Eschweiler - Auf dem Rad ist es nicht immer gemütlich

Auf dem Rad ist es nicht immer gemütlich

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
Brenzlige Situation: An der Ei
Brenzlige Situation: An der Einmündung der Kochsgasse wird es für Rad- und Autofahrer plötzlich eng. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Das Ergebnis vorneweg: Hermann-Josef Meuthen bewertet die Fahrradfreundlichkeit Eschweilers mir der Note „Befriedigend”. Bis zu 100 Kilometer täglich absolviert der 63-Jährige mit seinem Fahrrad.

Darüber hinaus kennt er als Vorsitzender von ESG Radsport die Kritikpunkte vieler Radler in der Indestadt. Grund genug, einige Stellen mit ihm abzufahren - natürlich auch mit dem Fahrrad. Man muss ja wissen, wovon man schreibt.

Gefährliche Begegnungen

Treffpunkt Dürwiß: Der dortige Blausteinsee lockt tagtäglich viele Menschen an. Inline-Skater, Läufer und eben auch Radfahrer. Sie alle nutzen die gleiche asphaltierte Strecke. „Da ist manchmal viel Verkehr”, berichtet er. Allerdings wird die Grundregel der gegenseitigen Rücksichtnahme nicht von allen gleichermaßen berücksichtigt. Auch mancher Landwirt halte sich nicht daran, meint Meuthen. Schon häufig habe er beobachtet, wie ein Traktorfahrer an Radfahrern vorbeigeprescht sei. „In solchen Situationen würde ich gerne einmal die Rolle tauschen, damit man die Angst, die ein Radfahrer dann entwickelt, nachvollziehen kann”, sagt er. Manchmal sind die Traktorenreifen schon größer als die Radfahrer selbst.

54,5 Kilometer Radwege bestehen in Eschweiler. Vor allem der Norden ist gut ausgestattet, wurden viele Straßen doch erst in den vergangenen zehn Jahren fertiggestellt. An manchen Straßen befindet sich sogar auf beiden Seiten ein Radweg. In Eschweiler ist das auf 13,9 Kilometern der Fall. Was manche Radfahrer nicht wissen: Sie dürfen dann nur den jeweils rechten Radweg in ihrer Fahrtrichtung nutzen.

Problematisch ist für Meuthen die Situation an der Jülicher Straße, ein beliebter Schulweg. Dort geht es nicht nur gefährlich eng zu, wenn sich Radfahrer auf dem kombinierten Rad- und Gehweg begegnen, auch Autofahrer hätten dann kaum eine Chance, die Verkehrssituation zu überblicken. „Meistens schauen sie zuerst nach links und dann nach rechts - das kann aber schon zu spät sein”, mahnt er, den jeweils rechten Radweg zu nutzen.

Rollt man die Jülicher Straße herab, lauert die nächste Gefahr an der Einmündung der Hehlrather Straße. An der Kreuzung endet nämlich der Radweg, die Radfahrer werden auf die Straße geleitet - unmittelbar vor der engen Kochsgasse. „Da würde es schon helfen, wenn die Grünphase der Radfahrer etwas früher beginnt.” Stattdessen rollen die Pedalritter parallel mit den Autofahrern an. Das führt oft zu brenzligen Situationen.

In einem solchen Fall wäre es hilfreich, wenn Planer mit Radfahrern oder deren Vertreter sprechen würden. Das ist jedoch in Eschweiler nicht der Fall: „Mich hat noch nie jemand angesprochen, wie wir uns manches wünschen würden”, berichtet Meuthen. Manchmal sind es kleine Tipps, die den Alltag im Straßenverkehr erleichtern könnten. Denn ein schlechtes Zeugnis stellt der Radexperte Eschweiler nicht aus, im Gegenteil: „Es hat sich viel getan.”

Fahrradständer in der Innenstadt, die zahlreichen Fahrradwege, Fahrradboxen für Berufspendler - das alles sind Pluspunkte für Meuthen. Die Pflege der Radwege lässt allerdings oft zu wünschen übrig. Auch der Zustand der Straßen zählt zu den Kritikpunkten, denn ein harmloses kleines Schlagloch kann für Fahrradfahrer zur Falle werden. Auch Dreck auf den Straßen provoziert Stürze. Beispiele für solche Stellen gibt es in der Innenstadt reichlich.

Aber eben auch außerhalb Eschweilers. Meuthen hat erst im vergangenen Monat eine lange Tour unternommen. Sie führte ihn von Frankfurt an der Oder zurück an die Inde. 1000 Kilometer in zehn Tagen nahm der 63-Jährige unter die Pedale. „Da sieht man einiges”, so Meuthen. Und eben nicht nur Positives. Manchmal frage man sich schon, was sich der Planer dabei gedacht habe.

Radspektakel am Wochenende

Dem kommenden Wochenende fiebern Meuthen und die weiteren Mitglieder von ESG-Radsport schon lange entgegen. Beim Indeland-Radsporttag werden Weltklasse-Fahrer durch die Innenstadt rasen. Auch die Nachwuchs-Gruppe der ESG ist bei den Vorrennen mit von der Partie. Dass Inde­städter durch die Fußgängerzone radeln dürfen, wünscht sich Meuthen schon seit langem. „Im Schritttempo” natürlich. Allerdings dürfte sich die Begeisterung bei den Fußgängern sehr in Grenzen halten. Zudem halten sich schon heute einige Radfahrer gar nicht ans Verbot und treten zwischen Indestraße und Marienstraße kräftig in die Pedale.

Am Ende der Fahrt durch Eschweilers Norden und durch die Innenstadt wird der Drahtesel selbstverständlich durch die Fußgängerzone zur Redaktion geschoben. Vorbildlich. 100 Kilometer sind es dann doch nicht geworden. Vielleicht 20. Aber auch die reichen, um einem ungeübten Fahrer einen Muskelkater zu bescheren. Hermann-Josef Meuthen schmunzelt: „Jede Strecke, die ich mit dem Fahrrad zurücklegen kann, fahre ich auch mit dem Fahrrad.” Für diese Einstellung möchte er mehr Menschen gewinnen. Denn Eschweiler ist zumindest nicht fahrradunfreundlich. „Befriedigend” lässt Potenzial nach oben...

Scherben bringen nicht immer Glück: Die Radwege in Eschweiler sind zum Teil nicht ausreichend gepflegt. An manchen Stellen ragen auch Äste gefährlich hinein. Immerhin gebe es erfreulich viele Radwege in der Stadt, schränkt Hermann-Josef Meuthen die Kritik ein.

Auf Wirtschaftswegen kommt es immer wieder zu unerfreulich gefährlichen Begegnungen von Rad- und Traktorfahrern. Vor allem am Blausteinsee, wo es auch schon zu Unfällen gekommen ist, seien ihm schon rücksichtslose Fahrer von Landmaschinen vorgekommen, schüttelt Hermann-Josef Meuthen den Kopf.

Eine sinnfreie Planung habe man in Meuthens Augen an der Kolpingstraße zugrunde gelegt. Die Einbahnstraße ist dort für Fahrradfahrer in beide Richtungen nutzbar. An der Dürener Straße geht es allerdings nur nach rechts. Konsequenz - wie auf dem Bild sichtbar: Radfahrer fahren einfach geradeaus in die enge Wollenwebergasse.

Das Rechtsfahrgebot wird in Deutschland nicht konsequent eingehalten: „Sind zwei Radwege an einer Straße vorhanden, dann muss man immer in Fahrtrichtung rechts fahren”, betont Meuthen. Auf dem Bild zeigt er, wie es viele falsch machen. Das kann zu gefährlichen Situationen führen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert