Auf historischen Pfaden durch Nothberg

Von: Andreas Röchter
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Auf den Spuren des Freiherrn v
Auf den Spuren des Freiherrn von Rolshausen: Heinz-Theo Frings brachte Geschichtsinteressierten den „Nothberger Beleitgang” näher, zu dem der Burgherr seine Untergebenen einbestellt hatte. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Vor Jahrhunderten konnte es den Bewohnern des damaligen „Burgfleckens” Nothberg, die vom Burgherren zum „Beleitgang” einbestellt worden waren, durchaus geschehen, dass sie unterwegs die eine oder andere Ohrfeige bezogen.

Denn eine solche Begehung diente dazu, der Landbevölkerung zu zeigen, ihr teilweise „einzubläuen”, wo die Grenze des Besitzes des hohen Herren verlief, wo also die Bauern und Kätner ihr Vieh tunlichst nicht weiden lassen sollten.

Diesmal drohte den modernen „Beleitgängern” dieses Schicksal nicht. Sie wurden stattdessen ordentlich nass. Doch auch der strömende Regen hinderte zahlreiche indestädtische Geschichtsinteressierte nicht, der Einladung der Nothberger Vereinsgemeinschaft zu folgen, sich unter der Leitung von Vorstandsmitglied Heinz-Theo Frings auf die Spuren des Freiherrn Christoffel von Rolshausen zu begeben, der in einem vor 1720 entstandenen Dokument einen solchen Rundgang beschreibt.

„Die Idee, diesen Weg in der Gruppe zu erwandern, existiert schon seit längerem”, freute sich Heinz-Theo Frings über das große Interesse. Rund 70 Anmeldungen waren im Vorfeld eingegangen, die meisten „Heimatkundler” trotzten den schwierigen Witterungsverhältnissen.

Der Start des „Beleitgangs 2012” erfolgte vor dem Haus Velden an der Hüchelner Straße, von wo aus es in Richtung Bovenberger Wald ging. Dort existierte einst eine Ritterburg, dessen Besitzer der Freiherr von Bongart war. Mit diesem stand der Freiherr von Rolshausen in Korrespondenz. Südlich vom heutigen Gut Bovenberg gelegen, sind von der Burg Bovenberg nur noch Gräben und überwucherte Fundamentreste, sowie der erst kürzlich übergitterte Burgbrunnen übrig geblieben.

„Die Tatsache, dass es im 12. Jahrhundert mit der Nothberger Burg, der Burg Bovenberg sowie einer Burg in Stolberg-Dorff, von der nichts mehr zu sehen ist, drei Bauwerke im Donjon-Stil mit vier Türmen in unmittelbarer Nähe existierten, legt die Vermutung nahe, dass es in diesem Bereich eine Burgbauhütte gab, die auf diese Bauweise spezialisiert war”, erklärte Heinz-Theo Frings beim Stop im Bovenberger Wald, wo laut Dokument auf einer Fallbrücke der ursprüngliche Beleitgang begann. „Ein Begriff, der heute kaum noch jemandem etwas sagt”, so der Hobby-Historiker, der die Archivberatung des Landschaftsverbandes Rheinland in Brauweiler besuchte, wo Archivalien zur Nothberger Burg bereitstanden, die sich ansonsten im Archiv des Schlosses Türnich befinden.

Mit Dr. Hans-Werner Langbrandtner, der als wissenschaftlicher Archivar die Adelsarchive betreut, stellte sich Heinz-Theo Frings der Aufgabe, Dokumente zu entschlüsseln, die in deutscher Kursivschrift verfasst wurden. „Diese stammen mit Sicherheit aus der Zeit zwischen 1637 und 1720, dem Zeitraum, in dem der Freiherr von Rolshausen auf der Burg lebte”, ließ er seine Zuhörer wissen, und machte darauf aufmerksam, dass die Zahl der Bewohner des Burgfleckens Nothberg in keinster Weise mit der heutigen Zahl der Einwohner des Eschweiler Stadtteils zu vergleichen sei. „Sie dürfte im Vergleich zu heute bei höchstens einem Zehntel gelegen haben. Noch 1820 lebten in Nothberg nicht mehr als 250 Menschen. Dies veränderte sich erst durch die Eisenbahn, die Zeche, die Flurbereinigung sowie die Entstehung der Süd-, Eifel- und Cäcilienstraße”, nannte er Faktoren, die das historische Bild Nothbergs nachhaltig veränderten.

Vom Bovenberger Wald aus ging es anschließend über den „Korkus”, dessen Namensursprung ungeklärt ist, in Richtung der Knippmühle, wo sich in unmittelbarer Nähe des Sportplatzes der obere Mühlenteich befand. Die abschließende Etappe des „Beleitgangs 2012” führte schließlich zum Gebiet des „Dalli-Bunkers”, wo sich in früheren Zeiten wohl Omerbach und Inde trafen. Denn die Dokumente des Freiherrn von Rolshausen enthalten auch eine Zeichnung, auf der sich der „Omelbach” (heute Omerbach) vom Bereich der Knippmühle herunterschlängelt, um sich unterhalb der Burg mit dem oberen Arm der Inde zu kreuzen, bis er im Nordosten der Burg endgültig in die Inde fließt. Dort endete schließlich der Rundgang, der alle Teilnehmer in eine für den Menschen des 21. Jahrhunderts kaum vorstellbare Zeit führte. „Ein solcher Beleitgang war auch Ausdruck einer archaischen Machtgesellschaft, in der die Demonstration von Macht alltäglich, soziales Denken aber praktisch nicht vorhanden war”, so Heinz-Theo Frings.

Ein Aufsatz über den „Nothberger Beleitgang” wird in der Schriftenreihe des Geschichtsvereins erscheinen.
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