Bei den Genossen knallen die Sektkorken

Von: Patrick Nowicki und Anreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
Jubel im SPD-Fraktionszimmer d
Jubel im SPD-Fraktionszimmer des Rathauses: Stefan Kämmerling feierte gestern Abend mit seiner Lebensgefährtin Steffi Sommer und seinem Team den Sieg. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Am Sonntag jubelt im Rathaus einmal Schwarz-Gelb. Allerdings nicht die Kommunalpolitiker, sondern die Fußballer von Berussia Dortmund werden beim Empfang in ihrer Heimatstadt auf der Leinwand im Rathaus gezeigt.

Die Zahlen der Projektion rechts daneben lassen nur die SPD frohlocken. Kurz nach halb Neun Sonntagabend sind auch die letzten Zweifel beseitigt: Stefan Kämmerling holt den Wahlkreis Aachen IV deutlich gegen Axel Wirtz (CDU) und zieht direkt in den Düsseldorfer Landtag ein. 4528 Stimmen liegen letztlich zwischen den beiden Kontrahenten.

Dank an das Team

Mit diesem deutlichen Wahlerfolg hätten selbst die in Eschweiler erfolgsverwöhnten Genossen nicht gerechnet. Der Kandidat selbst lässt sich nur kurz von seinen jubelnden Anhängern im SPD-Fraktionszimmer des Rathauses feiern und bedankt sich brav bei seinem Wahlkampf-Team: „Diese Arbeit kann man mit Geld nicht bezahlen, ohne euch hätte ich das nicht geschafft!” Anschließend schüttelt er Hände und herzt sich durch die Menge.

Darunter befinden sich auch sehr prominente Sozialdemokraten. Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, besucht am Wahlabend seine alte Heimat Eschweiler - er ist in Hehlrath geboren: „Wenn die SPD ein Präsiumsmitglied schickt, dann zeigt das, welche Bedeutung der Sieg von Stefan Kämmerling hat”, ruft er den Genossen augenzwinkernd zu, um ironisch anzufügen: „Wenn man das Ergebnis von heute sieht: So müssen sich die Israeliten gefühlt haben, als sie von Moses aus der ägyptischen Gefangenschaft geführt wurden.”

Vom SPD-Unterbezirk Kreis Aachen gratuliert ein weiterer Martin, Martin Peters, der sich als Vorsitzender über einen Doppelsieg freut, schließlich gewinnt auch die Kandidatin für den Nordkreis, Eva-Maria Voigt-Küppers das Direktmandat. Die indestädtischen Sozialdemokraten, allen voran Bürgermeister Rudi Bertram und der Fraktionsvorsitzende Leo Gehlen meinen unisono: „Eschweiler hat wieder eine eigene Stimme im Land.”

Keine Frage, die SPD ist der Gewinner der Landtagswahl auch in Eschweiler. Nicht nur bei den Erststimmen, der Stimme für den Direktkandidaten legt sie deutlich zu (Plus 436). Bei der Zweitstimme entscheiden sich 888 Menschen mehr für die Sozialdemokraten als noch vor zwei Jahren. Das dickste Plus verzeichnet jedoch die Piratenpartei an der Inde: 1586 bei den Erst- und 1648 bei den Zweitstimmen. Bei einer Kommunalwahl würden bei dem Ergebnis mindestens drei Piraten im Stadtrat sitzen. Ganz anders die Linken: Die müssen mit einem satten Minus von 786 Erst- und 808 Zweitstimmen leben.

Eklatante Einbrüche muss die CDU wieder an der Inde hinnehmen, wobei sich der Direktkandidat Axel Wirtz besser schlägt als seine Partei. Der Gressenicher verliert 951 Stimmen im Vergleich zu seinem knappen Sieg vor zwei Jahren, der Landespartei kehren sogar 1723 Indestädter den Rücken zu. Allerdings kann man in Eschweiler nicht sagen, die geringere Wahlbeteiligung habe zu Verlusten geführt: Sie stieg sogar auf 57,32 Prozent.

Wirtz auch im Landtag

Der Stolberger und bisherige Landtagsabgeordnete Axel Wirtz wird auch im neuen Landtag vertreten sein. Um kurz vor 22 Uhr endet seine Zitterpartie, dann ist klar, dass auch Listenplatz 22 bei der CDU zieht. Zu diesem Zeitpunkt sind schon die ersten Sekt und Biere im Eschweiler SPD-Fraktionszimmer geflossen: „Die sechs Wochen Wahlkampf waren sehr anstrengend, jetzt darf auch Feiern erlaubt sein”, so Stefan Kämmerling.

Sein Weg führt jetzt nach Düsseldorf. Noch am Abend seines Erfolgs stellt er klar: „Ich bleibe ein Wahlkreisabgeordneter.” Das bedeutet, dass er sein Mandat als Stadtverordneter und auch seinen Sitz als Vorsitzender des Stadtverbandes behalten möchte. „Ich möchte der ehrenamtlichen Politik weiterhin nah sein.” Zudem sieht er seine Arbeit vorrangig darin, seinen „Wahlkreis nach vorne zu bringen”. Ausschussarbeit in Düsseldorf wird er natürlich auch verrichten müssen, „aber welche muss sich natürlich jetzt zunächst noch ergeben”. Am Dienstag reist er in die Landeshauptstadt zur ersten Fraktionssitzung der SPD.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert