Autos werden Kröten zum Verhängnis

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
7284026.jpg
Gefährliche Wanderung: Für viele Kröten werden die Straßen zum tödlichen Verhängnis. Tierschützer helfen mit Krötenzäunen. Foto: stock/blickwinkel, imagebroker

Eschweiler. Reiner Leusch schaut seit einigen Tagen jeden Abend an der Cäcilienstraße in Nothberg vorbei. Manchmal auch morgens, nämlich genau dann, wenn es nachts noch geregnet hat. Der Grund: Die Wanderung der Erdkröten hat begonnen, und seit rund 20 Jahren kümmert sich Leusch, der beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) aktiv ist, um diesen Krötenzaun.

Das macht er nicht alleine. Leusch ist Lehrer an der Bischöflichen Liebfrauenschule und hat dort die AG Natur pur ins Leben gerufen. Schüler helfen ihm beim Schutz der Tiere.

Seit zwei Wochen steht der Zaun an der Cäcilienstraße. Rund 200 Meter ist er lang und wurde von Leusch und einigen Schülern aufgebaut. In diesem Jahr konnte der Biologielehrer neben jüngeren Schülern auch angehende Abiturienten für die Arbeiten gewinnen. Darum geht es Leusch auch: zum einen um den Schutz der Tiere und zum anderen sollen Kinder und Jugendliche erfahren, dass die Tiere schützenswert sind.

Erdkrötenbestände werden insbesondere wegen der Zerschneidung ihrer Lebensräume mit Straßen bedroht. Bei ihren alljährlichen Wanderungen, insbesondere vom Winterquartier zum Laichgewässer und später von dort zum Sommerlebensraum, werden viele von ihnen überfahren. Viele Amphibien, darunter auch Erdkröten, fallen zudem in ungesicherte Kellerschächte und verhungern oder vertrocknen dort. Ein großes Problem sind auch die Gullys der öffentlichen Straßenentwässerung.

Frösche, Kröten und Molche gelangen durch die Schlitze der Kanaldeckel in die Schächte und werden über das Abwassernetz verdriftet oder verenden im Schmutzfangkorb – spätestens dann, wenn der Unrat abgepumpt wird.

Die Krötenzäune helfen, etliche Tiere zu retten. Einige wenige Kröten, die bis zu drei Kilometer bis zu ihren Laichgewässern wandern, hat Leusch bereits aus den Eimern geholt. „Wir müssen die nächsten Tage verfolgen. Beim nächsten kräftigen Regenguss geht es sicher so richtig los“, sagt er. An der Cäcilienstraße wandern die Tiere von der Halde, wo sie sich im Winter gut eingraben können, auf der einen Seite zu den Laichgewässern auf den Wiesen auf der anderen Straßenseite. In der Indestadt gibt es sonst derzeit keine Krötenzäune. Das war nicht immer so. So gab es im Bovenberger Wald noch vor einigen Jahren einen dauerhaften Zaun, der jedoch bei Baumfällarbeiten zerstört wurde.

Eine andere Sorge vieler Amphibienschützer ist der Chytridpilz, der die Amphibienhaut angreift. Vor einigen Jahren habe es diesen Pilz in Eschweiler noch nicht gegeben. Ob das jetzt der Fall sei, müssten Tests zeigen.

Der Krötenzaun in Nothberg ist der einzige, den die Gruppe stetig im Auge behält. Bei einem anderen haben die Tierschützer beim Aufbau mitgeholfen. Am Kloster Wenau steht ein rund 800 Meter langer Krötenzaun. Zu spät für einen Krötenzaun, beziehungsweise einen Tunnel ist es an der neuen Autobahnauffahrt Eschweiler-Ost. „Wenn wir gewusst hätten, dass es dort so viele Kröten gibt, hätten wir das in einer Stellungnahme erwähnt,“ sagt Leusch. So entdeckten die Tierschützer dann viele überfahrene Tiere dort.

Wenn Reiner Leusch und seine Schüler die Eimer kontrollieren, bringen sie fast ausschließlich Erdkröten sicher auf die andere Straßenseite. Ganz selten sei mal ein Grasfrosch oder ein Molch dabei, sagt der Lehrer. Die Erdkröte stehe zwar unter Schutz, sei jedoch nicht gefährdet. Das ändert nichts daran, dass jährlich viele Kröten auf den Straßen sterben. So müsste eigentlich der Rückweg auch gesichert werden. An der Cäcilien-straße ist das auf Grund der Bebauung jedoch nicht möglich. Außerdem ziehe sich die Rückwanderung über einen wesentlich längeren Zeitraum hin.

„Wir haben das vor ein paar Jahren probiert, aber hatten keine einzige Kröte in den Eimern“, erinnert sich der Lehrer. Als Leusch damals anfing, retteten er und seine Helfer noch rund 1400 Tiere, im vorigen Jahr waren es noch knapp 400. Leusch hat das „Projekt Krötenzaun“ übrigens von einer Anwohnerin übernommen, die vor 20 Jahren ohne Zaun Abend für Abend (die Krötenwanderung setzt mit der Dämmerung ein) mit einem Eimer die Straße entlang lief und die Tiere einzeln einsammelte.

Ein Blick aufs Thermometer verrät übrigens auch, ob die Tiere wandern. Regen und eine nicht zu tiefe Temperaturen sind für die Erdkröten Zeichen aufzubrechen. „Wenn es bei Sonnenuntergang weniger als vier Grad ist, kann man fast sicher sein, dass sich nichts tut“, sagt Leusch.

Wer übrigens eine Kröte bei der Wanderung sehe, könne diese ruhig auf die andere Straßenseite oder in einen der Eimer tragen, ermuntert Reiner Leusch auch andere Tierschützer.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert