Eschweiler - Bei der Skate-Meisterschaft heißt es: Auf die Bretter, fertig, los!

Bei der Skate-Meisterschaft heißt es: Auf die Bretter, fertig, los!

Von: Sonja Essers
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Im vergangenen Jahr reiste Martin Huppertz mit weiteren Skatern, einem Fotografen und einem Kameramann nach Israel. Dort entstanden spektakuläre Aufnahmen. Unter anderem skatete der Indestädter in einem stillgelegten Wasserpark. Foto: Dennis Scholz/Sonja Essers
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Ab Freitag nimmt Martin Huppertz an den Deutschen Meisterschaften im Skaten teil.

Eschweiler. An die Zeit im Eschweiler Skatepark erinnert sich Martin Huppertz gerne zurück. Jeden Tag konnte man ihn dort nach der Schule antreffen. Auch ein anderes Bild wiederholte sich fast täglich. „Ich habe immer solange geskatet bis meine Knie blutig waren“, sagt der 23-Jährige und lacht.

Situationen wie diese liegen rund zwölf Jahre zurück. Mittlerweile ist Huppertz, der in der Szene auch „Huppi“ genannt wird, mit seinem Hobby weltweit unterwegs. An diesem Wochenende nimmt er an der deutschen Meisterschaft im Europapark in Rust teil.

Aufgeregt ist Martin Huppertz wenige Tage vor dem Wettbewerb nicht. Bereits seit sieben Jahren nimmt er an der Meisterschaft, bei der die Akteure an mehreren Stationen in Deutschland gegeneinander antreten und deren Ergebnisse am Ende zusammengerechnet werden, teil. An diesem Wochenende steht das Finale an. Eine Minute hat Huppertz dann Zeit, um eine Jury von seinem Können zu überzeugen. Worauf es dabei ankommt? „Kreativität, Können und den Schwierigkeitsgrad der Tricks“, fasst er zusammen.

Natürlich sei er vor den Wettbewerben etwas nervös, jedoch wolle er einfach sein Ding durchziehen. Im vergangenen Jahr brachte ihm diese Einstellung den 7. Platz ein. Ist in diesem Jahr vielleicht sogar ein Platz auf dem Treppchen drin? Daran glaubt der Student nicht. Schließlich habe sich in den vergangenen Jahren ein wichtiges Kriterium geändert. „Früher war der Contest in zwei Klassen eingeteilt. Es gab Amateure und Profis. Mittlerweile treten alle in einer Klasse an“, erklärt Huppertz, der in der Klasse der Amateure bereits den 3. Platz belegte und folgende Konsequenz zieht: „Es belegen eigentlich immer die drei gleichen Leute die vorderen Plätze, weil sie Profis sind und ganz anders in den Wettbewerb gehen.“

An internationalen Wettbewerben, wie den so genannten X-Games, die jährlich in den USA stattfinden, hat der Indestädter bisher noch nicht teilgenommen. Das hat einen simplen Grund: Sie sind lediglich für Profis. „Ohne Einladung kommt man da nicht hin“, sagt Huppertz.

Der junge Indestädter hat sich bewusst gegen eine Karriere als Profi - Skateboarder entschieden. „Profis machen nichts anderes. Einen Job kann man nicht haben und es gibt nur wenige, die damit wirklich über die Runden kommen“, sagt der 23-Jährige. Für ihn stand nach der Schule zunächst eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann auf dem Programm. Sein Hobby übte er weiterhin aus - wenn auch eingeschränkter als bisher. „Es war gar nicht so leicht Hobby und Beruf miteinander zu vereinbaren“, sagt er rückblickend.

Heute hat er damit weniger Probleme. Der Indestädter studiert derzeit Betriebswirtschaftslehre (BWL) in Aachen. Ein erfolgreicher Sportler, der nicht nur in Deutschland, sondern sogar weltweit unterwegs ist, ist er trotzdem. Von verschiedenen Firmen wird er mit allerhand ausgerüstet, was ein Skater so braucht: Bretter, Achsen, Turnschuhe und Kleidung. „Das ist schon cool. Vor allem weil die Firmen mittlerweile auf mich zukommen“, sagt Huppertz, während sich ein fast schon schüchternes Grinsen auf seinem Gesicht breit macht.

Nicht nur das habe er seinen Sponsoren zu verdanken. Im vergangenen Jahr reiste der Indestädter gemeinsam mit anderen Skatern, einem Fotografen und einem Kameramann für zehn Tage nach Israel. Dort entstanden an verschiedenen Orten, wie einem stillgelegten Wasserpark, Fotos und kurze Videosequenzen. In rund drei Wochen steht bereits die nächste Reise an. Dann geht es für das Team zehn Tage nach Georgien. „Es geht immer in Länder, von denen man in der Skate-Szene noch nicht so viel gehört hat“, erklärt Huppertz.

Das ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Huppertz ist nicht nur regelmäßig in Fachzeitschriften zu sehen. In den kommenden Wochen soll auch ein Kinotrailer mit ihm herauskommen. Ein Filmteam wurde auf den Indestädter, dessen Eltern in Röhe einen Landwirtschaftsbetrieb betreiben, aufmerksam und drehte mit ihm einen Werbesport zu einer Milchkampagne. „Die fanden toll, dass ich vom Land komme und skate. Das gibt es nicht so oft“, sagt Huppertz. Der Trailer, der auf dem elterlichen Hof und in einem Skatepark in Bielefeld gedreht wurde, wird bald in den Kinos in Düsseldorf und Bielefeld gezeigt. Auch auf Postkarten und Stickern wird der Indestädter künftig zu sehen sein.

Wie der Student zum bekannten Skater und Werbegesicht wurde? „Ich bin immer dran geblieben, hatte viel Durchhaltevermögen und war motiviert. Ich habe jahrelang darauf hingearbeitet, aber viele Kids sieht man nach einem Sommer im Skatepark meistens nicht mehr. Das ist schade.“

Ganz genau erinnert sich der 23-Jährige an seine ersten Tricks. Der einfachste sei der so genannte Ollie, ein Sprung mit dem Skateboard. Ein weiterer nennt sich Kickflip. Bei diesem Sprung dreht sich das Board um 360 Grad. „Dafür habe ich richtig lange gebraucht, aber ich habe nicht aufgegeben“, sagt Huppertz. Was ihm dabei besonders geholfen hat? „Dass es in Eschweiler einen Skatepark gibt.“ Das sei schließlich nicht in jeder Stadt der Fall.

Angst vor Sprüngen und Tricks habe er zu Beginn nicht gehabt. „Nur so lernt man auch etwas Neues. Heute kenne ich meine Grenzen und weiß, wie man sie einzuschätzen hat“, sagt Huppertz. Ein absolutes No-Go für ihn: der so genannte Backflip, ein Rückwärtssalto aus einer Rampe heraus. „Den können nur vereinzelte Fahren, aber das würde ich gar nicht versuchen, denn dafür wäre mir mein Genick zu schade“, sagt er und lacht.

Ein vorderer Platz bei den deutschen Meisterschaft ist für Martin Huppertz nicht unbedingt Muss. Vielmehr hofft er, dass sein Sport auch in der Indestadt wieder populärer wird. Dazu möchte der 23-Jährige beitragen. Eine Idee hat er bereits. „Es sollte wieder einen Contest in Eschweiler geben. Es wäre cool, wenn hier wieder etwas Größeres zustande kommt. Dann wäre ich auch gerne dabei.“

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