Autor und Kabarettist Frank Goosen im Talbahnhof

Von: Andreas Röchter
Letzte Aktualisierung:
10823926.jpg
Erlebte Familienurlaube als Opfer und Täter: Frank Goosen analysierte im Talbahnhof die Sehnsucht seiner Zuhörer nach Ferne und führte sie bis auf einen Campingplatz im südspanischen Almeria. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Schon „Omma und Oppa“ sangen gerne das „Lied von Sehnsucht und Ferne“. Dumm nur, das so manches Volk halsstarrig an seiner Mutterprache festhält! So sahen die Großeltern von Frank Goosen bald von Urlaubsfahrten nach Italien ab und konzentrierten sich lieber auf die Zielorte Emden und Bregenz. Auch ihr Enkel, der seine Brötchen als Kabarettist und Romanautor verdient, kommt, nicht zuletzt berufsbedingt, viel herum.

Und der Tatsache zum Trotz, dass es aus anderen Richtungen womöglich leichter sein könnte, die Indestadt zu erreichen, verschlug es den gebürtigen Bochumer und passionierten VfL-Fan am Donnerstagabend aus dem geliebten Ruhrgebiet in den Eschweiler Talbahnhof, wo Frank Goosen unter der Überschrift „Durst und Heimweh – Geschichten von unterwegs“ vor zahlreichen Zuhörern eine Retrospektive par excellence zurückliegender mehr oder weniger gelungener Ferienfahrten mit Familie, Kumpels und Beziehungen ablieferte.

Asphalt verbindet

„Südlich von Hattingen beginnt für mich Tirol“, ließ der Kicker-Kolumnist gleich zu Beginn seiner Erzählungen wissen. Und bekannte freimütig, dass ihm der andauernde Hinweis auf die „wunderschönen Landschaften“ im südlichsten aller Bundesländer gehörig auf die Nerven gehe. „Hohe Berge und tiefe Täler trennen die Menschen doch nur. Aber was führt sie zusammen? Asphalt!“, ließ Frank Goosen seine heimatbedingte Autobahnprägung durchschimmern.

Im Kapitel „überwachtes Reisen“ dachte der Kabarettist, der als Kind davon überzeugt war, das Mars tatsächlich mobil mache, an die Klassenfahrten in das Landschulheim Winterberg und nach Berlin zurück. „Berlin war vor 89, also zu Friedenszeiten“, zitierte er eine Ansicht, die ihm von so manchem Bewohner der neuen Bundesländer im vergangenen Vierteljahrhundert mitgeteilt worden sei. Wobei Frank Goosen betonte, sich lieber sechs Stunden Sächsisch anzuhören als eine Minute Französisch.

Seit einer „Kumpeltour“ mit den üblichen Verdächtigen Spüli, Pommes und Mücke in Richtung Portugal, steht darüber hinaus Bergisch-Gladbach auf der Liste der Reizworte. Schließlich schmuggelten einige Mitreisende aus dem beschaulichen Ort dem Quartett ein kleines Päckchen mit weißem Pulver, das sich übrigens als Traubenzucker entpuppte, in die Reisetaschen. Und überhaupt: „Carolin Kebekus lasse ich mir ja noch gefallen. Aber bei Heidi Klum muss ich immer an das Joop und den ersten Teil von Men in Black denken“, echauffierte sich Frank Goosen.

Atlas statt Navi

Nach der Pause kam der Autor, dessen neuer Roman „Förster, mein Förster“ kurz vor der Veröffentlichung steht, auf Zeiten zu sprechen, in denen das Navi noch Aral-Autoatlas genannt wurde, um kurz darauf an eine „Reise mit Beziehung“, die auf einem Campingplatz im südspanischen Almeria endete, zu erinnern: „In Sachen Zeltaufbau bin ich kein Macho und habe nichts dagegen, wenn Frauen den handwerklichen Teil übernehmen!“

Über die Raststätten „Dümmer Dammer Berge“ und „Katzenfurt“, die keinesfalls der Fantasie von Frank Goosen entsprungen sind, näherte sich die wilde Fahrt dann langsam aber sicher der von den Zuhörern kräftig herbeiapplaudierten Zugabe, in der der studierte Germanist endlich auf die wirklich wichtigen Dinge zu sprechen kam. Nämlich Fußball und das Auswärtsspiel in Hattingen mit der Jugendmannschft von Arminia Bochum, die er vier Jahre lang trainierte.

Wobei Frank Goosen sich eigentlich nur mit Vereinen beschäftigt, denen es schlechter geht als dem VfL (Anmerkung: Im Moment des Verfassens dieses Textes verlustpunktfreier Tabellenführer der 2. Bundesliga). „Und da dies immer mehr werden, ist wohl jedem klar, wer auf dem Weg zur Nummer zwei in Deutschland ist“, blieb der Weitgereiste jederzeit realistisch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert