Bachs Weihnachtsoratorium in der Kirche

Von: jope
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Festlicher Rahmen und eine voll besetzte Kirche: Der Kammerchor „Cantabile“ und das „Vocalensemble“ der Evangelischen Kantorei sangen in der Dreieinigkeitskirche gemeinsam die ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums. Im begleitenden Orchester wirkten viele Eschweiler Musiker mit. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Musik-Eschweiler erlebt einen Spätherbst, der es „in sich hat“. Vor zwei Wochen sorgte die für viele Mitwirkende erste Aufführung des Brahms-Requiems der Städtischen Musikgesellschaft für viel Anerkennung. Am Vorabend des 2. Advent gab es großen Beifall nach der erstmaligen Kooperation zwischen dem Kammerchor Cantabile und dem Vocalensemble der Evangelischen Kantorei. Gegeben wurde Teil 1 bis 3 von Bachs Weihnachtsoratorium in der vollbesetzten Dreieinigkeitskirche.

Kantor Gerhard Behrens war nicht nur der Initiator des ehrgeizigen und nach mancher Sonderprobe glücklich geschulterten Experiments. Er führte auch mit knappen Erläuterungen in Bachs Meisterwerk ein. Er schilderte es als Ansammlung verschiedener Kantaten des Thomaskantors für Advents- und Weihnachtszeit, welche eine innere Geschlossenheit aufwiesen. Johann Sebastian Bach vertonte dabei neben biblischen auch Texte des als „Picander“ bekannten Schriftstellers. Die Affektenlehre des Barock ermöglichte Bach das sogenannte „Parodie-Verfahren“: Choral-Melodien, die er als Loblieder etwa für weltliche Herrscher benutzte, verwendete Bach auch für das Lob Gottes, dem er dann einen anderen Text zugesellte. Durch dieses Verfahren, aber noch mehr durch die Verinnerlichung der Weihnachtsgeschichte zwecks Musik, so Behrens, werde die Zeitdistanz zwischen Weihnachtsgeschichte und den Ereignissen 2000 Jahre danach aufgehoben.

Heller Tenor, warmer Alt

Die Bach-Musik und ihre beherzt-innige Interpretation durch die Chöre wurde der Mehrdimensionalität der Advents-Haltung gerecht. Sie beinhaltet sowohl das Warten des Volkes Israel und der Jetzt-Zeit auf den Messias ebenso wie die Vorbereitung unseres „inneren“ Advents. Angefangen von dem prächtigen „Jauchzet frohlocket“ bis hin zum Da-capo-Chor „Herrscher des Himmels“ im 3. Teil konnte sich Gerhard Behrens über eine Chorgemeinschaft verlassen, die ihm buchstäblich „an den Lippen“ hing. Singen hat auch mit „Haltung“ zu tun – und es war schön zu sehen, dass Mimik und Gestik der Sängerinnen und Sänger die Freude über das weihnachtliche Geschehen widerspiegelten. Walter Drees gab mit seinem hellen Tenor einen idealen, die berührende Weihnachtsgeschichte erzählenden Evangelisten. Bei der Arie „Frohe Hirten“ – sehr schön von Flöten und Cello-Pizzicato untermalt – kam Koloraturgesang hinzu.

Anna Fischers warmer Alt ging besonders beim Accompagnato-Rezitativ „Nun wird mein liebster Bräutigam“ – sanft begleitet von den Oboisten Bernd Schulz und Christoph Lingemann sowie dem Basso continuo um Theo Palm an der Orgel – sowie der Arie „Schlafe mein Liebster“ zu Herzen. Nur zwei Wochen nach ihrem Solopart beim Brahms-Requiem rechtfertigte die Eschweiler Lehrerin Bettina Thülen ihren verstärkten Einsatz bei Oratiorienaufführungen in der Region. Das Duett „Herr Dein Mitlied, Dein Erbarmen“ an der Seite des Iserlohner Bass-Sängers Manfred Bühl gehörte zu den Höhepunkten des Abends. Als Solo-Sänger glänzte Bühl im Koloraturen bei der Arie „Großer Herr, o starker König“. Der Einsatz der Trompeten verlieh diesem „frischen“ Gesang zusätzlich eine majestätische Note.

Dem Projektchor gesellte sich ein Projektorchester hinzu. Und hier muss neben dem unverzichtbaren und routinierten Einsatz einiger Profis der Einsatz einiger Orchesterspieler der Städtischen Musikgesellschaft gewürdigt werden. Sah sich das Gesamtensemble trotz eigener Jubiläumskonzerte schon beim Konzert zum 30-jährigen Bestehen der Liszt-Gesellschaft in der Pflicht, so diesmal eine Kerngruppe für das ungewöhnliche Eschweiler Chorprojekt. An erster Stelle zu nennen: Konzertmeisterin Dr. Brigitte Petrovitsch. Beherzt und einfühlsam stand sie der Solistin Anna Fischer bei deren Arie „Schließe mein Herze“ zur Seite: ein weiterer Höhepunkt eines im Gesamteindruck überzeugenden Abends.

Am Schluss gab es nicht nur Blumen für Solisten und Dirigenten, sondern auch für einen Zuhörer in der ersten Reihe: Cantabile-Leiter Gregor Josephs, der bei vielen Proben als Korrepitor am Klavier half. Und somit maßgeblich mit dafür sorgte, dass die vielen Konzertbesucher sich an der ganzen Bandbreite der Chorleistung – von innig-getragenen Chorälen bis hin zu schwierigen Fugen – erfreuen durften.

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