Ausdrucksstarke Bilder aus ganz eigener Sicht

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Von Margret Neuman stammt dies
Von Margret Neuman stammt diese südländisch anmutende Dorfszene. Studienreisen führten sie unter anderem nach Italien und Griechenland, aber auch nach Brasilien und Peru.

Eschweiler. Der Eschweiler Kunstverein beginnt mit seiner Ausstellungsreihe 2012: „Aus anderer Sicht - Ein Rückblick” ist eine Ausstellung von Margret Neuman und Irmgard Viehöver überschrieben, die am Sonntag, 26. Februar, 11 Uhr, in der Städtischen Kunstsammlung im Kulturzentrum Talbahnhof am Raiffeisen-Platz 1-3 eröffnet wird.

Die Einführungsrede hält Ralf Walraff aus Aachen. Die Bilder sind bis einschließlich Sonntag, 11. März, jeweils freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 13 Uhr, und sonntags von 16 bis 18 Uhr, zu sehen.

Irmgard Viehöver, 1924 in Eschweiler geboren, entdeckte ihre Begabung für das malen und Zeichnen schon als Schülerin der Liebfrauenschule, wo sie im Rahmen des Kunstunterrichtes einfühlsam gefördert wurde. Nach Arbeits- und Kriegshilfedienst nahm sie 1943 ein Studium der Kunstgeschichte und Archäologie in Bonn auf, das sie kriegsbedingt bald wieder abbrechen musste. Nach der Rückkehr aus der Evakuierung trug sie, noch ohne professionelle Ausbildung, zum Unterhalt der Familie bei, indem sie Eschweiler Mitbürger, vor allem Kinder, porträtierte.

Nach einer Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule trat sie in Düsseldorf eine Stelle als Volkshochschullehrerin an, die sie jedoch bald wieder aufgab, um sich ganz der Malerei zu widmen. Sie besuchte zunächst die Werkkunstschule Hannover und setzte 1956 ihr Studium an der renommierten Düsseldorfer Kunstakademie fort, wo sie 1960 das Staatsexamen ablegte. Es folgten 24 Jahre als Kunsterzieherin im Höheren Schuldienst, u.a. an der Liebfrauenschule, in denen die Malerei trotz beruflicher Belastung stets einen wichtigen Platz in ihrem Leben behauptete.

Vielgestaltiges Gesamtwerk

Erst nach dem Ausscheiden aus dem Schuldienst konnte sie sich ihren künstlerischen Vorhaben wieder mit ganzer Kraft widmen. Bei längeren Aufenthalten im Inland und im Ausland fand sie immer wieder neue Anregungen für ihre Malerei, die sie bis kurz vor ihrem Tod im Januar 2011 ausübte. Das Gesamtwerk Irmgard Viehövers ist vielgestaltig und lässt sich kaum auf einen Begriff bringen.

Nachdem sie in den 40-er Jahren mit realistischen Porträtzeichnungen, Blumen- und Naturstudien begonnen hatte, fand sie Mitte der 50er-Jahre in Düsseldorf Anschluss an die damals aktuellen Strömungen. An die Stelle der realistischen Malweise tritt schon in der Zeit in Hannover die Suche nach größtmöglicher Expressivität in Farbe und Form, was sich etwa anhand des „Selbstporträts” in Blau- und Rottönen aus dem Jahr 1956 sowie an dem Tempera-Gemälde „Straßenecke in Hannover” nachvollziehen lässt.

Der Wille, die Wahrnehmung der Realität in eine eigene Sprache zu übersetzen, lässt sich auch den Arbeiten aus der Düsseldorfer zeit ablesen. Um 1960 arbeitet Irmgard Viehöver verstärkt im Genre Still-leben, wo sie nach Auflösung der Formen strebt, ohne jedoch den Rahmen des Gegenständlichen verlassen zu wollen. Auch in der Aquarellmalerei, für die sie Zeit ihres Lebens eine besondere Vorliebe besaß, setzt sich Irmgard Viehöver die Aufgabe, Formen immer weiter aufzulösen, dabei aber die Grenze zur Abstraktion niemals ganz zu überschreiten, wie etwa das Aquarell „Schloss Benrath” aus dem Jahr 1958 zeigt.

Nach einer weniger produktiven Phase in den späten 60er und 70er Jahren begann für sie mit dem Ausscheiden aus dem Schuldienst Mitte der 80er Jahre eine äußerst arbeitsintensive Zeit, in der sie sich vornehmlich der Porträt- und Landschaftsmalerei widmete, ohne jedoch das Stillleben ganz zu vernachlässigen. In dieser Zeit entstanden einerseits realistische Porträts in Öl oder Tempera andererseits zahlreiche Aquarelle, häufig mit Gebirgs-, Meeres- oder Wolkenmotiven, in denen sie Licht und Rhythmus der jeweiligen Landschaft zu erfassen versucht. Anhand einiger Porträts in Aquarell, so etwa dem „Portrait Vera V.” aus dem Jahr 1995, lässt sich besonders gut nachvollziehen, dass sie dem wesenstypischen Ausdruck Vorrang vor der abbildlichen Ähnlichkeit einzuräumen suchte.

Impressionisten

Zeit ihres Lebens fühlte sich Irmgard Viehöver der gegenständlichen Malerei der klassischen Moderne in besonderer Weise verpflichtet. Vorbilder, mit denen sie sich immer wieder beschäftigte, waren die Impressionisten, allen voran van Gogh, Bonnard und Monet, aber auch William Turner und schließlich, nur scheinbar aus der Reihe fallend, Alberto Giacometti. Auch die späten Experimente mit der Gegenstandslosigkeit, mit freien Phantasien und Traumbildern, erscheinen als Elemente der Aufgabe, die sich Irmgard Viehöver selbst gestellt hat: das Verhältnis von Konkretheit und Abstraktion immer wieder neu zu verhandeln.

Den Horizont erweitert

Magret Neuman, geboren 1918 in Wanne-Eickel, studierte von 1940 bis 1942 bei J.M. Korr in Aachen, von 1962 bis 1965 bei Hermann Schmidt-Schmied in Arles/Frankreich. Von 1966 bis 1972 setzte sie ihre Ausbildung als Schülerin von Professor Carl Schneiders in Aachen fort. In den Jahren 1970 bis 74 arbeitete sie als Teilnehmerin der Sommerkurse von Professor Heribert Losert in München.

Von 1937 bis zu ihrem Tod lebte Margret Neuman in Eschweiler. Auf zahlreichen Studienreisen nach Afrika, Brasilien, Peru, Frankreich, Italien, Griechenland, Kreta, Niederlande, Schweiz lernte Neuman auch andere Kunst- und Stilrichtungen kennen, die wesentlich mit dazu beigetragen haben, ihren Blick zu weiten und zu schärfen, ohne dass sie auf ihr eigenes Schaffen Einfluss nahmen.

Sowohl die Landschaftsmalerei wie auch die ornamentale Darstellung in Stillleben und figürlichen Motiven waren Margret Neumans Arbeitsgebiete. Sie war mit ihren künstlerischen Arbeiten auf zahlreichen Ausstellungen vertreten. Die Künstlerin verstarb im Januar 2011. Mit ihren Bildern bleibt Margret Neuman unvergessen.
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