Bei der jecken Dürwisser Nostalgie-Fahrt fließen Lachtränen

Von: Volker Rüttgers
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Das hat Tradition: Die „Kaafs
Das hat Tradition: Die „Kaafsäck” unter der Leitung von Dieter Kaltenbach setzten als Höhepunkt zum Schluss der Nostalgiesitzung das Sahnehäubchen auf.

Eschweiler. Sie „tippe Näl on schwemme en de Kaaf”, so heißt es im Marsch der Dürwisser Narrengarde.

Die Zeiten der Nagelschmiede in Dürwiß sind vorbei, die der „Kaafsäck” noch lange nicht, denn zum 75. Geburtstag der Karnevalsgesellschaft gaben sich noch einmal ehemalige Büttenredner, Tänzerinnen und Musiker die Ehre und traten mit den aktiven Bühnenprotagonisten auf, um gemeinsam in einer rauschenden Nostalgiesitzung zu einer blau-gelben Zeitreise aufzubrechen.

„Wenn die Bühne in Blau und Gelb erstrahlt, wenn alles musiziert und lacht, dann platzt du vor Freude!” Der Mann wusste, wovon er in seiner Laudatio sprach: Der kommende Prinz der Session, Alfred Wings, war der Erste, der seiner Narrengarde in der restlos ausverkauften Dürwisser Festhalle am Samstagabend gratulierte, und dabei treffend feststellte: „Wir sind nur ein Karnevalsverein”.

Mit der Dürwisser Nationalhymne, dem Gardemarsch, eröffnete ein Quartett aus Quirin Schleipen, Michael Clermont, Matthias Hanf und Hubert Wings die musikalische Hommage an Heinrich Linnartz, den Dürwis­sern besser bekannt als „Hein Bein”, der zahlreiche Lieder dem Stadtteil im Norden Eschweilers und seinen Bewohnern gewidmet hat. Zunächst aber ein Werk aus der Feder von Quirin Schleipen: „Mije bruche net noh´ Düsseldorf, on net noh´ Kölle am Rheng”.

Dass die Dürwisser stolz auf ihre eigene Karnevals-Kultur sind, war am Samstag deutlich zu spüren. Denn neben den vielen fantasievollen Kostümgruppen und Uniformierten, die immer wieder ein beeindruckendes Bild in den Karnevalsumzügen bieten, neben der großen Jugendabteilung, den hervorragenden Musikgruppen sind es vor allem auch die großen Persönlichkeiten, die eng mit dem Dürwisser Karneval verbunden sind und diesen geprägt haben.

Eine davon ist ohne Zweifel Jupp Sieberichs gewesen, der als Präsident der Gesellschaft von 1956 bis 1978 wie auch als Mundartredner viele Sitzungen mit seinem unnachahmlichen Humor bereichert hat. In memoriam an den kürzlich verstorbenen Ehrenpräsidenten sorgten Damenpräsidentin Charlotte Schröteler und Präsident Patrick Nowicki als „Maatwieve” für eine regelrechte Achterbahnfahrt der Nettigkeiten und ließen in atemberaubendem Tempo eine Schimpfwort-Tirade ab, die beim Publikum im ausverkauften Saal für Vergnügen sorgte.

Drei Generationen an Tänzerinnen stehen sinnbildlich für die große Tanz-Tradition der Dürwisser Narrengarde und bewiesen auf der Bühne, dass sie nichts verlernt haben und mit den aktuellen Tänzerinnen Schritt und Takt halten können.

„Os Weä is net jesongk”, musste „Wetterfachmann” Josef Körfer im Anschluss feststellen. Nach jahrelanger Bühnen-Abstinenz ließ der begnadete Büttenredner das Publikum noch einmal in den Genuss seines pointierten Wortwitzes in Reimform kommen. Und wenn Jupp dann selbst über seine Ausführungen lachen muss, dann macht das den charismatischen Büttenredner nur umso sympathischer. Unter Zuhilfenahme seines gesamten Repertoires an Mimik und Gestik unterhielt er auch ohne Worte mit Geschichten über sein „Kachelmännchen” und weisen Bauernregeln.

Für ein weiteres vergnügliches Wiedersehen sorgte Ehrenpräsident Hans-Peter Schnitzler, der zusammen mit seinem Bruder Gerd als Dorftrottel-Duo bei den Zuschauern wahre Begeisterungsstürme ernteten. Vom „Brühwürfelbajazzo” bis „Ein Männlein steht im Wald - internäschionell”, das Schnitzler-Gespann funktionierte, als ob ihr letzter Auftritt erst gestern gewesen wäre. Gemeinsam mit Ehrenkommandant Heinz Münstermann und Kommandant Georg „Schorsch” Johnen kehrte Hans-Peter Schnitzler später am Abend noch einmal auf die Narrengarde-Bühne zurück und sorgte als einer der „Drei Chaotis” für eine ganz eigene Interpretation von Herbert Grönemeyers Hit „Männer”.

Musik durfte natürlich bei dieser besonderen Geburtstagsfeier nicht fehlen. Die „Domstürmer” aus Köln folgten dem Ruf ihres Gitarristen Marcus Maletz, der als Kind selbst die Gardeuniform trug, und hatten am Dürwisser Karneval ebenso viel Spaß wie das Publikum, das längst nicht mehr auf den Stühlen verweilte. Auch die „Kaafsäck” trugen selbstverständlich ihren Teil zum 75. Geburtstag ihrer Muttergesellschaft Narrengarde bei und starteten in ihrem ersten Set vor der Pause eine musikalische Zeitreise ins Gründungsjahr der Gesellschaft mit klassischen Stücken wie Franz Liszts „Les Preludes”, der Ouvertüre „1812” von Tschaikowsky und „Lilly Marleen”. Im zweiten Set wurde es dann moderner und vor allem rockiger: Auf dem „Highway to hell” hatte das Trompetenkorps unter der Leitung von Dieter Kaltenbach eine „Superjeile Zick” und fasste den Jubiläumsabend der Narrengarde treffend zusammen: „We are the champions!”

Diese präsentierte sich ebenfalls in bester Laune, als sämtliche Uniformierten zum blau-gelben Block aufmarschierten und unter dem Kommando von Adjutant Wolfgang Liebert, dem Tanzpaar Milena Getz und Fabian Florenkowsky sowie Marketenderin Nicki Klimek einen passenden Rahmen boten. Mit der Damentanzgarde und den Rainbow-Dancers rundeten die Dürwisser Karnevalisten das Programm der Nostalgie-Sitzung ab. „Ävve jedes ech Dörwisser Kenk met Stolz de Nam hüh dräht, denn met Traditiun dat zesahme henk, wenn ene Kaafsack sät!” Nicht nur Jupp Sieberichs empfand die Bezeichnung „Kaafsack” zeitlebens als Kompliment, auch die Karnevals-Generationen vor, mit und nach ihm haben sie ins Herz geschlossen: die Narrengarde.
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