Bakterien ins Weisweiler Trinkwasser: Suche nach dem Leck

Von: Patrick Nowicki
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Sprudelndes Trinkwasser: Weil
Sprudelndes Trinkwasser: Weil Keime im Weisweiler und Hüchelner Wassernetz gefunden wurden, galt dort eine Abkochempfehlung. Die Ursache für die Wasserverschmutzung ist noch nicht gefunden. Foto: Patrick Nowicki (3), Peter Stollenwerk, imago/INSADCO

Eschweiler. Das Trinkwasser in Weisweiler riecht im Moment wie das Wasser im Schwimmbad. Vor allem, wenn man warm oder heiß duscht. Hintergrund ist das Chlor, das im Moment dem Leitungswasser beigemischt wird. Dieses Element tötet Keime ab - und solche sind vor zwei Wochen bei einer Routineuntersuchung gefunden worden.

Nicht viele, aber so viele, dass eben bestimmte Mechanismen in Gang gesetzt wurden, um die Verunreinigung nicht zu einem großen Problem wachsen zu lassen. Wenn sich zudem E-Coli-Bakterien im Wasser befinden, empfiehlt die Behörde automatisch, das Wasser vor der Nutzung abzukochen.

Die Ursache, wie die Keime ins Wasser gerieten, ist auch Tage später immer noch nicht gefunden. Aber eine Erkenntnis haben die Experten: Keime befinden sich im Trinkwasser keine mehr. Am vergangenen Freitag wurde bereits die Abkochempfehlung, die für Weisweiler und Hücheln galt, aufgehoben.

Von der Trinkwasseraufbereitungsanlage Roetgen aus gelangt das Wasser auch in den Hochbehälter Tannenhof, der zwischen Bovenberger Wald und Steinbruch liegt. Dort kann man einen Blick auf Nothberg und Weisweiler werfen.

Da dort die letzten auffälligen Proben zwischen Weisweiler und Roetgen gefunden wurden, liegt für die Experten der Verdacht nahe, dass dort die Keime ins Wassernetz gelangten. Allerdings wurde die Eintrittstelle bis Donnerstag nicht gefunden. „Der erste Behälter wurde ausgiebig untersucht - es gab keine Befunde”, bestätigt Walter Dautzenberg, Abteilungsleiter Technische Netze bei der Enwor (Energie und Wasser vor Ort).

Für Weisweiler und Hücheln ist eigentlich die Energie- und Wasserversorgungs GmbH (EWV) zuständig, allerdings bezieht das Unternehmen sein Wasser auch vom Hochbehälter Tannenhof, der von Enwor betrieben wird. Dem ist auch Nothberg angeschlossen - weswegen auch dort das Wasser gechlort wird. Allerdings gab es in Nothberg nie auffällige Proben.

Oberhalb von Eschweiler am Bovenberger Wald befindet sich die Mitte der 60er Jahre gebaute Anlage, die von außen wie ein Bunker wirkt. Innen befinden sich ein großer Raum mit Kontrolleinheiten und Rohren sowie zwei große Betonbehälter an den Seiten. 1,5 Millionen Liter fasst jeder Behälter. Das entspricht etwas dem Durchschnittsbedarf der Menschen, die in Nothberg, Weisweiler und Hücheln leben. Die Betonbecken sind hermetisch abgeriegelt, damit keine Verschmutzung an das Wasser gelangen kann.

„Die Becken sind auch dazu nötig, um das Wasser zu beruhigen”, erläutert Dautzenberg. Es schießt nämlich mit einem Druck von 10,3 Bar in die Anlage. Zum Vergleich: Das Wasser in den Haushalten weist einen Druck von zwei bis vier Bar auf. Bis zu 100 Liter Wasser aus Roetgen werden pro Sekunde in die beiden Behälter gespült. Ins Netz leitete die Anlage Donnerstagmittag etwa 67 Liter Wasser pro Sekunde. „An heißen Sommertagen ist der Bedarf natürlich größer, dann müssen wir mehr Wasser hinzugeben”, erläutert Walter Dautzenberg.

Derzeit werden zahlreiche Proben aus dem Wassernetz gezogen. „Die Anlage steht natürlich jetzt unter der Lupe”, berichtet er. Wie sich alle zu verhalten haben, steht fest. Das Gesundheitsamt ist ebenso eingeschaltet wie die Wasserversorger. Selbst die Hausärzte in und um Weisweiler wissen bescheid und melden jeden Verdachtsfall einer Krankheit, die auf das verunreinigte Leitungswasser zurückzuführen sein könnte. Die Bakterien im Wasser, die Coli-Bakterien, können unter anderem Durchfall auslösen. Bis Donnerstag lag dem Gesundheitsamt keine Meldung vor.

Derzeit wird eine Wasserkammer des Hochbehälters Tannenhof nach der Begehung gereinigt, die zweite soll in der kommenden Woche untersucht werden. Was passiert, wenn auch dort nichts Auffälliges entdeckt wird? „Es kann durchaus sein, dass wir die Ursache nicht finden”, befürchtet Walter Dautzenberg. Das beunruhigt den Enwor-Mitarbeiter jedoch nicht, weil das Trinkwasser ständig untersucht wird. Allerdings hat er durchaus Verständnis für besorgte Bürger: „Viele Menschen vergessen, dass wir ständig von Bakterien umgeben sind, es aber für Trinkwasser besonders strenge Regeln gibt.”

Ein Störfall wie jetzt in Weisweiler kommt dennoch sehr selten vor. Etwa 25.000 Euro kostet das Mehr an Proben, schätzt die Enwor. Zudem muss eine Fachfirma aus dem Spessart anreisen, um die Wasserbehälter zu säubern und hygienisch zu versiegeln. Aktuell werden 0,25 Milligramm Chlor pro Liter Trinkwasser beigemischt - für den Menschen völlig ungefährlich, für Keime tödlich. Wie lange die mobile Chlorungsanlage im Hochbehälter Tannenhof angeschlossen bleibt, ist ungewiss. Dies entscheidet der Amtsarzt.

Es ist damit zu rechnen, dass die Chlormenge in den nächsten Wochen kontinuierlich verringert wird. Die Menschen in Weisweiler, Hücheln und Nothberg müssen sich darauf einstellen, dass ihr Wasser noch etwas länger nach einem Besuch im Schwimmbad riecht.

Bei Rückfragen stehen die Mitarbeiter der Enwor Rede und Antwort: unter Telefon 02407/579-1500.
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