Eschweiler-Weisweiler/Merzenich - Ausbildungsinitiative: „Auf der Straße landet bei uns niemand“

Ausbildungsinitiative: „Auf der Straße landet bei uns niemand“

Von: Sonja Essers
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Seit Anfang Oktober nimmt Daniel Kordt an der Qualifizierungsinitiative „Ich pack‘ das!“ der RWE Power teil. Besonders viel Spaß macht dem 21-Jährigen die Arbeit in der Werkhalle des Ausbildungszentrums Weisweiler. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Weisweiler/Merzenich. Der Lebenslauf von Daniel Kordt ist lang, sehr lang. In zahlreiche Berufe hat der 21-Jährige aus Merzenich bereits reingeschnuppert. Er wollte Friseur werden, hat Pizza ausgeliefert und im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet. Einen Ausbildungsplatz hat Kordt, der vor vier Jahren seinen Hauptschulabschluss an der Gesamtschule in Niederzier machte, allerdings bis heute nicht.

Erst im vergangenen Jahr stellte der 21-Jährige fest, dass sich etwas ändern muss. „Ich habe gemerkt, dass ich das mit der Ausbildung wirklich ernstnehmen muss“, sagt er rückblickend. Kordt bewarb sich bei RWE Power, obwohl das Bewerbungsverfahren bereits beendet war. Nur wenige Wochen später erhielt er einen Brief von dem Unternehmen mit positiven Nachrichten. Einen Ausbildungsplatz könne man ihm zwar nicht anbieten, jedoch könne er an der Maßnahme „Ich pack‘ das!“ teilnehmen.

Seit zehn Jahren bietet der Betrieb die Qualifizierungsinitiative, die ein Jahr dauert, an. Bisher nahmen 600 junge Erwachsene an der Maßnahme, die an den Ausbildungszentren in Niederaußem, Weisweiler, Grefrath und Gustorf stattfindet, teil. Rund 80 Prozent konnten in eine Ausbildung vermittelt werden. Das ist auch das Ziel von Daniel Kordt. Als er den Brief des Unternehmens erhielt, musste er nicht lange überlegen. Er bewarb sich für die Maßnahme und wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen. „Man hat mir gesagt, dass ich hier gute Chancen habe, wenn meine Motivation stimmt“, sagt der 21-Jährige.

Seit zwei Wochen arbeitet Daniel Kordt gemeinsam mit sieben weiteren Teilnehmern in der Ausbildungsstätte des Unternehmens in Weisweiler und fühlt sich dort pudelwohl. An vier Tagen in der Woche stehen Feilen, Bohren und Sägen auf seinem Programm. Doch er erhält nicht nur einen Einblick in die verschiedenen Ausbildungsberufe und kann sich mit anderen Auszubildenden austauschen.

Das Unternehmen bietet auch einen theoretischen Teil an. Hier lernen die Teilnehmer unter anderem, wie sie eine Bewerbung schreiben und sich auf Einstellungstests vorbereiten. Außerdem werden sie bei der Suche nach Ausbildungsstellen unterstützt und simulieren Einstellungsgespräche. Ein Mal in der Woche steht dann der Besuch des Berufskollegs in Eschweiler an. Dort arbeiten Daniel Kordt und seine sieben Mitstreiter schulische Defizite auf und gehen unter anderem noch einmal die Grundlagen der Mathematik durch.

Ausbilder Heinz-Günter Koch nennt dies auch das „Rundum-Paket“. Er ist seit dem Beginn des Projekts dabei und erhält regelmäßig Besuch von ehemaligen Teilnehmern, die ihm berichten, wie es nach der Maßnahme weitergegangen ist. Falls es doch nicht mit einer Ausbildung klappt, sorgt Koch dafür, dass sich die jungen Erwachsenen wieder an einer Schule anmelden.

Wichtig sei auch, dass die Teilnehmer lernen neues Selbstbewusstsein aufzubauen, sagt Ausbildungsleiter Roger Ringel, Leiter der Ausbildung. Daniel Kordt macht vor allem die praktische Arbeit Spaß. Er interessiert sich besonders für den Beruf des Industriemechanikers. Auch die Arbeit im Garten- und Landschaftsbau hat ihm während seines Sozialen Jahres an einer Bibelschule in Eppendorf Spaß gemacht.

„Ich bin aber auch für alles andere offen“, sagt der 21-Jährige. Heinz-Günter Koch betont, dass diese Einstellung richtig sei. Mit den Jahren habe man zu vielen Betrieben in der Region gute Kontakte geknüpft. Die Chancen, dass Daniel Kordt nach der Maßnahme einen Ausbildungsplatz findet, stehen also nicht schlecht. Hoffnung macht ihm auch Ringel: „Auf der Straße landet bei uns niemand.“

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