Eschweiler - Auf einer Zeitreise mit Erich Kästner

Auf einer Zeitreise mit Erich Kästner

Von: jope
Letzte Aktualisierung:
Der Schöpferkraft des Dichter
Der Schöpferkraft des Dichters die eigene Kreativität der Vertonung aufgesetzt: Rike Hammes und Wolfgang Deising begeisterten als „Wooden Music” mit einem literarisch-musikalischen Abend.

Eschweiler. In der Regel haben Literatur-Abende des Eschweiler Talbahnhof-Wirtes und früheren Aachener Theater-Schauspieler Aachen Walter Danz einen besonderen Anlass: etwa runde Geburts- oder Todesjahre eines Schriftstellers. Solch einen Jahrestag gab es beim „Erich-Kästner-Abend” nicht.

Aber dem Gesangs- und Instrumental-Duo „Wooden Music” mit Rike Hammes (Gesang und Percussion) und Wolfgang Deising (Gesang und Gitarre) brannte das Thema „Erich Kästner” schon lange auf den Fingernägeln. Und dies wortwörtlich: Wolfgang Deising zauberte mit seinen Fingern Noten auf die Gitarre, durch die er beim Lesen von Kästner-Texten inspiriert wurde. Mit Genehmigung der Kästner-Familie und abwechselnd mit Rezitator Walter Danz gab das Duo seine Vertonung der nachdenklichen und witzigen, melancholischen und ironisch-sarkastischen Kästner-Texte zum Besten.

Das Motto des gut besuchten Talbahnhof-Abends hieß: „Fragen von gestern - gestern schon (nicht) beantwortet”. Anders formuliert: Die von Erich Käsner (1899-1974) aufgeworfenen Fragen sind teilweise noch heute aktuell und harren einer Antwort. Dies machte Walter Danz deutlich, als er aus den Erinnerungen des Autors vom „Doppelten Lottchen” und dem „Fliegenden Klassenzimmer” vorlas. Bei der Schilderung von Bankenkrächen und Massen-Arbeitslosigkeit in den 20-er Jahren fühlte man sich fast schon an Zustände der Jetztzeit erinnert. Dann berichtete Danz vom wechselhaftem Glück des Germanisten Kästner, als Schriftsteller oder Journalist über längere Zeit Fuß zu fassen. Der nazikritische Sachse, der sich wegen Bodenständigkeit und Mutter-Bindung nach 1933 trotz Verbrennung seiner Bücher nicht zur Emigration entschließen konnte, startete mehrmals einen „Neubeginn aus dem Nichts”: nach dem Ersten Weltkrieg als gesundheitlich angeschlagener Soldat, der mit Verspätung sein Abitur baute; in der Weimarer Republik als gelobtes Schriftsteller-Talent und „Ex- und hopp-”Journalist zwischen „gefeiert” bis „gefeuert”; nach zwölfjährigem Publikationsverbot dann als 46-Jähriger noch einmal an einem Nullpunkt angekommen.

Verbiegen ließ sich das Multitalent in all den Jahren nicht. Gleiches empfahl er seinen Zeitgenossen ebenso wie den Nachgeborenen: „Niemals dürft Ihr so tief sinken, dass Ihr den Kakao trinkt, durch den man Euch zieht”.

Der sensible Kinderbuch-Autor, der dabei immer auch auf die Erwachsenen zielte, beherrschte neben der feinsinnigen Kunst des „Florett-Fechtens” auch die des „direkten Angriffs und der Fausthiebe” (Walter Danz). Der Gesellschaftskritiker Kästner stand Seit an Seit mit Carl von Ossietzky und Kurt Tucholsky bei deren Anschreiben gegen dumpfen Untertanen-Geist und die heraufziehende Nazi-Gefahr. Wie Freund „Tucho” sah Kästner in dem sich zusammenbrauenden Ungemach keinen Unfall, sondern eine Konsequenz aus bedenklichen Tendenzen deutscher Geschichte.

Walter Danz las sodann einen Aufsatz über das deutsche Schul- und Lehrerwesen in der spätwilhelminischen Ära vor. Erich Kästner sah dort nicht die Erziehung zu selbstständigen Persönlichkeiten am Werke, sondern das „Stutzen der Charaktere” hin zu sich ins Ganze fügenden „Gehorsams-Automaten”. Mit einem genialen Wortspiel entlarvte Kästner die Doppelbödigkeit dieser Erziehung: „Der Kaiser und die Republik verschwanden. Als die Befehle ab 1933 entgegengesetzt waren, hatten die zu Gehorsam Erzogenen nichts mehr entgegenzusetzen.”

Anfälligkeit für das Böse

Das Duo „Wooden Music” unterstrich die Aussage des Textes mit selbst vertonten Kästner-Gedichten. Sowohl die Ballade vom „Kleinen Mann” wie das Lied vom „Geregelten Zeitgenossen” enthalten die gleiche Botschaft: Dass Unterwürfigkeit und Sicherheitsdenken einen Menschen für kurze Zeit beruhigen, aber seine innere Leere und Anfälligkeit für das Böse nicht „abtöten” können. Letztendlich auch hier Texte und Lieder, die über die politisch-soziale Grundstimmung von „damals” bis ins Heute durchscheinen. „Gewohnheiten wachsen oft zu hohen Mauern”, besangen Wolfgang Deising und Rike Hammes ein weiteres Kästner-Gedicht. Kästner benennt diese Mauern, die sich auch heute noch im Alltag von Ehe, Familie, Partnerschaft und Beruf einnisten. Da war fürwahr ein Denker und Mahner am Werk, der unvermindert aktuell bleibt.
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