Ausstellung: „Von Rom nach Rom – 60 Jahre Römische Verträge“

Von: Andreas Röchter
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Erinnerten bei der Ausstellungseröffnung an den Aufbruch nach dem Zweiten Weltkrieg: GPB-Geschäftsführerin Annelene Adolphs und der Vorsitzende Peter Schöner. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Die Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 war ein Meilenstein in der Geschichte Europas. Sie sollte vor allem dem Nationalismus, der dem „alten“ Kontinent unzählige Kriege mit unvergleichlichem Leid beschert hatte, ein Ende bereiten.

Sechs Jahrzehnte später kann jedoch keine Rede davon sein, dass der Nationalismus überwunden ist. Darüber kann auch die „Erklärung von Rom“ vom 25. März 2017, in der sich die Vertreter der nach dem angekündigten Austritt Großbritanniens noch 27 Mitgliedstaaten zur Europäischen Union bekannten, nicht hinwegtäuschen. Doch die Wahlen der jüngsten Vergangenheit in Österreich, den Niederlanden und in Frankreich lassen den einen oder anderen Funken Hoffnung zu, dass die grundsätzliche Idee eines vereinigten Europas noch nicht verloren ist.

Diese Hoffnung ist auch Bestandteil der Ausstellung „Von Rom nach Rom – 60 Jahre Römische Verträge“, die der Europaverein „Gesellschaftspolitische Bildungsgemeinschaft“ (GPB) im Foyer des Eschweiler Rathauses zeigt. Sie wurde von GPB-Geschäftsführerin Annelene Adolphs konzipiert. Auf 15 Stelltafeln werden mit Jean Monnet, Robert Schuman, Konrad Adenauer, Charles de Gaulle, Alcide de Gaspari und dem belgischen Staatsmann Paul-Henri Spaak nicht nur die Gründerväter der Europäischen Gemeinschaften vorgestellt.

Auch der Aufbruch in eine neue Zeit des Miteinanders, das erste Scheitern im Kalten Krieg, die Integration Europas bis zur Unterzeichnung des Vertrags von Maastricht im Februar 1992 sowie die Einführung des Euros am 1. Januar 2002 werden beleuchtet. Und auch Erklärungen zu den Institutionen Europäischer Rat, Rat der Europäischen Union, Europäisches Parlament, Kommission, Gerichtshof, Rechnungshof sowie Europäische Zentralbank kommen nicht zu kurz.

„Europa ist in schwieriges Fahrwasser geraten“, nannte der GPB-Vorsitzende Peter Schöner bei der Eröffnung die Dinge beim Namen. Zwar sei die Wahl in Frankreich noch einmal „gut gegangen“, doch 34 Prozent für die rechtsextreme Marine Le Pen stellten ein warnendes Zeichen dar. Dabei sei vor allem in den ersten zwei Jahrzehnten des europäischen Einigungsprozesses viel erreicht worden. „Und zwar von Persönlichkeiten, die sich durch Visionen hervortaten“, erklärte Peter Schöner, der betonte, nach wie vor ein Verfechter der „Vereinigten Staaten von Europa“ zu sein.

Nationale Kleinstaaterei müsse der Vergangenheit angehören. „Was tut selbst das starke Deutschland, wenn es einmal wirtschaftlich bergab gehen sollte?“, fragte der Vorsitzende. Nicht jede Kleinigkeit müsse in Brüssel entschieden werden. „Doch Europa benötigt eine gemeinsame Wirtschafts-, Sozial-, Steuer- und insbesondere Umweltpolitik“, schloss Peter Schöner.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt unterstrich, dass der jungen Bundesrepublik von den Nachbarstaaten trotz des von Nazi-Deutschland verursachten Wahnsinns des Zweiten Weltkriegs mit 60 Millionen Toten die Hand gereicht worden sei. Doch die Frage laute nun, wohin Europa im Jahr 2017 gehe. „Wir müssen wachsam sein und dem wieder wachsenden Nationalismus die Stirn bieten“, lautete ihr Appell.

Annelene Adolphs erinnerte daran, dass Europa im Jahr 1945 nach einer 30-jährigen Periode mit zwei Weltkriegen in Trümmern lag. „Damals schien eine Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland unvorstellbar“, blickte die GPB-Geschäftsführerin zurück. Als Aggressor sei vollkommen zu Recht der Nationalismus entlarvt worden.

Diesen zu bekämpfen und dadurch dauerhaften Frieden zu schaffen, sei der moralische Anspruch von Jean Monnet und Robert Schuman gewesen. „Aus der Idee weniger Visionäre entstand dann eine konkrete Gemeinschaft und Union. Doch der Weg dorthin war nie einfach, niemals widerspruchslos und ebenso wenig frei von Krisen, die die Europäische Union aber letztlich immer vorangetrieben haben“, bemerkte Annelene Adolphs, um abschließend eindringliche Worte an ihre Zuhörer zu richten. „Mit der Ausstellung verbindet die GPB einen Aufruf an die Zivilgesellschaft: Wach auf, Europa!“

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