Autoklau war schwerer Raub: Sieben Jahre Haft

Von: Wolfgang Schumacher
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fabian eschweiler autodieb mitgeschleift
Hohe Haftstrafe gefordert: Fabian S. soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für neun Monate hinter Gitter. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Eschweiler. Sieben Jahre Haft wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr: Das ist die Strafe für ein Verbrechen, das am frühen Morgen des 5. September 2012 beinahe den 60-jährigen Schlosser Heinz-Günther Z. das Leben gekostet hätte.

Denn da wollte Z. in einer Eschweiler Tankstelle auf der Fahrt zur Arbeit in Simmerath „nur“ eine Zeitung kaufen. Er kam zurück aus dem Shop und sah, wie der Angeklagte Fabian S. (28) gerade dabei war, sein Auto zu klauen, einen Opel Zafira. Der Autobesitzer beging einen lebensgefährlichen Fehler und griff durchs geöffnete Fahrerfenster in den Wagen, um die von innen verriegelte Tür zu öffnen. Da gab der Dieb Gas. Der Autobesitzer wurde 75 Meter weit über den Asphalt mitgeschleift, bis er sich vom Wagen löste und heftig auf dem Boden aufschlug - auch mit dem Kopf.

Das Urteil des Aachener Schwurgerichts mit dem Vorsitzenden Richter Gerd Nohl fiel sehr ausgewogen aus. Neun Jahre Haft hatte Staatsanwalt Wilhelm Muckel beantragt, doch auch er war zuvor davon abgerückt, das Verbrechen als versuchten Mord zu werten. Dazu, das machte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung deutlich, fehlte eines der sogenannten Mordmerkmale wie Heimtücke, Grausamkeit oder Mordlust.

Der notorische Autodieb Fabian S. – er hat noch zusätzliche vier Jahre Haft wegen ähnlicher Eigentumsdelikte abzusitzen – hat viel Glück gehabt. Der Kammervorsitzende nahm sich lange Zeit, um dem 28-Jährigen dringend und nachdrücklich ins Gewissen zu reden. Er suche die Schuld immer bei anderen. Zehn Jahre habe S. in seinem jungen Leben bereits an Strafen kassiert. Dabei, so der Richter, mache er im direkten Gespräch doch gar keinen so schlechten Eindruck. Er solle endlich die Ziele einer Drogentherapie und die Weisungen, die man ihm gebe, ernst nehmen.

Auch der Geschädigte hatte sein großes Bedauern darüber geäußert, dass der junge Mann sich „das Leben so kaputt“ mache. S. tanze auch immer auf mehreren Hochzeiten, kritisierter Richter Nohl die frühere Lebensführung des Angeklagten. Er war nach seiner Therapie zu einer neuen Freundin gezogen, obwohl gleichzeitig eine andere ein Baby von ihm erwartete. Sie war in der Tatnacht im Eschweiler Krankenhaus und wurde wegen Schwangerschaftsbeschwerden behandelt. Weil S. jedoch aus Eifersucht nachts schnellstens wieder zu seiner neuen Affäre in Übach-Palenberg wollte, klaute er das Auto.

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