Ausgezeichneter Experte: Neuer Chefarzt am St.-Antonius-Hospital

Von: Patrick Nowicki
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Neu am St.-Antonius-Hospital: der Chefarzt Dr. Michael Gawenda. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Was bringt einen mehrfach ausgezeichneten Mediziner, Dozenten und Universitätsprofessor dazu, sein gewohntes Umfeld zu verlassen und beim St.-Antonius-Hospital anzuheuern? Michael Gawenda sagt das, was man immer in einem solchen Fall zu sagen pflegt: „Mich hat die neue Herausforderung gereizt.“

Seit Anfang April sitzt der 55-Jährige offiziell auf dem Chefarztsessel der Klinik für Gefäßchirurgie und endovaskulären Chirurgie im Eschweiler Krankenhaus. Am vergangenen Mittwoch fand zur Begrüßung eine Feierstunde im Elisabethheim statt.

In Bonn geboren, entwickelte sich schon während der Schulzeit früh ein Interesse an der Wissenschaft. Im Zivildienst, der damals 18 Monate dauerte, lernte Michael Gawenda kennen, was es bedeutet, im Krankenhaus mit Menschen zu arbeiten. Als er sich dazu entschloss, Medizin zu studieren, sollen seine Eltern, beide keine Akademiker, gesagt haben: „Mach das!“ Gesagt, getan.

Heute schildert er, dass ihm das Studium großen Spaß bereitet habe. Der Zufall half mit, dass seine Wahl auf die Chirurgie fiel. Er bewarb sich auf mehrere Stellen, für zwei bekam er den Zuschlag: beide mit der Fachrichtung Chirurgie.

Seit 1988 war er an der Chirurgischen Klinik der Universität Köln tätig. Sein Arbeitsfeld hat sich bis heute drastisch gewandelt. „Bis 1991 wurden nur offene Operationen vorgenommen“, berichtet er. Dies bedeutet, der Patient wurde aufgeschnitten, das geschädigte Gefäß wurde ersetzt und dann wurde er wieder vernäht. Heute wendet man auch die sogenannte Schlüssellochchirurgie an, die es dem Arzt ermöglicht, bestimmte Schäden an Gefäßen mit Sonden zu beheben.

Dazu sind nur kleine Schnitte erforderlich. Der technische Fortschritt macht’s möglich. Allerdings schließen die neuen Möglichkeiten die alten Wege in Professor Gawendas Augen nicht grundsätzlich aus: „Manchmal kann es für einen Patienten durchaus sinnvoll sein, einen größeren Schnitt zu machen.“ Entscheidend sei die Perspektive, also bei welcher Behandlungsform die höchste Lebenserwartung und -qualität besteht.

Zahlreiche Vorträge, Videos, Bücher und Beiträge in Fachmagazinen zeugen davon, dass Professor Gawenda ein ausgewiesener Fachmann auf seinem Gebiet ist. Vier Preise erhielt er bisher in seiner medizinischen Karriere, darunter auch den Alexis-Carrel-Preis der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie im Jahr 2001. Seit 1999 gibt er sein Wissen an Studenten und in der Medizin Tätige weiter. „Medizin ist eine Erfahrungswissenschaft“, betont er. Wer am Menschen und mit Menschen arbeitet, sollte schließlich nicht an eigenen Fehlern lernen, sondern von dem Wissen anderer profitieren. Dazu geselle sich die für Mediziner wichtige Empathie gegenüber den zu behandelnden Menschen.

Immer wieder kommt er auf den Patienten zu sprechen, dieser empfinde schließlich oft eine natürliche Angst vor dem Unbekannten. „Man muss die Menschen dort abholen, wo sie stehen“, lautet sein Credo. Um medizinische Dinge zu erläutern, nutzt er auch Modelle aus Kunststoff, die die Dimensionen verdeutlichen. Eine Bauchschlagader zum Beispiel kann einen Durchmesser von 50 Millimeter und mehr besitzen, kleine Gefäße messen einen Durchmesser von lediglich zwei Millimeter. Ist eine dieser Blutbahnen zum Teil verstopft oder beschädigt, können die Abschnitte zum Beispiel ausgetauscht oder die Gefäßwände mit „Stents“ gestützt werden.

Der Gefäßchirurg bleibt dabei selten alleine, sondern auch andere medizinische Fachrichtungen sind eingebunden. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit war es, die Michael Gawenda nach eigener Aussage den Wechsel zum St.-Antonius-Hospital schmackhaft gemacht hat. „Die Zusammenarbeit der Fachrichtungen wird in diesem Krankenhaus gelebt“, berichtet er. Dies habe er in den ersten Gesprächen mit der Hospitalleitung gespürt. Es gibt allerdings auch einen weiteren Grund, der ihn letztlich dazu brachte, in Eschweiler anzuheuern. „Hier finde ich ein entscheidungsfreudiges Umfeld“, sagt er.

Sind in einer Universitätsklinik die Wege lang, so sitzen die Entscheider in einem 398 umfassenden Haus wenige Flure entfernt. Gawenda nutzt zur Beschreibung der Unterschiede den Vergleich zwischen Bootsklassen: Während die Universitätsklinik in seinen Augen eher ein schwerer Ozeanriese sei, wirke das Eschweiler Hospital wie eine wendige und schnelle Fregatte. Die Lehre will der Mann, der in seinen 18 Jahren als Dozent zahlreiche medizinische Mitarbeiter unterrichtete, nicht vernachlässigen. Das Eschweiler Hospital ist schließlich Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen.

Privat wird sich für den 55-Jährigen zunächst nicht viel ändern: Der dreifache Vater wohnt weiterhin mit seiner Familie in Bornheim und pendelt zum Krankenhaus nach Eschweiler. Ob irgendwann der Umzug in die Nähe seiner neuen Wirkungsstätte folgt? Gawenda schmunzelt. „Bisher habe ich die Gelegenheiten des Lebens ergriffen“, spielt er auf die eher zufällige Wahl der Chirurgie an. Sein Weg nach Eschweiler hingegen wurde nach reichlicher Überlegung ergriffen. Hier will er seine Klinik als Chefarzt auf den modernsten Stand der Medizin bringen und mit dem Team ein „attraktives Umfeld“ schaffen.

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