Bau des „Indeland-Windparks“: Strukturwandel wird sichtbar

Von: Patrick Nowicki
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Symbolischer Spatenstich am Fundament eines Windrades: (von links) Thomas Zerres (Rurenergie), Lars Kulik (RWE Power), Manfred Schröder (EWV), Hans Bünting (Innogy), Bürgermeister Rudi Bertram und Jens Bröker (Indeland GmbH). Foto: Patrick Nowicki
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Alte und neue Energie: Ein Blick von Aldenhoven an den Windrädern vorbei zum Kraftwerk Weisweiler. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler/Aldenhoven. Die Energiewende wird spürbar, aber nicht jedem gefällt das, was sie mit sich bringt. So erklärt sich, dass am Dienstag gleich einige Vertreter von Energieunternehmen zufrieden zur Tat schritten, um den offiziellen Baustart des neuen Windparks im Norden Eschweilers zu verkünden.

Während das Repowering der Halde Nierchen wohl abgeblasen wird, wurde an der Stadtgrenze zu Aldenhoven ein Kompromiss gefunden: Dort werden in diesem Jahr weitere 13 Windräder entstehen, weniger als ursprünglich vorgesehen. Dies hat einen größeren Abstand zu Lohn und Fronhoven zur Folge, wo sich Bürger gegen die Pläne gewehrt hatten.

Innogy-Chef Hans Bünting, der die Leitung der RWE-Sparte für Erneuerbare Energien innehat, machte deswegen am Dienstag gleich zu Beginn der Runde deutlich, dass die Energiewende nur mit den Bürgern gemeinsam gelinge: „Ein solches Projekt lässt sich nur noch mit der Akzeptanz der Bevölkerung umsetzen“, sagte er.

Da hilft es, dass mit der Energie- und Wasserversorgungs-GmbH (EWV) und der Rurenergie gleich zwei lokale Partner mit von der Partie sind. Ursprünglich war sogar gedacht, dass die Stadt Eschweiler mit einsteigt, wovon man im Rathaus jedoch schnell Abstand nahm.

Auch jetzt ist die Stadt in mehrerer Hinsicht beteiligt: zum einen unmittelbar an der EWV, zum anderen mit Aktien an der RWE. Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram war darum auch durchaus zufrieden, dass der „Strukturwandel nun für jeden zu sehen ist“.

Die Beteiligung der Menschen vor Ort kann jedoch weiter wachsen: Kürzlich wurde unter der Federführung der EWV eine Genossenschaft gegründet, die Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien umsetzt. EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder verkündete am Dienstag, dass man darüber nachdenke, einen Teil der Beteiligung in die neue Genossenschaft zu stecken. Ab Mitte es Jahres sollen sich dort Bürger mit einer Einlage in Höhe von 50 bis 500 Euro einkaufen können.

Zügiger Beschluss

Ein Strippenzieher beim Strukturwandel im Rheinischen Revier ist die Entwicklungsgesellschaft Indeland, die auch an der Entstehung des Windparks in Eschweiler beteiligt ist. Deren Geschäftsführer Jens Bröker sprach von einem „spektakulären Projekt“ und von einem „Modell für die Zukunft“.

Gleichwohl machten er und der Eschweiler Bürgermeister Bertram deutlich, dass der Weg bis zum Spatenstich durchaus steinig war. „Es waren dicke Bretter zu bohren“, berichtete Bröker. Vor allem die Form der Beteiligungen war in mehreren Runden verhandelt worden. Der politische Beschluss im Eschweiler Stadtrat erfolgte schließlich zügig.

Allerdings drohte Ungemach, da das Zugeständnis an die Bürger dazu führte, dass im Bebauungsplan eine Fläche für Windenergieanlagen herausgenommen wurde. Somit reduzierte sich die Zahl auf zwölf neue Anlagen. Leidtragende war die REA GmbH, die über einen Anwalt mitteilen ließ, dass sie rechtliche Bedenken gegen die Einschränkung auf neun Räder anmeldet.

Diese Haltung teilte zunächst auch die Städteregion Aachen, sie ruderte allerdings beim Erörterungstermin im vergangenen Mai in der Festhalle Weisweiler zurück. Bisher blieb es bei der Drohung, eine Klage gegen den B-Plan ist nicht eingereicht worden. Ohnehin ist man im Eschweiler Rathaus sicher, dass alles rechtens ist.

Symbolischer Charakter

Auf die Pläne der Innogy hatte dies keine Auswirkung. Schon seit Monaten wird an der Grenze zum Gemeindegebiet Aldenhoven fleißig gebaggert und gebuddelt. Beteiligt sind auch Mitarbeiter der RWE Power AG, jener RWE-Tochter also, die für Braunkohleverstromung zuständig ist. Der Windpark hat für Lars Kulik, Mitglied des RWE-Power-Vorstands, darum auch symbolischen Charakter: „Es zeigt sich das Zusammenspiel der konventionellen Stromerzeugung und der Erneuerbaren, das noch lange gelten wird“, sagte er.

Die Fundamente für die ersten Windräder sind bereits gegossen und lassen erahnen, welche physikalischen Kräfte dort tätig sind. Für die Ingenieure ist auch der Untergrund herausfordernd, schließlich befinden sich die Anlagen auf rekultivierter Fläche, also ehemaligem Gebiet des Tagebaus Inden. 18 Meter in die Tiefe gründet darum das tellerrunde Fundament aus Stahlbeton, das einen Durchmesser von 22 Metern umfasst.

Die ersten vier Räder westlich des Schlangengrabens sollen schon im Frühjahr in Betrieb gehen. Parallel beginnen die Arbeiten an weiteren neun Anlagen nördlich von Fronhoven. Die Genehmigung für den Bau wurde kurz vor Weihnachten erteilt, die Erdarbeiten beginnen in Kürze. Im Herbst sollen sich die Rotorenblätter dann drehen. Sie erreichen an der Spitze bis zu 200 Meter.

Dies ist die derzeit gesetzlich vorgegebene Maximalhöhe für solche Anlagen. Für die Betreibergesellschaft spielt sie eine wichtige Rolle: Je höher und größer die Anlage ist, desto effektiver ist sie auch und desto langsamer können die Rotoren drehen. Dass allerdings auch andere Aspekte beim Bau eines Windparks zu berücksichtigen sind, unterstreicht die Tatsache, dass manche Windräder bei Aldenhoven nur 180 Meter hoch werden. Der Grund: Der Park befindet sich in der Einflugschneise zum Awacs-Flughafen bei Geilenkirchen.

Die Energiewende und der Strukturwandel – sie werden das Leben in Eschweiler in den nächsten Jahren prägen. Indeland-Geschäftsführer Bröker machte am Dienstag deutlich, dass es vermehrt auf das Zusammenspiel von Unternehmen und Kommunen ankommen wird, ob Projekte erfolgreich umgesetzt werden können. „Es sind viele Menschen mit gut gemeinten Initiativen unterwegs, am Ende kommt es jedoch darauf an, die Projektpartner gut zu kennen und zusammenzubringen“, meinte Bröker.

Innogy macht in diesem Zusammenhang aus der Not eine Tugend: Um größere Investitionen anzustoßen, war die RWE-Tochter vor Jahren noch auf Partner angewiesen. Nach dem Börsengang im vergangenen Oktober steht nun mehr Investitionsvolumen zur Verfügung. Hans Bünting sprach am Dienstagdavon, pro Jahr zusätzlich 80 Megawatt Windenergieleistung in Deutschland neu installieren zu wollen. Etwa die Hälfte dieses Ziel hat er mit dem Windpark in Eschweilers Norden bereits erreicht.

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