Auf dem Platz mit den ganz Großen: Jupp Thelen

Von: Hubert Meisen
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FC Bayern München - Alemannia Aachen 6:0: In dieser Szene konnte Josef Thelen (rechts) nur zusehen, wie Gerd Müller frei vor Torwart Werner Schulz zum Abschluss kam. Dieter Brenninger (Bayern) und Rolf Pawellek, schauen ebenfalls zu. Foto: Imago/WEREK, Imago/Kicker/Metelmann, Imago/Ferdi Hartung, Imago/Horstmüller
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Mit 2:0 gewann Dortmund das Endspiel in Hannover gegen die Alemannia, die damals in ungewohnten roten Trikots auflief.
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Am 22. Mai 1965 gratulierte Thelen dem Dortmunder Borussen Lothar Emmerich zum Pokalsieg.
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Von der ESG zur Alemannia: Josef Thelen erlebte viele Erfolge mit den Aachenern.

Eschweiler. Jupp Thelen war einer von erstaunlich vielen Fußballern, die aus der Eschweiler SG hervorgegangen sind und später bei Alemannia Aachen Karriere gemacht haben. Bei der ESG wurde er zum Abwehrspieler ausgebildet. Im Jahr 1963 wechselte er zu Alemannia Aachen, die genau zu diesem Zeitpunkt unter einem gewissen Schock stand, weil sie nicht in die neu gegründete Bundesliga aufgenommen wurde.

Thelen profitierte nach eigener Aussage davon, dass er in der Abwehrreihe einen absoluten Weltklassespieler neben sich hatte, von dem er viel gelernt hat. Es war der Jugoslawe Branko Zebec. Eigentlich hatte man den als Linksaußen eingekauft. Auf dieser Position war er weltbekannt geworden.

Bei den Weltmeisterschaften 1954 und 1958 schied er mit Jugoslawien jeweils erst im Viertelfinale gegen Deutschland aus. Zweimal wurde er in die Weltelf berufen. 1952 gewann er die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Helsinki, als man lediglich gegen die damals als unschlagbar geltenden Ungarn im Finale verlor.

Überraschend wurde Zebec aber bei der Alemannia zum Mittelläufer umfunktioniert. Er spielte schon damals auf dieser Position einen tollen Libero, wie man das später nannte. Wie kaum ein anderer konnte er das Spiel des gegnerischen Angriffs „lesen“ und sowohl mit eigenen Aktionen als auch mit Anweisungen an seine Mitspieler der gesamten Abwehr eine enorme Stabilität verleihen.

Nach einem 2:0-Sieg der Alemannia auf dem Tivoli gegen Borussia Mönchengladbach stand am Montag danach eine Schlagzeile als Überschrift in der Zeitung, die eine Aussage des Gladbacher Trainers Hennes Weisweiler war: „Aachens Abwehr und mein Sturm…“ Also dieser Branko Zebec, der später als Trainer in der Bundesliga beim FC Bayern München und dem Hamburger SV Karriere machte, brachte Jupp Thelen die Abgeklärtheit und die nötigen Kniffe bei, die einen guten Abwehrspieler auszeichnen.

In dem Buch „Der Tivoli-Rückblick“ von Franz Creutz, das zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins im Jahr 2000 erschienen ist, wird ausdrücklich das blinde Verständnis zwischen Thelen und Zebec auf und außerhalb des Platzes erwähnt.

Die bitterste Niederlage

In dem gleichen Buch wird Jupp Thelen zitiert, dass er als seinen schönsten Sieg das 4:3 nach Verlängerung gegen Schalke 04 im Halbfinale des DFB-Pokals 1965 ansieht. Als bitterste Niederlage nannte er das 0:3 beim FK Pirmasens im ersten Spiel der Bundesliga-Aufstiegsrunde 1964, als man als großer Favorit stark enttäuscht hatte. Zebec hatte sich in der 1. Minute verletzt.

Da man zu dieser Zeit noch nicht auswechseln durfte, musste man quasi das gesamte Spiel mit nur zehn gesunden Spielern bestreiten. Sein erstes Bundesligaspiel bestritt Thelen am 4. Spieltag 1967 beim 1:0-Auswärtssieg gegen Borussia Neunkirchen.

Insgesamt hat Jupp Thelen 88 Bundesligaspiele absolviert. Als Abwehrspieler trat er dabei „nur“ einmal als Torschütze in Erscheinung. Das war allerdings ein denkwürdiges Tor. Am 5. Spieltag der Vizemeister-Saison am 7. September 1968 spielte Alemannia Aachen im Stadion Bökelberg vor 32.000 Zuschauern bei Borussia Mönchengladbach.

Wolfgang Kleff überlistet

Nach dem Führungstor der Borussen kurz vor der Halbzeit von Günter Netzer drehten die beiden Eschweiler im Alemannen-Trikot das Spiel nach der Pause. Heinz-Gerd Klostermann erzielte in der 58. Minute den Ausgleich. Jupp Thelen hatte sich in der 65. Minute nach vorne gewagt und überlistete Gladbachs Torwart Wolfgang Kleff mit dem Führungstreffer zum 2:1. Lange sah es so aus, dass es das Siegtor sein würde, aber Ackermann gelang dann doch noch in der 86. Minute der Ausgleich zum 2:2.

Es war eines der besten Auswärtsspiele der Aachener in der Saison, obwohl natürlich der 4:1-Sieg in Nürnberg beim amtierenden Deutschen Meister am 1. Spieltag nicht zu toppen war. Zählt man die Zweitligaspiele hinzu, dann kommt man immerhin auf die stolze Zahl von 210 Meisterschaftsspielen, die Thelen für Alemannia Aachen bestritten hat, in denen er zwei Tore erzielte.

Eine „Sternstunde“ erlebte er aber auch mal in einem Freundschaftsspiel. Am 8. März 1966 gegen Dukla Prag waren 25 000 (!) Zuschauer zum Tivoli gekommen. Die Tschechen hatten mit Ladislav Novák und Josef Masopust zwei amtierende Vizeweltmeister in ihren Reihen. Masopust war seinerzeit ein Weltstar. Im WM-Finale 1962 in Chile gegen Brasilien hatte er das Führungstor für die Tschechoslowakei geschossen.

Auf dem Tivoli war Jupp Thelen nun sein direkter Gegenspieler. Selten bekommen Abwehrspieler Beifall, der in Ovationen ausartet. An diesem Abend war es so, weil Masopust bei Thelen keinen Stich bekam und demzufolge völlig wirkungslos blieb.

Übrigens Klostermann hatte auch einen „Sahnetag“ erwischt und glänzte mit tollen Sprinteinlagen auf dem rechten Flügel und mehreren gefährlichen Flanken. Dukla Prag konnte sich glücklich schätzen, dass es kurz vor Schluss noch 1:1 stand. In der 88. Minute jedoch war es Jupp Thelen, der seinen ohnehin gelungenen Abend auch noch mit dem Siegtor zum 2:1 krönte. Der Tivoli war mal wieder ein Tollhaus, obwohl es ja streng genommen um nichts ging.

Die größten Erfolge seiner Karriere waren für Jupp Thelen das Erreichen des Pokalfinales 1965 in Hannover als Zweitligist gegen Borussia Dortmund (0:2), der Bundesliga-Aufstieg 1967 und die errungene Deutsche Vizemeisterschaft 1969.

„Großer Schweiger“

Nach Vertragsende 1972 beendete er seine Laufbahn als Fußballer. Viel hat man nicht erfahren über seine Person. Das lag wohl zum größten Teil daran, dass er nicht viel geredet hat. Die ihn gekannt haben, charakterisieren ihn etwa so: Wenn man ihn nichts gefragt hat, dann hat er auch nichts gesagt. Seine Mannschaftskameraden bezeichnen ihn heute noch als den „großen Schweiger“. Leider ist er am 3. Juni 2007 gestorben. Er wurde nur 66 Jahre alt.

Im Rahmen dieser Serie über ehemalige erfolgreiche Eschweiler Sportler und Sportlerinnen haben wir bisher „nur“ über Fußballer berichtet, die bei Alemannia Aachen überregional bekannt geworden sind. Wir werden aber auch an Aktive aus anderen Sportarten erinnern.

Beim nächsten Mal wird es allerdings noch mal ein Fußballer sein. Diesmal einer, der aus dem FC Germania Dürwiß hervorgegangen ist, mehrere Jahre in der Bundesliga gespielt hat und zweimal Deutscher Meister wurde: Franz Krauthausen.

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