Babypuppen bringen Schülerinnen um den Schlaf

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Die Achtklässler der Waldschule üben an den speziellen Babypuppen, wie Babys gewaschen und gewickelt werden. Foto: Annika Thee

Eschweiler. Die Schülerinnen aus dem Pädagogikkurs der Waldschule sind müde und erschöpft. Im Rahmen der Projektwoche hat jede der 20 Schülerinnen eine sogenannte „Babybedenkzeitpuppe“ erhalten. Das Besondere an diesen Puppen: Sie sind mit Sensoren ausgestattet und schreien wie echte Babys, die gewickelt, gefüttert oder einfach nur auf den Arm genommen werden müssen.

Auf die Projektwoche wurden die Schülerinnen im Rahmen des Wahlpflichtkurses Pädagogik bereits ausführlich vorbereitet. Das Projekt „Vor dem Anfang starten – Schüler und Schülerinnen entwickeln Erziehungskompetenz“ wird gemeinsam von der Städteregion Aachen und der Waldschule in Eschweiler angeboten.

Es erstreckt sich über drei Jahre, von Klasse 8 bis 10. Auf dem Lehrplan stehen nicht nur Ernährung und Körperpflege bei Säuglingen, sondern auch schwierige Themen wie Kindesmissbrauch und die Folgen von Alkohol- und Drogenkonsum während der Schwangerschaft.

Der Höhepunkt des Kurses ist die Projektwoche. In dieser Zeit kümmern sich die Schülerinnen rund um die Uhr um die besonderen Puppen. Tagsüber probt die Projektgruppe mit Judith Zimmermann-Hardt von der Städteregion Aachen und der Pädagogiklehrerin der Gesamtschule Gabriele Pieta, wie man Säuglinge wickelt, wäscht und füttert. In einem Rundgang durch die Stadt – die Puppen dürfen natürlich nicht fehlen – suchen die „Mütter auf Probe“ nach Thermometern und erkunden die Preise von Windeln und Babynahrung.

Schließlich dürfen auch praktische Themen wie Haushaltsführung und der Umgang mit Geld nicht auf dem Stundenplan fehlen. Nachmittags nehmen die Achtklässler die Puppen mit nach Hause, wo sie auch nachts regelmäßig von dem Babygeschrei geweckt werden.

Dann heißt es wickeln, füttern und wieder einschlafen. „Im Pädagogikunterricht sollen sich die Schüler damit auseinandersetzen, was ein Kind physisch und psychisch benötigt, um einen guten Start ins Leben zu bekommen“, heißt es von Seiten der Schule. „Sie sollen Kompetenzen erwerben, die ihnen helfen, ein eigenständiges Leben als junge Familie zu führen und alle wichtigen Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten zu kennen.“

Die Städteregion Aachen stellt der Waldschule hierfür nicht nur fachliche Expertise, sondern auch die speziellen „Babybedenkzeitpuppen“ zur Verfügung. „Das Ziel ist nicht, Jugendschwangerschaften zu vermeiden, sondern den Schülerinnen die wichtigsten Kompetenzen zu vermitteln, bevor ein Baby da ist“, sagt Gabriele Pieta.

Ein ähnliches Projekt, das in Neuseeland durchgeführt wurde, hatte entgegen der Erwartungen dazu geführt, dass die Projektteilnehmerinnen häufiger schwanger wurden, als andere gleichaltrige Schülerinnen. „Unsere Erfahrung zeigt: Im Gegensatz zur Studie in Neuseeland gibt es durch das Projekt bei uns keine Erhöhung der Teenie-Schwangerschaften. Das Gegenteil ist der Fall“, bekräftigt Gabriele Pieta.

In der Eschweiler Waldschule ist auch in diesem Jahr das Projekt ein voller Erfolg, auch wenn diesmal nur Mädchen daran teilnehmen wollten. Während der gemeinsamen Evaluationsrunde gaben die Schülerinnen zu, dass die Betreuung der Puppen rund um die Uhr sehr anstrengend für sie gewesen sei.

Alle Teilnehmerinnen bestätigen, dass sie viel gelernt hätten und dass sie mit dem Kinderkriegen lieber noch ein paar Jahre warten würden. Trotzdem hat das Projekt viele Schülerinnen in ihrem Wunsch bestärkt, später selbst im Kinderheim oder im Jugendamt arbeiten zu wollen, erklärten die Mädchen am Ende der Projektwoche.

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