Auf Betreuersuche: Düstere Zukunftsaussicht für Ferienspiele

Von: Sonja Essers
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Domenic Rogic, Sabrina Frings, Lea Pfeiffer und Denise Schumacher (von unten) betreuen auch in diesem Jahr die Teilnehmer der Ferienspiele des Kinderferienwerks Röhe. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Als Klaus Millbrett vor 15 Jahren die Leitung der Ferienspiele in St. Barbara übernahm, musste er sich keine Sorgen darum machen, genügend Betreuer zu finden. „Die Motivation war damals einfach größer“, sagt er. „Viele waren auch privat miteinander befreundet. Heute sehen wir uns das ganze Jahr über nicht. Nur zu den Ferienspielen.“

Einen Mangel an Betreuern gebe es zwar noch nicht, jedoch sieht der 50-Jährige der Zukunft mit Sorge entgegen. Immer weniger junge Menschen in Eschweiler sind bereit, sich als Betreuer zu engagieren. Dies bekommen sämtliche Anbieter von Ferienspielen in der Stadt zu spüren. Viele von ihnen schlagen Alarm.

Nachwuchs früh begeistern

Heinz-Peter Wiesen, Vorsitzender des Kinderferienwerks Röhe sowie des Stadtjugendrings Eschweiler, kennt Probleme, junge Erwachsenen für ein Ehrenamt zu begeistern. „Wenn sie 19 oder 20 Jahre alt sind, haben sie meistens andere Interessen. Wenn wir sie nicht bei der Stange halten, ist es schwierig, sie wiederzubekommen.“ Einige würden höchstens zurückkehren, wenn die Familienplanung abgeschlossen sei. Damit rechnen können die Verantwortlichen jedoch nicht. Millbrett und Wiesen sind sich sicher, dass es deshalb wichtig ist, früh den Nachwuchs für das Ehrenamt zu begeistern.

Domenic Rogic zählt zu den Ausnahmen. Für den 17-Jährigen steht fest: „Mir macht es Spaß, die Kinder zu unterhalten.“ Seit dem vergangenen Jahr ist er Jugendbetreuer beim Kinderferienwerk Röhe. Die Ferienspiele sind für ihn kostenlos. Ab dem kommenden Jahr ändert sich das allerdings. Denn sobald die Betreuer 18 Jahre alt sind, zahlen sie denselben Betrag wie die teilnehmenden Kinder. In diesem Jahr waren das 42 Euro. „Das macht das Ganze natürlich auch unattraktiv“, sagt Wiesen. In diese Schwierigkeit gerät Klaus Millbrett nicht: „Wenn ich einführen würde, dass die Betreuer zahlen müssten, dann würde es eng.“ Sowohl die jungen, als auch die erwachsenen Ehrenamtler müssen für die Ferienspiele nicht zahlen. Die Teilnahmegebühr beträgt in diesem Jahr 55 Euro.

Millbrett kann jedes Jahr auf 15 Stammbetreuer, die zwischen 14 und 50 Jahre alt sind, zurückgreifen. In diesem Jahr kümmern sich sogar 17 Ehrenamtler um die 64 Teilnehmer. Auch seine Familie ist beteiligt: Sowohl seine Frau, als auch seine drei Kinder sind als Betreuer tätig. Einen Sommer ohne Ferienspiele können sich die Millbretts nicht vorstellen.

Das geht auch Denise Schumacher und Lea Pfeiffer so. Zwar sind sie in diesem Jahr für die zweite Woche der Röher Ferienspiele eingeteilt, jedoch statten sie den Teilnehmern bereits am zweiten Tag einen Besuch ab. „Es ist schon komisch, wenn man nicht die ganze Zeit dabei ist“, gesteht Denise Schumacher. Die 19-Jährige absolviert derzeit eine Ausbildung zur Erzieherin und hat in den Sommerferien frei.

Dieses Glück hat jedoch nicht jeder – und das kann für die Veranstalter von Ferienspielen durchaus zum Problem werden. Bis zu zehn Tage Sonderurlaub stehen den Ehrenamtlern jährlich zu. Heinz-Peter Wiesen weiß jedoch: „Gerade in kleineren Betrieben ist das sehr schwierig. Wer ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, bekommt sogar noch eher Urlaub, als Eltern. Aber man legt sich dafür ja nicht mit irgendwem an.“ Vor 20 Jahren wurde dieses Angebot noch rege genutzt. Da seien drei oder vier Betreuer dabei gewesen, die Sonderurlaub beantragt hatten. „In diesem Jahr haben wir keinen einzigen dabei.“

Nutzt man wie Klaus Millbrett diese Möglichkeit, dann kann auch dies negative Folgen haben: „Wenn ich zwei Wochen Sonderurlaub habe und danach auch noch drei Wochen weg bin, dann finden das die meisten Kollegen nicht so toll.“ Er geht sogar noch weiter: „In der heutigen Zeit würde ich das keinem mehr raten.“

Denise Schumacher will als Betreuerin in Röhe so „lange dabeibleiben, wie es geht“. Die Auszubildende und ihre Freundin Lea Pfeiffer nehmen ihre Aufgabe ernst. Bereits mit 15 Jahren durchliefen sie die Schulung für die Jugendleitercard (JuLeiCa). In 2010 erhielten sie von der Stadt Eschweiler den „Jugend-Plus-Preis“. Nach den Sommerferien will sich auch Domenic Rogic weiterbilden. Dann steht die Schulung zum Thema Kindeswohlgefährdung auf dem Programm. Für Heinz-Peter Wiesen ist diese ein absolutes Muss. „Da schicken wir jeden hin“, sagt er. Die Kosten dafür übernehme das Kinderferienwerk Röhe, die Ehrenamtler investieren ihre Zeit.

Unabhängige Stelle gefordert

Auch ihre polizeilichen Führungszeugnisse müssen die Betreuer vorzeigen. Doch in diesem Punkt ist Wiesen zwiegespalten. „Auf der einen Seite bin ich froh, dass man das durchsetzen konnte“, sagt er. Aber die Unterstützung seitens der Stadt Eschweiler lasse zu wünschen übrig. „Es sollte eine unabhängige Stelle geben, die Einsicht nimmt“, fordert Wiesen. Schließlich seien viele Paragrafen für die Kinder- und Jugendarbeit nicht relevant. „Ich will gar nicht wissen, was darin steht“, sagt er. Diese Auffassung teilt Millbrett.

Da es eine solche Stelle nicht gibt, haben sich Stadtjugendring und Stadtsportbund zusammengetan und einen Notar mit der Einsichtnahme beauftragt. „Diese Kosten bleiben natürlich bei uns hängen. Unsere Ehrenamtler leisten so viel, warum gibt es da keine Entlastung von Seiten der Stadt?“, fragt Wiesen. Darüber, wer ein polizeiliches Führungszeugnis vorzeigen muss, entscheidet der Vorstand. „Wir bewerten nicht die Personen, sondern deren Positionen“, sagt Wiesen. Ein Vorstandsmitglied, das mit der Kinder- und Jugendarbeit nichts zu tun habe, brauche auch kein Zeugnis abzugeben. Bei Betreuern sei dies anders.

Die jungen Helfer machen sich darüber noch keine Gedanken. Für sie ist die Ausübung des Ehrenamts selbstverständlich. „Das ist in Röhe so eine Art Tradition, dass man Betreuer wird, wenn man selbst nicht mehr mitmacht.“ Aber nicht alle denken so...

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