Auto weg? Die Einzelteile gibt’s im Internet

Von: Rudolf Müller
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Von der Nähe zur Grenze profitieren Autodiebe auch in Eschweiler. Symbolbild: dpa

Eschweiler. Eigentlich könnte Polizeipräsident Dirk Weinspach ganz zufrieden sein: Die Zahl der Straftaten in seinem Zuständigkeitsbereich ist im zurückliegenden Jahr zwar um 1475 auf 53.428 gestiegen, was ein Plus von 2,8 Prozent bedeutet. Doch in vielen Bereichen konnte die Polizei deutliche Rückgänge verzeichnen.

Beispielsweise bei der Straßenkriminalität und der Gewaltkriminalität – beides Bereiche, die den Bürgern am meisten Sorgen und Angst machen –, bei den Raubdelikten und der Einbruchskriminalität. Und das bei leicht gestiegenen Aufklärungsquote, die mit 50,4 Prozent über dem Landesdurchschnitt liegt. „In vielen Bereichen haben wir anno 2014 eine Trendwende geschafft“, betont der Polizeichef, der am Mittwoch in Aachen die Zahlen für 2014 vorlegte. Und die zeigt, dass das Gebiet der Kreispolizeibehörde Aachen kein homogenes Areal ist. Soll heißen: Worüber Weinspach und Kollegen sich in Aachen freuen, das kann in Eschweiler ganz anders aussehen.

Wie drastisch die Fälle von exhibitionistischen Handlungen, Taschendiebstahl, Diebstahl von oder aus Automaten, aus Kraftfahrzeugen und von Fahrrädern, Sachbeschädigungen an Fahrzeugen und Straßen sowie Landfriedensbruch insgesamt zurückgegangen sind, das wird deutlich, wenn man weiß, dass auch der Diebstahl von Autos und motorisierten Zweirädern in die Rubrik Straßenkriminalität fällt. Und der ist „das große Sorgenkind schlechthin bei uns“, räumt der Polizeichef ein. Von der Nähe zur Grenze profitieren Autodiebe nicht nur in Aachen, Herzogenrath und Würselen, sondern auch in Eschweiler. Hier stieg die Zahl der entwendeten Kraftfahrzeuge von 16 im Jahr 2013 auf 41 im vergangenen Jahr. Aufklärungsquote: 14,63 Prozent. Die Zahl der verschwundenen Bikes blieb mit 51 bzw. 52 auf hohem Niveau konstant.

Immer häufiger, so erläutert Kriminaldirektor Armin von Ramsch, sind hier Banden aktiv, die gezielt Autos im Kundenauftrag stehlen und sofort über die Grenze nach Belgien, vor allem aber in die Niederlande bringen. Und das keineswegs immer im Stück: „Viele werden innerhalb von nur drei Stunden in aller Einzelteile zerlegt und dann mit einem Lkw weggeschafft. Die können Sie drei Tage später in 500 Teilen im Internet ersteigern.“

In den Niederlanden sei der Einbau einer Alarmanlage bei etlichen Modellen von der Versicherung vorgegeben. In Deutschland nicht. „Da ist verständlich, dass Diebesbanden sich die gewünschten Wagen auf der anderen Seite der Grenze beschaffen“, erklärt von Ramsch einen weiteren Aspekt steigender Fallzahlen diesseits der Grenze. Eschweiler mit seinen vielfältigen Autobahnanschlüssen ist da ein ideales Terrain für Autodiebe. „Es ist schon vorgekommen, dass Täter mit drastisch überhöhter Geschwindigkeit in ein paar Metern Abstand an unseren Einsatzwagen vorbeirasten“, sagt Polizeipräsident Weinspach. „Bis die Kollegen dann unseren Wagen gestartet und gewendet hatte, waren die Täter schon fast über die Grenze.“

Thema Gewaltkriminalität: 1939 Fälle registrierte die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt – 119 Fälle weniger als 2013, die niedrigste Zahl seit zehn Jahren. Aufklärungsquote: 69,1 Prozent. In Eschweiler dagegen stieg die Zahl um 9 auf 214. Darunter zwei Morde (Vorjahr 0), zwei Fälle von Totschlag (1), sechs Vergewaltigungen (8), 58 Raube (56), 146 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung (140). Zum Vergleich die Zahlen der in etwa gleich großen Nachbarstadt Stolberg: Ein Mord (0), sechs Vergewaltigungen (8), 39 Raube (45), 78 gefährliche und schwere Körperverletzungen (119). Dass in Eschweiler öfter mal zugeschlagen wird, zeigen die Zahlen der vorsätzlichen leichten Körperverletzungen: Die waren in Eschweiler mit 319 gegenüber 332 im Vorjahr zwar leicht rückläufig, liegen aber deutlich über den Stolberger Zahlen: 279 im vergangenen Jahr, 291 im Jahr davor.

Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Diebstähle an der Inde: von 2260 anno 2013 auf 1967. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank von 193 auf 167 – in 78 Fällen kamen die Täter tagsüber. Weniger denn je von Interesse waren für Einbrecher Keller: 83 „knackten“ sie anno 2013, nur 31 im vergangenen Jahr.

Dass die Gesamtzahl von 2055 Wohnungseinbrüchen auch die 863 Fälle einschließt, bei denen die Täter unverrichteter Dinge weiterzogen, ist für die Polizei ein Indiz dafür, dass ihre Beratungs- und Präventionsarbeit sich auszahlt. Bei ungezählten Gelegenheiten erläutern Beamte des Kommissariats Vorbeugung, wie man Einbrechern das Leben schwer macht. „Einbrecher suchen den schnellen Erfolg. „Ist der nicht zu haben, ziehen sie weiter“, betont von Ramsch. „Wer einmal erlebt hat, wie sehr ein Einbruch die Bewohner traumatisiert, der weiß, dass Vorbeugung sich bezahlt macht“, sagt Dirk Weinspach.

Er und seine Leute haben ein besonderes Auge auf umherreisende Tätergruppen geworfen. „Motiv“ ist das Stichwort, das für „Mobiler Täter im Visier“ steht. Wem mindestens fünf Einbrüche, begangen in drei Kreisen, nachgewiesen wurden, der kommt auf die Liste und darf sich besonderer Beobachtung gewiss sein. Im Bereich der Kreispolizeibehörde Aachen gibt es derzeit 17 dieser Täter – fünf von ihnen sitzen hinter Gittern. „Viele der Einbrecherbanden stammen aus Südosteuropa und reisen über den belgischen Grenzraum ein“, weiß Kriminaldirektor von Ramsch. „Ihre Einbrüche verüben sie häufig unter Beteiligung von Kindern, die noch nicht strafmündig sind.“ Die nahen Autobahnen dienen zum schnellen Ortswechsel. „Wir haben ein Duo festgenommen, das am selben Tag Einbrüche in Aachen, Düren, Köln und Bonn verübt hat“, so Weins-pach. Einer anderen, aus Rumänien stammenden Bande, deren weiblicher Kopf ebenfalls inzwischen in Haft sitzt, wurden neun Einbrüche in Aachen, 29 in Belgien und 30 in den Niederlanden zur Last gelegt.

Unterm Strich geht‘s in Eschweiler bergab mit der Kriminalität: mit 5037 Straftaten gab es 2014 135 Delikte weniger als im Vorjahr, weniger Wohnungseinbrüche, weniger Straßenkriminalität. In Stolberg sind drastische Steigerungen zu verzeichnen. Womit die Kupferstadt aber noch längst nicht an die Eschweiler Fallzahlen heranreicht: Insgesamt gab es hier 2014 fast 1000 Delikte weniger. Die Zahl der Gewaltdelikte sank von 172 auf 124, während die der Wohnungseinbrüche von 242 auf 330 stieg.

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