Arbeitskreis West krempelt fürs eigene Viertel die Ärmel hoch

Von: Patrick Nowicki und Tobias Röber
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Ein erster (kleiner) Erfolg: A
Ein erster (kleiner) Erfolg: An den Spielplätzen an der Gutenbergstraße und Umgebung wurde einiges getan. Der Arbeitskreis West hatte das Thema angestoßen. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Es sind die ersten (kleinen) Erfolge, über die sich der Arbeitskreis West freut. Er hat sich zum Ziel gesetzt hat, den Wohn- und Lebensraum Gutenbergstraße und Umgebung mit den Bürgern zu gestalten.

So werden nicht nur die großen Bewohner mit einbezogen, sondern auch die kleinen. Die wünschten sich unter anderem eine Aufwertung der Spielplätze und mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Ersteres ist bereits in vollem Gange.

Anregungen beim Familienfest

„Wir wollten uns zunächst einmal die Lebenssituation der Familien anschauen. Wir wollten zuhören und vor allem auch hören, was die Kinder sagen”, erklärt Mariethres Kaleß, die sich im Arbeitskreis West engagiert. Gesagt, getan. Bei einem Familienfest wurden viele Bürger erreicht. Und vor allem wurde eine Tafel aufgestellt, auf der erfasst wurde, was in der Gutenbergstraße schön ist und was nicht.

Die Spielplätze waren ein Kritikpunkt. Es hat sich einiges geändert. So stellte die Stadt auf dem Spielplatz an der Jahnstraße ein neues Gerät auf. „Der Platz wird jetzt besser angenommen”, sagt Kaleß. Zudem hat die Stadt die Vermieter der Häuser in dem Viertel angesprochen. Den Hintergrund erklärt Rainer Krebsbach vom Caritas-Verband Aachen, der das Projekt begleitet: „Die Vermieter sind per Vertrag verpflichtet, Spielflächen vorzuhalten.” Nur sei das jahrelang vernachlässigt worden. Die Vermieter hatten für das Anliegen nun ein offenes Ohr, erste Verbesserungen gibt es schon. So wird in der kommenden Woche ein Spielplatz an der Gutenbergstraße offiziell eingeweiht. „Dass es in Gang gekommen ist, ist unser Erfolg”, sagt Mariethres Kaleß. Und die Mitglieder des Arbeitskreises betonen, dass sie am Thema dranbleiben, schließlich gebe es noch weitere Vermieter.

Auch das Thema Verkehrssicherheit wurde bereits diskutiert, und mit einer Aktion wurde auf Gefahren aufmerksam gemacht. Auch vor dem Hintergrund, dass der Verkehr zunehmen werde, wenn die neue Kita ihren Betrieb aufnimmt.

Das wichtigste ist dem Arbeitskreis, dass sich die Bürger einbringen. Diakon Martin Schlicht sieht es daher als einen großen Erfolg, dass sich bei einem Bürgergespräch in dieser Woche einige Anwohner einfanden. Was Schlicht besonders freut: Es wurde angeregt diskutiert, Bürger boten ihre Hilfe an. Alter, Herkunft und Religion spielten bei diesen Gesprächen keine Rolle. So bot ein Mann spontan an, im Arbeitskreis mitzumachen und bei Fragen rund um das Mietrecht zu helfen. Für den Arbeitskreis ist das sehr erfreulich, schließlich solle der Stadtteil mit den Menschen gemeinsam entwickelt werden.

Ein weiterer Punkt, der die Leute dort stört, ist der Leerstand. Konkrete Planungen, wie dem abgeholfen werden kann, gibt es bereits.

Die Voraussetzungen für Eschweiler-West, und damit auch für das Gutenbergviertel sind jedoch andere als noch in Eschweiler-Ost. Das Projekt „Soziale Stadt” wurde verringert, da Eschweiler aus diesem Fördertopf bereits Geld geschöpft hat, stehen die Chancen schlecht, wieder in die Liste aufgenommen zu werden. Stadtrat und Verwaltung hoffen, am Stadterneuerungsprogramm teilzuhaben. Allerdings hat für Eschweiler zunächst die nördliche Innenstadt Vorrang. An zweiter Stelle kommt erst das Projekt Eschweiler-West. Zudem wird es für die klamme Stadt zunehmend schwerer, den Eigenanteil an den Maßnahmen aufzubringen.

Ratsherr Stephan Löhmann (SPD) ist dennoch optimistisch, dass man mit dem Weg der kleinen Schritte zum Erfolg kommen kann. „Wir müssen die Projekte eben über einen längeren Zeitraum strecken, das Projekt Soziale Stadt in Eschweiler-Ost hat auch Jahre in Anspruch genommen”, so der Sozialdemokrat, der auch dem Arbeitskreis West angehört. Kleinere Aktionen haben in der Vergangenheit schon stattgefunden, um die Menschen im Viertel zu gewinnen und Vertrauen zu wecken. Oft hilft nur der unmittelbare Kontakt zu den Menschen. Dennoch ist Geduld gefragt, denn in West baut die Initiative ausschließlich auf ehrenamtliches Engagement. In Ost waren zusätzlich hauptamtliche Mitarbeiter der Stadt beteiligt.

Privatinvest nötig

Investitionen in das Viertel gestalten sich für die öffentliche Hand schwierig, da die leer stehenden Gebäude in privater Hand sind. Ganze Blöcke liegen brach - sie gehören zu einer Gesellschaft, die derzeit noch Pacht vom belgischen Staat für die Wohnungen bezieht. Sie waren nämlich Soldaten aus dem Camp Astrid vorbehalten. Die Kaserne wurde schon vor Jahren aufgegeben, der Vertrag läuft aber weiter. Auf der anderen Seite sind andere Eigentümer durchaus bereit, in das Viertel zu investieren: Schließlich wurden die Spielplätze mit neuen Geräten versehen. In der nächsten Woche findet die offizielle Eröffnung statt.

Ein weiterer Schritt in die richtige Richtung? Ist es richtig, viel Geld und Engagement in einzelne Viertel zu stecken, während woanders die Sorgen auch immer größer werden? Diskutieren Sie mit uns und anderen Lesern.
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