerdings nicht unterkriegen. Im Gegenteil. In ihrem Film „Wir haben es geschafft“ spielte Petra Uthe bereits selbst die Hauptrolle. In einem neuen Projekt will sie nun Menschen mit Handicap dazu ermutigen, alleine mit dem Bus zu fahren.

Weitere Mitglieder des Teams sind Fremdsprachenkorrespondentin Melanie Erven, die die Texte in andere Sprachen übersetzen wird, sowie Harald Sontowski, der als Filmemacher und Dozent die Entwicklung der Drehbücher unterstützt und der pädagogischen Mitarbeiter Markus Müller und Mireille Schauer.

Wichtig ist Schmoldt, dass die Darsteller und Zuschauer auf einer Ebene sind. Besonders im Vordergrund stehen, sollte allerdings der Spaß. „Und es ist wichtig, dass die Betroffenen sich damit identifizieren“, sagt Schmoldt. Doch nicht nur Flyer und Informations-Materialien werden verfilmt, sondern auch Themen, die Menschen mit Handicap an Nocase heran tragen.

Für Themen ist man bei Nocase offen. Filme über Gesundheit, den Übergang von Schule zum Arbeitsmarkt, die erste eigene Wohnung, Betreuungsangelegenheiten, Freizeitgestaltung, Alltagsbewältigung und Partnerschaft: „Wir können Filme zu all dem drehen, was die Betroffenen interessiert und was sie auf dem Herzen haben“, sagt Schmoldt. „Gerne können sich Menschen mit Handicap oder Unternehmen, Selbsthilfe-Organisationen und Wohlfahrtsverbände bei uns melden“, so Schmoldt. Einige Kooperationen bestehen bereits, unter anderem mit dem Landesverband Epilepsie Bayern sowie dem Epilepsie Bundes-Elternverband. Dieser hat nun Nocase beauftragt den neu erscheinenden Erste-Hilfe-Flyer für Kinder zu verfilmen.

Bereits seit der Gründung des Unternehmens wird die Filmreihe „Leicht Gezeigt“ umgesetzt und ist rechtlich geschützt. Die fertigen Filme können auf DVD in der Geschäftsstelle bestellt werden. Bereits abgedrehte Themen und Trailer können ab dem 1. September auf der Internetseite und in den sozialen Netzwerken verfolgt werden. Seit mehreren Monaten arbeiten die Teilnehmer an der Filmreihe. Die Erkenntnis, die sie gewonnen haben, lautet: „Es funktioniert.“

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