Eschweiler - Ausbildungsplatz nach der Förderschule

Ausbildungsplatz nach der Förderschule

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
Breites Anforderungsprofil: De
Breites Anforderungsprofil: Der angehende Gartenbauwerker Thomas Schmitz, ehemaliger Schüler der Willi-Fährmann-Schule, muss sich nicht nur mit Pflanzenkunde auseinandersetzen, sondern auch den vielfältigen Umgang mit Holz beherrschen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Förderschüler haben es naturgemäß nicht leicht, nach Abschluss ihrer Schullaufbahn einen Ausbildungsplatz zu finden. Vor allem der Weg auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt scheint verbaut. Doch es gibt Gegenbeispiele.

Der 16-jährige Thomas Schmitz verließ im vergangenen Sommer die Willi-Fährmann-Schule mit dem Förderschulabschluss, um wenig später seine Ausbildung als Gartenbauwerker bei der Firma „Gartenbaukunst Baum & Schotten” in Langerwehe zu beginnen. Dieser Betrieb war für den Azubi aber alles andere als Neuland. Denn sowohl sein dreiwöchiges Betriebspraktikum als auch ein Jahrespraktikum absolvierte der Teenager an gleicher Stelle. Bei letztgenanntem Projekt, dass im Dezember 2009 startete, gehen Schüler der Willi-Fährmann-Schule ein Jahr lang einen Tag pro Woche in einen Betrieb, um in die Arbeitswelt nicht nur hereinzuschnuppern, sondern erste konkrete Erfahrungen zu machen. „Thomas war unser erster Schüler, der ein solches Jahrespraktikum durchlaufen hat”, blickt Brigitte Vonken-Möller, Lehrerin an der Willi-Fährmann-Schule und gemeinsam mit ihrer Kollegin Claudia Daniels-Spielmann Projektleiterin, gut zwei Jahre zurück.

Der erste Eindruck passte

„Schon als kleiner Junge habe ich mich gerne draußen aufgehalten. Deshalb war für mich klar, dass für mich nur eine Arbeit in Frage kommt, die irgendetwas mit Natur zu tun hat”, erklärt Thomas Schmitz. Da seiner Großtante das Grundstück gehört, auf dem sich der Betrieb befindet, war eine gewisse Verbindung vorhanden. In Begleitung seiner Mutter stellte sich der damalige Schüler der Willi-Fährmann-Schule dann an seinem „Wunschpraktikumsplatz” vor. „Schon der erste Eindruck passte. Schnell war klar, dass Thomas bei uns sein Betriebspraktikum absolvieren wird”, erinnert sich Thomas Schotten, einer der beiden Chefs von Thomas Schmitz, der nicht zuletzt die sozialen Kompetenzen seines Schützlings schätzt. „Schließlich betreuen wir zu 99 Prozent Privatkunden, die sowohl auf qualitativ hochwertige Arbeit als auch auf Freundlichkeit großen Wert legen”, unterstreicht der Gartenbauer. Generell seien die Erfahrungen, die er mit Förderschülern als Praktikanten oder auch Auszubildenden gemacht hat, gut. „Das gilt auch für deren Leistungsbereitschaft.” So habe Thomas Schmitz schon während seines ersten Schulpraktikums Sachbücher über Pflanzen gewälzt.

Dabei sind Kenntnisse in Pflanzenkunde nur eine der Voraussetzungen, die ein Gartenbauwerker erfüllen muss. „Darüber hinaus muss er mit Holz sowie Natur- und Pflastersteinen umgehen können. Das Angebot unseres Betriebs umfasst nämlich neben der Garten- und Baumpflege sowie der kompletten Neugestaltung von Gartenanlagen unter anderem auch das Anlegen von Gartenteichen, Pflasterflächen und Dachbegrünungen”, erklärt Thomas Schotten. Mit viel Fleiß, Willen und Leistung schaffte es der Praktikant, sich einen Ausbildungsplatz zu sichern. Montags und dienstags heißt es für Thomas Schmitz nun, im Berufskolleg Käthe-Kollwitz-Schule in Aachen Theorie zu büffeln. An den Dienstagsunterricht schließen sich noch drei zusätzliche Schulstunden der „Ausbildungsbegleitenden Hilfe” an. „Dort mache ich dann auch meine Hausaufgaben”, berichtet der angehende Gartenbauwerker, für den von mittwochs bis freitags dann die (etwas beliebtere) Praxis auf dem Programm steht. „In Gruppen von zwei bis vier Personen geht es zu den Kunden, in deren Gärten Thomas unter fachlicher Betreuung selbstständiges Arbeiten lernt und auch bereits anwendet”, macht Thomas Schotten deutlich.

„Für unsere Schüler ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Verantwortlichen der Betriebe, in denen sie ihre Praktika absolvieren, wirklich hinter ihnen stehen”, betont Schulsozialarbeiterin Carolin Emonds-Seeger. „Ist dies der Fall, sind die Rückmeldungen von beiden Seiten überwiegend positiv.” Allerdings müsse klar sein, dass eine Entwicklung wie die im Fall von Thomas Schmitz eine Ausnahme darstelle. 36 der 80 Oberstufenschüler der Willi-Fährmann-Schule absolvieren derzeit ein Praktikumsjahr. „Der übliche Weg ist, dass unsere Schüler nach der Schulentlassung über die Agentur für Arbeit in eine berufsvorbereitende Maßnahme vermittelt werden. Der unmittelbare Schritt in ein Ausbildungsverhältnis ist etwas ganz besonderes”, so Brigitte Vonken-Möller. Neben Thomas Schmitz gelang dies bisher einem weiteren Schüler der Willi-Fährmann-Schule, der die Schule allerdings mit dem Hauptschulabschluss verließ und nun eine Ausbildung zum Dachdecker absolviert.

Im Juli 2014 wird Thomas Schmitz seine Prüfung zum Gartenbauwerker ablegen. Besteht er diese, hat er auch den Hauptschulabschluss in der Tasche. Anschließend könnte er eine „Vollausbildung” zum Landschaftsgärtner dranhängen. Doch dies ist noch Zukunftsmusik. „Ich möchte meinen Weg Schritt für Schritt gehen”, blickt er zuversichtlich und realistisch in seine Zukunft.

Dass die Richtung aber stimmt, davon ist er überzeugt: „Ich habe mich hier vom ersten Tag an gut aufgehoben gefühlt.” Worte, die Thomas Schotten gerne hört. „Ich halte es nur für richtig, anderen Menschen Chancen zu geben, Vor allem, wenn täglich das Bemühen zu erkennen ist, das entgegengebrachte Vertrauen zurückzuzahlen”, macht der Chef seinem Azubi ein dickes Kompliment.

In wenigen Wochen erwartet Thomas Schmitz übrigens eine Fortbildungsveranstaltung der besonderen Art. Im Mai geht es mit einigen Kollegen zur „Chelsea Flower Show” nach London. Der Azubi und ehemalige Schüler der Willi-Fährmann-Schule ist schließlich fester Bestandteil des Teams.

Das Konzept der Willi-Fährmann-Schule

Die frühzeitige Berufsorientierung ist wichtiger Baustein des Konzepts der Willi-Fährmann-Schule. Dabei ergänzen sich Unterrichtsinhalte mit Praktika sowie der Auseinandersetzung des Schülers mit der eigenen Lebensplanung.

Die Maßnahmen zur Berufsorientierung beginnen in der siebten Jahrgangsstufe mit einer Informationsveranstaltung für Schüler und deren Eltern.

In den Jahrgangsstufen acht bis zehn schließen sich mehrere Praktika, Informationsveranstaltungen bei der Agentur für Arbeit sowie eine Hospitationswoche am Berufskolleg Eschweiler an.

Darüber hinaus bietet die Schule unter der Überschrift „Praxistag” ein Jahrespraktikum (siehe Text) sowie alternativ einen Werkstatttag pro Woche in der Schule oder die Hauptschulförderung an.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert