Bauchredner Tomkins lässt Puppen im Talbahnhof tanzen

Von: vr
Letzte Aktualisierung:
9232321.jpg
Lässt das Publikum fast vergessen, dass seine Puppen nur Puppen sind: Benjamin Tomkins. Foto: Volker Rüttges

Eschweiler. Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sitzen gemütlich beim Frühstück im Hotel, als es aus dem Frühstücksei ihres Tischnachbarn heftig klopft und ein gedämpftes „Lass mich ´raus“ zu hören ist. Merkwürdig? Nicht, wenn ihr Tischnachbar Benjamin Tomkins heißt und einer der Shooting Stars der deutschen Comedyszene ist.

Der Bauchredner macht sich nämlich im Alltag gerne einmal einen Spaß daraus, seine Umgebung durch seine Kunst zu verwirren. Dabei war es eher ein Zufall, dass der Weltenbummler vor drei Jahren seine Begabung entdeckte. Nachdem er einen Bauchredner aus dem Fernsehen nachzuahmen versuchte, folgten schnell erste Auftritte mit einer ersteigerten Puppe vor Freunden und auf Familienfeiern.

Bei seinem Auftritt im Talbahnhof begeisterte Tomkins mit einer Mischung aus Stand up und klassischer Bauchredner-Show, wobei eine überdimensionale Fliege, ein „alter Sack“, eine schüchterne Schildkröte und ein süßes, handgroßes Kaninchen schon eine interessante Mischung an Charakteren darstellt.

Der Träger des Prix Pantheon 2014 macht auch vor der Weltliteratur nicht Halt und analysierte am Freitag wortwörtlich den tragischen Helden „Hoppe Hoppe Reiter“. Wenn dann auch noch der „alte Sack“ über den Sinn des Lebens philosophiert kann es schon absurd-komisch werden: „Sind Sie eigentlich religiös? Katholisch, buddhistisch? – Jungchen, ich bin Jute!“

Von urkomischen Momenten wie seiner ersten Weinprobe bei „Sir Conny“ bis zu tief romantischen Momenten, wenn Schildkröte Henriette sich aus ihrem Haus traut und „Dream a little dream of me“ haucht, reichte das emotionale Repertoire Benjamin Tomkins am Freitag, welches in der Summe immer zu Lachtränen führen sollte. Dabei lebt der Wahl-Berliner seine Neugier auf der Bühne so aus, dass das Programm nie einstudiert oder kalkuliert, sondern immer frisch und spontan wirkt.

„Facebook ist wie Stasi, nur freiwillig“ und „Supermärkte machen aus uns andere Menschen“, wusste der gebürtige Erlangener zu berichten und könnte hiermit problemlos ein komplettes Stand up-Programm füllen. Zum Glück greift der 49-Jährige dann jedoch immer wieder in seinen großen Rollkoffer und zückt jene skurrilen Handpuppen, die durch seine Spielweise und Bauchrednerkunst so echt wirken, dass das Publikum beim Häschen „Muckel“ ein lang gezogenes „Süüüüüüß“ zwitschert, woraufhin Tomkins die Puppe von der Hand zieht: „Leute, das ist immer noch nur eine Puppe!“. Sehr zum Amusement nicht nur der Herren und Frauen Schmidt in der ersten Reihe des Talbahnhofs.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert