Auch der kleine Querk hilft bei der Integration

Von: jlm
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Thomas Niemann (4.v.l.), Praxis für Logopädie, erzählte die Geschichte des Querks, während die Kinder, aber auch Stephan Löhmann (l.), Förderverein des Familienzentrums, Vera Joußen (2.v.r.), Vorstand der BKJ, sowie Sigrid Greven (r), Leiterin des Familienzentrums, lauschten. Foto: Julia Meuser

Eschweiler. Im Familienzentrum an der Jahnstraße werden immer wieder Vorleseaktionen angeboten. Kinder und auch die Eltern sollen an Bücher herangeführt werden, so wie an das vom kleinen Querk. Vorleser war der Logopäde Thomas Niemann, der das Buch gespendet hat.

Der kleine Erasmus ist ein Querk und lebt mit seinen Eltern und Geschwistern auf einer Lichtung. Eines Tages stößt er auf ein anderes Tier, einen Hasen, und möchte so sein wie er. Er verkleidet sich und hüpft mit ihm um die Wette, doch die Beine des Hasen sind viel länger als seine und irgendwann tun ihm die Füße weh. Als er sich als Hund verkleidet, wird er eingefangen und angeleint, nur eine Maus hilft, indem sie den Strick, mit dem der Querk gefesselt war, zerbeißt. Doch als der Querk sich als Maus verkleidet, ist sie enttäuscht, sie wollte schließlich einen Querk kennenlernen und keine große Maus. Die Kinder des Familienzentrums an der Jahnstraße fieberten mit dem kleinen Querk, als sie am Donnerstagnachmittag gebannt seiner Geschichte lauschten. Anlässlich der Vorleseaktion des Zentrums hatte es sich nämlich auch Thomas Niemann, Praxis für Logopädie am Drimbornshof, nicht nehmen lassen und las den Kinder aus dem von ihm gespendeten Buch vor. Eines von vielen Büchern, die die Einrichtung nun nutzen kann.

Mitte des vorigen Jahres habe der Förderverein einen Antrag bezüglich des Landesprogramms des Ministeriums unter dem Konzept „Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe“ gestellt, um ein Vorleseangebot für Kinder auf die Beine stellen zu können und hierfür 250 Euro erhalten. Mit diesem Geld sei dann die entsprechende Kinderliteratur angeschafft worden, erklärt Vera Joußen, Vorstand der BKJ (Betreuungseinrichtungen für Kinder & Jugendliche der Stadt Eschweiler, Anstalt des öffentlichen Rechts – BKJ). „Ein weiterer kleiner Meilenstein“, um eine möglichst intensive Integration zu ermöglichen.

Im August des vergangenen Jahres sei die Aktion gestartet, wobei er selber immer wieder erstaunt sei, musste auch Stephan Löhmann, Förderverein des Familienzentrums, gestehen. Er wohne an einer Spielstraße, erklärte er, und viele der Nachbarskinder, die dort spielen, würden auch diesen Kindergarten besuchen. Dabei sei es einfach bemerkenswert, die sprachliche Entwicklung in nur einem halben Jahr zu beobachten und zu sehen, mit welcher Geschwindigkeit sie eine völlig fremde Sprache erlernten.

2009 gegründet, ist es das Anliegen des Fördervereins, die Kinder zu fördern und möglichst gleiche Startchancen zu ermöglichen. Wenn das Kind einen Schwimmkurs besuchen möchte, oder Materialien oder Bücher benötigt, die Eltern dies aber nicht bezahlen könnten, hilft der Förderverein. 2015 sei auch ein Seilgarten geschaffen worden, immer in Zusammenarbeit mit den Eltern, um diese ebenfalls einzubeziehen.

Doch Integration funktioniere nur, wenn Sprache funktioniere. Die Vorleseaktion sei daher ein wichtiger Schritt, erklärte auch Sigrid Greven, Leiterin des Familienzentrums. Es sei einfach schön zu sehen, wie viele Freundschaften sich unter den Kindern entwickeln und wie sehr sich die Kinder auf jede Vorleseaktion freuen würden. Sie würden sich jeden Morgen freuen, in den Kindergarten zu kommen und würden meist bis zur letzten Minute bleiben. Es sei dabei aber auch wichtig, die Eltern an das Medium Buch heranzuführen. In manchen Kulturen sei es ungewöhnlich, sich die Zeit zu nehmen und sich mit dem Kind gemeinsam ein Buch anzuschauen und zu lesen.

Ein Buch hat es Sigrid Greven dabei ganz besonders angetan: „Zuhause kann überall sein“. Hier geht es um ein kleines Mädchen, erklärte die Leiterin des Familienzentrums, das seine Heimat verlassen muss und in ein fremdes Land flieht, alles ist ihr fremd. Sie möchte sich am liebsten nur noch in ihre geliebte Decke wickeln, die gewebt ist aus Erinnerungen und Gedankten an Zuhause. Aber dann lernt sie ein anderes Mädchen kennen, das ihr nach und nach die fremde Sprache beibringt, mit ihr spielt und lacht. Und so beginnt sie eine neue Decke zu weben aus Freundschaft, neuen Worten und neuen Erinnerungen, die sie wärmt und in der sie sich zu Hause fühlt.

Als ein Halbjahresprojekt habe sie nun beschlossen, basierend auf dem Buch mit den Kindern ein Musical zu erarbeiten, welches auf dem Sommerfest der Einrichtung aufgeführt werden soll. Und auch Thomas Niemann, der regelmäßig an den Förderverein des Familienzentrums spendet, ist begeistert. „Das ist mehr als nur vorlesen“, erklärte er. Bei der Geschichte des kleinen Querks gebe es nicht nur eine CD, sondern auch Handpuppen. Das lade ein, die Geschichte nachzuspielen oder sogar weiterzuspinnen. Und die Botschaft, „Jeder ist wertvoll so wie er ist“, trifft ebenfalls auf jedes Kind zu, egal wo es her kommt. Eine Menge neuer spannender Bücher also, die nun gelesen werden, neue Welten, die es zu erkunden gilt und sicherlich viele Augen, die begeistert strahlen werden.

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