Aufführung: Von „Hotelgästinnen“ und Nachtfaltern

Von: kaba
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Ein Putzballett für Werner Schnabel. Auf dem Klavier begleitet von Moritz Menzel.

Eschweiler. Es war ein heiteres Verwechslungsspiel im Hotel Prominent. Der eine gab sich als bayerischer Schachmeister Werner Schnabel aus, während der andere, der diese Rolle eigentlich spielen sollte, davon überzeugt war, er habe den echten vor sich und der echte Werner Schnabel wurde für einen Betrüger gehalten, weil es ja bereits zwei Hotelgäste gab, die seinen Namen tragen.

Leicht verwirrend, aber urkomisch. Und um diese drei Herren herum agierten weitere höchst spezielle Hotelgäste. Was herauskam, war eine Boulevard-Komödie. „Hotel Prominent“ heißt das Theaterstück, das einer der beiden Literaturkurse der Liebfrauenschule mit Lehrer Heinz-Theo Frings auf die Bühne brachte.

„Es war ein langer, nicht immer einfacher Weg bis zur Aufführung“, verriet dieser und war stolz, dass er und sein Kurs es schließlich geschafft hatten. Fehlte zur Aufführung nur noch der Pianist. „Naja, er hat ja noch etwas Zeit, er ist erst in der zweiten Szene dran“, scherzte Frings und war insgeheim wohl doch etwas nervös, ob es der Musiker noch schaffte. „Man soll die Hoffnung nicht aufgeben“, erklärte er und ließ das Stück beginnen.

Leidenschaftlicher Schachspieler

An einer langen Tafel saßen die ersten Charaktere. Unter ihnen Onkel Udo, gespielt von Maximilian Esser, der Geburtstag feierte und seine Familie und Freunde um sich geschart hatte. So auch seinen Bruder Heinrich alias Yannik Borgs und dessen Frau Inge, gespielt von Miriam Apel.

Die Kinder der beiden, Chantal und Birgit, wurden von Schülerinnen aus der 7. Klasse gespielt. Birgit wurde dargestellt von Anna Pesch und Chantal sollte von Hannah Rambau gespielt werden. Die musste jedoch in letzter Sekunde wegen Krankheit absagen, so dass Caroline Weiland kurzentschlossen für sie einsprang und ihren Part glänzend meisterte.

Während nun alle zusammensaßen und erzählten, tischte Udo der Familie eine seiner berüchtigten Geschichten auf, nämlich dass er es geschafft habe, sich in einem Hotel als Paul McCartney auszugeben. Und als Heinrich später erzählte, er fahre mit seiner Familie in Urlaub, kam der leicht verrückte Onkel Udo auf die Idee, es gleich noch einmal zu versuchen, sich als Prominenter auszugeben.

Schnell entstand eine Wette und Heinrich durfte entscheiden, welche Identität Udo darstellen soll. Als leidenschaftlicher Schachspieler gab er ihm die Rolle des bayerischen Schachmeisters auf und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Parallel versuchten nämlich die Inhaber des Hotels an der Umgehungsstraße, in dem die Familie den Urlaub verbringen wollte, einen Prominenten in ihr marodes Haus zu holen, um wieder gut ins Geschäft zu kommen. Als auch der letzte Eingeladene, nämlich der bayerische Schachmeister, absagte, entschlossen sie sich, einen Gast dazu zu überreden, so zu tun, als sei er Werner Schnabel. Der Gast Erich Prillwitz, gespielt von Marius Kaiser, nahm die Herausforderung unter einem Vorwand an und schon existierten zwei unechte Schachmeister, die schon bald ins Hotel einzogen und für Verwirrung sorgten.

Onkel Udo und die Familie reisten zuerst an und weil der Hotelchef, alias Nils Verhülsdonk, und der Hotelmanager, gespielt von Markus Illenseer, glaubten, Udo sei ihr ausgewählter Schachmeister, bereiteten sie ihm einen gebührenden Empfang, der auf das Hotel und seinen prominenten Gast aufmerksam machen sollte.

Zu Beginn der zweiten Szene saß dann auch Pianist Moritz Menzel pünktlich hinter dem Klavier und haute in die Tasten, während auf der Bühne das Putzballett seinen Auftritt hatte. „Wie Ihnen vielleicht aufgefallen ist, war ich nicht gleich zu Beginn der Vorführung anwesend. Aber keine Sorge, das war alles geplant. Sie verstehen – Spannungsbogen und so“, war am Ende der Vorstellung Menzels humorvolle Erklärung für sein spätes Erscheinen. Auf der Bühne hingegen lief von Anfang an alles glatt und es war nicht zu übersehen, dass viele Rollen goldrichtig besetzt waren.

Authentisches Auftreten

Die drei „Hotelgästinnen“ Nancy, alias Mona Keuter, Carina, gespielt von Celia Schoenen, sowie Jule Wilhelms als Lydia stellten das perfekte Klischee dreier etwas unintelligenten Blondinen dar, die hauptsächlich Wert auf ihr Äußeres und „süße Boys“ legten. Ein absoluter Gegensatz zu ihnen, der verstreute, etwas verwirrt wirkende Professor, glaubhaft dargestellt von Verena Dondorf. In ihrer Rolle untersuchte sie das Paarungsverhalten von Nachtfaltern unter „unnatürlichen Lebensbedingungen“ und war begeistert davon, dass das Hotel keine Fenster hatte und das Licht auch in der Nacht nicht ausging.

Ebenfalls großartig in ihrer Rolle war Britta Sprank als Ein-Euro-Jobber Klausi. Britta, die bei den Proben auch als Regieassistentin tätig war, spielte ihre Theatererfahrung aus, denn die 17-jährige ist gleichzeitig als Darstellerin im Das-Da-Theater tätig. Und auch Onkel Udo und der echte bayerische Schachmeister spielten ihre Rollen grandios.

Jannis Priese, der als Gastschauspieler im Theater mitwirkte und dessen Talent im Deutschunterricht entdeckt wurde, überzeugte mit einem schön imitierten bayerischen Akzent und in passender Tracht, während Maximilian Esser dem Onkel Udo ein absolut authentisches Auftreten verlieh und seine Rolle unglaublich überzeugend darstellte. Ein großes Lob seines Lehrers Frings: „Stellenweise habe ich gedacht, ich hätte Herbert Knebel vor mir.“

Es war ein Theaterstück, bei dem es viele kleine Handlungen der Gäste gab, die das Publikum zum Lachen brachten. So zum Beispiel die trockene Beschreibung des Hotelzimmers durch den Portier, gespielt von Miriam Siegers: „Sie haben ein Zimmer mit Seeblick und damit der Blick durch nichts getrübt wird, haben wir extra die Scheiben ausgebaut.“

Oder die Teilnahme der drei „Schönheiten“ am Wettbewerb „See-Side-Superstar“. Hierfür hatten sie eine Performance zu „Daylight“ von den No Angels eingeübt, die beim Publikum Beifallsstürme auslöste. An diesem Wettbewerb nahm auch Hotelgast Arnold Gockel alias Patrick-Konrad Piel teil, der durch Zufall an ein komplett neues Outfit gelangt war.

Bei der Anreise wurde nämlich sein Koffer vertauscht, so dass er im kurzen Schwarzen einer jungen Dame zum See ging. Seine Geliebte Hermine Küstentreter, gespielt von Carolin Steffens, war davon wenig begeistert und blieb peinlich berührt im Hotel. Patrick-Konrad Piel schien sich in seiner Rolle und den Kleidern durchaus wohl zu fühlen und erntete zum Schluss großen Applaus.

Aufgrund des ganzen Prominenten-Auflaufs wurde das Hotel schließlich von „Hotel an der Umgehungsstraße“ zum „Hotel Prominent“ umbenannt, natürlich erst nachdem die Verstrickungen rund um den bayerischen Schachmeister aufgelöst waren.

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