Arbeitskampf bereitet Eschweiler kaum Probleme

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
7423895.jpg
Halten den Pausenraum in Eschweiler besetzt: Die Busfahrer der Aseag und ihres Tochterunternehmens Esbus streiken für mehr Lohn, die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden und 30 Tage Urlaub für alle. Das Kürzel DBB auf den Schals steht für Beamtenbund und Tarifunion (früher: Deutscher Beamtenbund). Foto: Thomas Vogel

Eschweiler. Bei der Aseag und dem Tochterunternehmen Esbus stehen die Räder still. Die Räder der Busse zumindest – die der Arbeitgeber sollten rotieren, sagen die Busfahrer. Es ist ein sonniger Mittwochmorgen und im Pausenraum vor dem Eschweiler Bushof stehen die Zeichen auf Arbeitskampf. Es geht um nichts weniger als die Durchsetzung der Gewerkschaftsforderungen.

Die lesen sich erst einmal ordentlich: 100 Euro auf den Grundlohn, 3,5 Prozent Lohnerhöhung, 30 Tage Urlaub für alle und die unbefristete Übernahme aller Azubis – das ist die tarifliche Forderung. Die Beschäftigten im Nahverkehr verlangen zusätzlich noch einmal 70 Euro pro Monat.

Der kleine Raum, in dem sich rund ein Dutzend Busfahrer versammelt hat, duftet nach frischem Kaffee. Den Unterhaltungen ist Entschlossenheit und sogar ein bisschen Wut zu entnehmen. Busfahrer Andreas Steiner: „Die Politiker haben sich mit 10,1 Prozent bedient. Aber jetzt, wo es um uns geht, da wird ums Geld gestritten. Von der Leistung der Politiker kann aber niemand überleben. Wir alle bringen die Leistung. Für uns fühlt sich das an wie eine Ohrfeige.“

Die auf den ersten Blick sehr selbstbewusste Forderung der Gewerkschaften, gerade im Öffentlichen Nahverkehr, erscheint in einem anderen Licht, wenn Busfahrer von ihrem Job erzählen. Das betrifft besonders Angestellte der Esbus, dem Tochterunternehmen der Aseag, in dem alle neu angestellten Busfahrer unterkommen.

Etwa 2150 Euro brutto beträgt der Einstiegslohn bei Esbus, erklärt Hans-Peter Robert, Geschäftsführer der Nahverkehrsgewerkschaft. Eine Familie komme damit kaum über die Runden. „Man muss doch als Busfahrer, der 39 Stunden in der Woche arbeitet und viel Verantwortung trägt, von seinem Lohn leben können.“ Sogar Aufstocker befänden sich unter den Arbeitnehmern.

„Normalerweise arbeiten wir fünf Tage die Woche. Aber ich und viele andere Kollegen fragen nach Rotschichten (Zusatzschichten, Anm. d. Redaktion), um mit zwei blauen Augen über die Runden zu kommen“, erzählt ein Esbus-Fahrer. „Wenn der Job vernünftig bezahlt würde, wär die Bude rappelvoll und sie müssten keine Busfahrer aus Spanien rüberholen“, fügt ein anderer hinzu. Ihre Namen wollen sie aus Angst vor negativen Konsequenzen lieber nicht in der Zeitung lesen.

Trotz der Umstände haben sie diese Arbeit gewählt und wollen ihr treu bleiben: „Busfahren ist immer noch ein Job mit Perspektive und ich mache ihn gerne.“

Bei den Streikenden steht eine Busfahrerin eines privaten Unternehmens, die sich am Streik nicht beteiligen. Sie sagt, die Busse in Eschweiler und den angrenzenden Kommunen seien ihrer Beobachtung nach gar nicht so übervoll, wie sie angenommen hatte. „Die Leute verstehen unser Anliegen“, schließt Steffens. Sie hätten sich auf die Situation, auf den Streik eingestellt.

Das bestätigt sich an anderen Stellen. Polizeisprecher Paul Kemen: „Aus polizeilicher Sicht hat es keine Probleme gegeben.“ Da, wo erwartet wurde, dass es sich „knubbelt“, sei es ruhig geblieben. Nur vereinzelt habe man Staus beobachtet. Gelassen blickt auch Hans-Peter Franken, Zentralist bei Taxi Slabe in Eschweiler, auf den Vormittag. Ja, es habe mehr Fahrten gegeben, als extrem könne man die Situation aber nicht beschreiben, sagt er. Das Mehraufkommen schätzt er auf 20 Prozent. Wie es am Nachmittag weitergeht, müsse man sehen.

Keine besonderen Vorkommnisse melden auch das städtische Gymnasium und die Gesamtschule: Die Schüler seien pünktlich. Joachim Herzog, Leiter der Gesamtschule, führt das vor allem darauf zurück, dass der Schülerverkehr an seiner Schule von Auftragsunternehmen – sprich Privatunternehmen, die nicht mitstreiken – übernommen werde. Außerdem kämen die Schüler zu Fuß, mit dem Rad oder elterlichen Fahrgemeinschaften.

Auf der Straße sind die Meinungen geteilt. Die einen stehen auf der Seite der Streikenden, Torsten Zühlke zum Beispiel: „Die Jungs haben mit dem, was sie tun vollkommen recht. Nur das Verwirrende ist, dass die Aseag-Busse mit fremden Fahrern besetzt sind und trotzdem fahren. Wenn ich diese Busse fahren sehe, denke ich, dass gar nicht gestreikt wird.“

Andere haben kein Verständnis. „Ich finde das unverschämt. Ich komme aus Heistern und hatte heute Morgen einen Arzttermin. Wenn der Bus nicht kommt, dann muss ich gucken, wie ich nach Hause komme“, meint Annemie Bartz. Claudia Patzke bildet die diplomatische Mitte. „Die Fahrer haben schon Recht, aber man ärgert sich trotzdem ein bisschen darüber. Ich wohne in Werth und arbeite in Weisweiler. Als Berufstätige bin ich auf den Bus angewiesen. Heute Morgen hat mich mein Mann gefahren, aber morgen hat er keine Zeit. Dann muss ich mir etwas anderes überlegen“, erzählt sie.

Am Donnerstag wird der Streik fortgesetzt, dann auch in der Stadtverwaltung und den Kitas.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert