Aus Buchsbaum-Asche ein Zeichen der Buße

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Nach der ausschweifenden Zeit des Karnevals ein Zeichen der Buße und Reue: Am Aschermittwoch wird in den Kirchen das Aschenkreuz ausgeteilt. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Gut, dass es manche alten Bräuche nicht mehr gibt. Sonst hätten alle Langschläfer heute früh fürchten müssen, sehr unsanft geweckt zu werden. „Pfeffertag” wurde der Aschermittwochstag früher auch genannt.

Und das, weil es den Brauch gab, Langschläfer aus dem Bett zu prügeln. Sie wurden mit frisch geschnittenen Birkenruten oder auch Tannenzweigen aus dem Bett „gepfeffert”.

Pfeffertag ist nur einer der Namen, den der Aschermittwoch als Auftakt zur 40-tägigen christlichen Fastenzeit im Volksmund hat. Der Kölner Theologe Manfred Becker-Huberti, bis 2006 Pressesprecher des Erzbistums Köln und Fachmann für christliche Feste und Bräuche, nennt unter anderem den Heringstag, den Eschtag und den Öschrigen Mittwoch.

Sich Asche auf den Kopf zu streuen - das ist als Zeichen der Buße uralt. Beschreibungen davon gibt es auch im Alten Testament. Hiob, der Büßer, saß in Staub und Asche.

Und die Jesaja-Stelle „in Sack und Asche gehen” ist bis heute sprichwörtlich. Aber diese Symbolik ist nicht auf die christliche Religion beschränkt.

Ein fester Tag im Kirchenjahr ist der Aschermittwoch seit dem 6. Jahrhundert. Und zwar, weil am Mittwoch vor dem sechsten Sonntag vor Ostern, dem Sonntag Invocabit, die 40-tägige Fastenzeit begann.

40 Tage - das war die Zeit, die Jesus nach der Schilderung im Neuen Testament in der Wüste verbrachte. Die Zahl 40 steht in der religiösen Symbolik des Christentums stets für einen Zeitraum, der Wende und Neubeginn ermöglicht.

Tatsächlich sind es vom Aschermittwoch bis Ostern 46 Kalendertage. Die sechs Sonntage sind fastenfrei und werden abgezogen.

Wer am Aschermittwoch in der Kirche Buße tat, wurde mit Asche bestreut. Daraus entwickelte sich im 10. Jahrhundert der Brauch des Aschekreuzes.

Die kirchliche Vorschrift, die Asche für dieses Kreuzzeichen aus den Palmzweigen vom Palmsonntag des Vorjahres zu gewinnen, stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Nun sind Palmen in Deutschland, von Botanischen Gärten einmal abgesehen, ziemlich selten. Deshalb werden beim Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, üblicherweise Buchsbaumzweige verwendet.

Am Palmsonntag wird des Einzugs von Jesus in Jerusalem gedacht - die Menschen sollen ihm damals mit Palmzweigen in den Händen zugejubelt haben.

Die wahrscheinlich einzige katholische Gemeinde in Deutschland, die am Palmsonntag immer echte Palmenzweige verwendet, ist das Domkapitel in Köln. Wer also am Aschermittwoch ein Aschekreuz aus der Asche von Palmen auf der Stirn haben möchte, müsste dafür in die Domstadt fahren.

Die Symbolik des Kreuzzeichens aus Asche ist klar. Das Ritual, das heute in vielen Eschweiler Kirchen vollzogen wird, soll den Menschen an seine Vergänglichkeit gemahnen und ihn zur Buße und Reue aufrufen. Der Priester oder Diakon, der das Kreuz auf die Stirn zeichnet, spricht dabei „Gedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst” - ein Bibelwort aus dem 1. Buch Mose.

Der Aschermittwoch ist inzwischen neben dem Karfreitag der einzige Tag, der in der katholischen Kirche als strenger Fastentag gilt. Das Kirchenrecht schreibt Abstinenz und Fasten vor.

Im Mittelalter waren die Fastenbräuche strenger als heute. Man durfte - so steht es im Ökumenischen Heiligenlexikon - nur drei Bissen Brot und drei Schluck Bier oder Wasser zu sich nehmen. Geblieben ist davon, dass Christen in der Zeit vorösterlichen Fastenzeit kein Fleisch und keinen Alkohol zu sich nehmen sollen.

Arbeitsfrei möglich

Der Aschermittwoch ist in Deutschland kein Feiertag. Gläubigen Christen soll dennoch der Besuch eines Gottesdienstes ermöglicht werden. „Nach überwiegender Ansicht” - so jedenfalls berichtet der Internet-Lexikon Wikipedia, müssen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern den Empfang eines Aschenkreuzes im Gottesdienst ermöglichen, ohne dafür einen Urlaubstag anzurechnen.

Eine ganz andere Frage im Zusammenhang mit dem Aschekreuz wurde vor Jahren in dem katholischen Internetforum mykath.de diskutiert. Dort ging es darum, ob es schicklich sei, das Aschekreuz beim Verlassen der Kirche gleich wieder fortzuwischen. Und ob es besonders fromm sei, wenn man es den ganzen Aschermittwoch lang an der Stirn trägt. Die Meinungen waren geteilt.

Viele Diskussionsteilnehmer sprachen sich jedoch für das Fortwischen aus, weil das Zeichen ja meist nach kurzer Zeit nicht mehr als Kreuz erkennbar sei und dann eher wie ein Schmutzfleck wirke.
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