Averdung-Häffner erhält Sozialpreis für Engagement

Von: Patrick Nowicki
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Einsatz für Flüchtlinge wie in der Flüchtlingsunterkunft in Weisweiler an der Severinstraße. Foto: Müller/Nowicki
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Ehrung angetragen: Die Abordnung der GPB freute sich über Brigitte Averdung-Häffners Zusage, den Europäischen Sozialpreis in Empfang zu nehmen: (v.l.) Zaim Celebic, Annelene Adophs, Peter Schöner und Bürgermeister Rudi Bertram. Foto: Müller/Nowicki

Eschweiler. Sie startet Säuberungsaktionen in der Innenstadt, hilft Flüchtlingen in der Unterbringung an der Severinstraße in Weisweiler und veranstaltet Fotoausstellungen, die das Schicksal der Menschen zeigt, die in Deutschland Zuflucht suchen.

Am 3. Oktober erhält Brigitte Averdung-Häffner den Europäischen Sozialpreis im Eschweiler Rathaus. „Sie steht stellvertretend für die vielen Ehrenamtler in der Flüchtlingshilfe“, begründete der Präsident des Europavereins Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft (GPB), Peter Schöner, die Entscheidung. Sie ist insofern bemerkenswert, weil sich damit ein Kreis schließt. Den ersten der nun 20 Preise nahmen ebenfalls Eschweiler entgegen: Petra und Heinz Brocks.

„Für ein Europa des Friedens, Toleranz und Solidarität“, lautet der Leitsatz des Europavereins in diesem Jahr. Es ist der gleiche wie 2015. „Wir haben uns im Vorstand dafür entschieden, den Leitsatz zu übernehmen, weil sich Europa nicht bewegt hat“, sagt Peter Schöner. Die Flüchtlingskrise stelle die Grundidee der Europäischen Union auf die Probe, nämlich die Solidarität der Staaten untereinander. Schöner fordert ein stärkeres Zusammenrücken der Staaten und nennt die Europäische Union das „größte Friedensprojekt“ der Nachkriegsgeschichte.

Der Aspekt der Solidarität zu anderen Menschen führte den GPB-Vorstand dazu, den Sozialpreis diesmal wieder an eine Indestädterin zu übergeben. In ihrem Leben habe sich Brigitte Averdung-Häffner immer wieder für andere eingesetzt, sagte Schöner. In jüngster Vergangenheit engagierte sie sich stark in der Flüchtlingshilfe. Aber schon in den Jahren davor brachte sie sich ehrenamtlich ein. Von 1987 bis 1997 war sie in der Betreuung und Begleitung von Drogensüchtigen tätig.

Zwei Jahre lang, bis 1996 betreute sie einen Insassen der Justizvollzugsanstalt in Aachen. Von 1992 bis 1997 nahm sie ein Kind drogensüchtiger Eltern bei sich auf. Das öffentliche Bekenntnis „Eschweiler hat keinen Platz für Rassismus“ inspirierte sie zur Fotodokumentation „Unter Uns“ von in Eschweiler-Ost lebenden Ausländern. Zwei Jahre lang arbeitete sie als Schiedsperson der Stadt Eschweiler mit. Im Jahr 2013 startete sie die Initiative „Wetten, dass alle Eschweiler blitzesauber machen?!“ mit Eschweiler Bürgern.

„Wenn jemand meine Hilfe braucht, dann helfe ich“, sagt Brigitte Averdung-Häffner selbst. Und dies gelte für Flüchtlinge genauso wie für die ältere Dame, die ihren Einkauf selbst nicht mehr erledigen kann. Preise in Empfang zu nehmen, sei ihr hingegen eigentlich nicht so recht, gesteht die fünfache Mutter und Fotografenmeisterin.

Anpacken, Ideen entwickeln, andere Menschen für ihre Ideen gewinnen – das sind ihre eigentlichen Schwerpunkte. „Der Einzelne kann Dinge bewegen, so lautet mein Credo“, sagt sie. Die vielen kleinen Dinge können in ihren Augen helfen, die Welt besser zu machen. Mit diesem Ansatz erfüllt sie genau die Kriterien des Europäischen Sozialpreises, der Personen auszeichnet, die sich beispielhaft für Menschlichkeit und Menschenrechte einsetzen.

Bürgermeister Rudi Bertram begrüßt die GPB-Entscheidung, wisse er doch, wie viele Menschen sich ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe beteiligen. Der Preis sei ein Weg, einmal Danke zu sagen, meinte der Eschweiler Verwaltungschef. Er forderte den Europaverein auf, sich weiterhin für die Europäische Union einzusetzen.

„Es gibt derzeit politische Bestrebungen, die wollen kein vereintes Europa und meinen, ein Staat alleine sei besser auf sich gestellt – davor kann ich nur warnen“, sagte er. Es sei eine Verpflichtung, den Kindern und Enkeln ein friedliches Europa zu hinterlassen. Wichtig sei auch, die Menschen mitzunehmen, die nicht auf der Gewinnerseite stehen, um den Rechten keine Nahrung zu geben, appellierte Bertram.

Der Europäische Sozialpreis wird am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober vergeben. Bürgermeister Bertram wird voraussichtlich nicht daran teilnehmen können, denn er ist in Sachen Europa unterwegs: An diesem Wochenende weilt eine Eschweiler Delegation in der britischen Partnergemeinde Reigate & Banstead.

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