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Bahnübergang Lindenallee: Die Nervenprobe an den Schranken

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Lange Wartezeiten an dem Bahnübergang an der Lindenallee? Fußgänger, Rad- und Autofahrer ärgern sich oft darüber, dass sich der Verkehr dort immer wieder staut. Ein Problem, das auch dem Ordnungsamt bekannt ist. Foto: Sonja Essers
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Wenn die Schranke runter geht, wird der Motor abgestellt. Das dauert allerdings vielen Verkehrsteilnehmern zu lange. Foto: Sonja Essers

Weisweiler. Wer von der Lindenallee aus in Richtung Hücheln unterwegs ist, der sollte Zeit einplanen – viel Zeit. Der Grund: der Bahnübergang und die Ampelschaltung kurz vor der Langerweher Straße. Dort warten Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer manchmal bis zu zehn Minuten, um ihre Tour fortsetzen zu können. Was in diesen Situationen oft entsteht? Jede Menge Ärger!

Diesem machten in den vergangenen Tagen zahlreiche Indestädter in einem sozialen Netzwerk Luft. Auch Steffi Mehlkoph hat als Anwohnerin mit Ampelschaltung und Wartezeiten ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht. „Mal klappt es gut, mal eher nicht und manchmal halt gar nicht“, sagt sie und nennt als Beispiel die Ampel an der Straße Weißer Weg. Sie werde häufig gar nicht mehr grün. „Wir wissen nicht, woran das liegt und wie die Schaltung gerade eingestellt ist. Es ist nur nervig“, sagt sie.

Dass man als Verkehrsteilnehmer von dieser Situation schnell genervt sein kann, weiß auch Edmund Müller. Der Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Eschweiler wohnt selbst in Weisweiler und überquert den Bahnübergang regelmäßig. „Diese Haltestelle in Weisweiler war von Anfang an problematisch. Die Schwierigkeit ist, dass dort mehrere Dinge abgedeckt werden müssen.“

Drei Ampeln auf 400 Metern

Was das genau bedeutet? Ganz einfach: Wer von der Lindenallee in die Straße Weißer Weg möchte – laut Navigationsgerät nicht einmal 400 Meter – muss drei Ampeln passieren, die allerdings zu unterschiedlichen Zeiten das grüne Licht zeigen.

Während die mittlere Ampel bereits umgesprungen ist, warten Autofahrer an der vorderen Ampel noch darauf, losfahren zu können. Und dann ist bereits nach wenigen Sekunden schon wieder rot. Ein Blick auf die Stoppuhr zeigt, dass am Mittag die Grünphase bis zu 15 Sekunden dauert, die Rotphase allerdings bis zu einer Minute und sieben Sekunden.

Ganz schön lange, oder? Viele Bürger, die sich im Internet zu dem Thema ausließen, machten die Stadt dafür verantwortlich. Das ist jedoch nicht ganz richtig. Berechnet werden diese Zeiten nämlich nicht von der Stadt Eschweiler selbst, sondern von einem externen Ingenieurbüro, sagt Müller. „Diese Berechnungen sind dermaßen komplex, das kann nur ein Ingenieurbüro leisten. Die Freigabe für die Zeiten gibt dann das Ordnungsamt“, so Müller weiter.

Lösung nicht in Sicht

An der Situation vor Ort ändert das allerdings nichts. Wenn dann auch noch die Euregiobahn – die zu jeder vollen und zu jeder halben Stunde in Richtung Eschweiler und zwei Minuten später in Richtung Düren fährt – kommt, führt das bei etlichen Verkehrsteilnehmern zu Wut. „Es kann passieren, dass es dazwischen keine Grünphase gibt, das ist dann äußerst ungünstig. Zehn Minuten können da schon mal zusammenkommen, die fühlen sich dann aber auch schnell an wie 20 Minuten“, weiß Müller aus eigener Erfahrung.

Eine Lösung ist nicht in Sicht, denn: „Wenn die Euregiobahn in Langerwehe losfährt, müssen in Weisweiler schon die Schranken unten sein“, sagt Müller. Ein Grund dafür: der lange Bremsweg des Zuges. Doch es gibt noch weitere Bestimmungen, an die sich der Betreiber der Euregio-Bahn, die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), halten muss. „Ein Zug kann erst losfahren, wenn die Schranke runtergegangen ist, eine Schranke kann aber erst dann runtergehen, wenn der Bereich rund um die Ampel frei ist“, sagt Müller.

Für Anwohnerin Steffi Mehlkoph ist dieser Zustand unhaltbar. „Es ist eine riesen Gefahrenquelle, ich selbst habe auch dort schon einen Unfall verursacht, weil die Ampeln nicht mehr umgeschaltet haben, der war aber harmlos. Ortsunkundigen könnte das zum Verhängnis werden“, sagt sie. Zustimmung erhält sie von Melissa Ferreira da Silva, die ebenfalls in Weisweiler wohnt und oft im Supermarkt an der Kölner Straße einkauft.

„Bevor man das Haus verlässt, guckt man auf die Uhr, ob es Halb oder Ganz ist. Dann wartet man lieber noch paar Minuten, da man sonst ewig an der Schranke steht“, schildert sie die Situation. Oft entstehe ein Rückstau bis zum Möbelhaus oder sogar bis zur Bank an der Lindenallee. Von Verkehrsentlastung sei hier keine Spur.

Die junge Frau, die bei einem ambulanten Pflegedienst arbeitet, ärgert sich jedoch nicht nur über die Wartezeiten am Bahnübergang in Weisweiler. „Wenn ich Spätdienst habe, fahre ich von der Pumpe in Richtung Bergrath und am Ringofen steht man oftmals bis zu 20 Minuten. Da ich diesen Weg manchmal fünf bis sechs Mal im Dienst fahre, kommt so eine Wartezeit an den Schranken von einer Stunde zusammen.“ Und das sei nicht das einzige Problem. „Wenn es einen Notfall gibt und man schnellstmöglich zum Patienten muss, ist das sehr ärgerlich.“

Diese Erfahrung hat auch Jacqueline Külzer vor rund zwei Wochen gemacht. Am Bahnübergang in Weisweiler stoppte sie interessehalber die Zeit. „Viele redeten davon, dass man dort so lange warten muss, und das wollte ich selbst wissen“, sagt sie und ergänzt:„In dem Moment, in dem die Schranke runterging, kam ein Krankenwagen mit Blaulicht. Die Schranke war sechs Minuten unten, bevor die Euregiobahn losfuhr und im Laufe der achten Minute ging dann die Schranke wieder hoch.“

Die junge Frau hatte in dieser Situation ein merkwürdiges Gefühl. „Bei diesen Fahrten geht es oft um Leben oder Tod, da können wenige Minuten schwere Auswirkungen haben. Ein Krankenwagen muss sowieso schon auf den Verkehr achten, muss dann so etwas noch dazukommen?“, fragt sie.

Laut Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der EVS, gebe es an dieser Haltestelle „keine außergewöhnlich langen Schließzeiten“. Doch auch er weiß, dass dies ein „sehr schwieriger Bahnübergang“ sei. „Dort gibt es beispielsweise viele Lichtzeichen. Das ist aber nichts Neues“, sagt er.

Längere Schließzeiten entstünden lediglich immer dann, wenn beispielsweise Fahrgäste, die im Rollstuhl sitzen, ein- und aussteigen. „Wir wollen jedem Menschen den Zugang zu dem Verkehrsmittel ermöglichen. In so einem Fall muss der Lokführer oft selbst einen barrierefreien Zugang schaffen und das kann dann auch mal dauern“, sagt Fürpeil.

Ein Blick auf die Stoppuhr zeigt, dass die Schließzeiten tatsächlich nicht überstrapaziert werden. In der Regel liegen sie zwischen 1:25 bis 1:38 Minuten. Eine Zeit, die zu verkraften ist. Eigentlich...

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