Eschweiler - Arbeitsagentur überprüft Einhaltung der Schwerbehindertenquote

Arbeitsagentur überprüft Einhaltung der Schwerbehindertenquote

Von: Sarah Maria Berners
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Liselotte Coppeneur-Fröhlich ist eine von 45 Schwerbehinderten, die in der Stadtverwaltung arbeiten. Anders als ihr öffentlicher Arbeitgeber, erfüllen viele private Unternehmer die geforderte Schwerbehindertenquote nicht. Foto: Sarah Maria Berners

Eschweiler. Liselotte Coppeneur-Fröhlich ist zu 60 Prozent schwerbehindert. Seit ihrem 16. Lebensjahr hat sie eine steife Hüfte. Und trotzdem steht sie mitten im Berufsleben. Sie arbeitet als Sachbearbeiterin für Wohngeld bei der Stadtverwaltung. Liselotte Coppeneur-Fröhlich macht ihren Job schon lange, sie macht ihn gerne und gut. Dieses Glück haben nicht alle schwerbehinderten Menschen.

In Eschweiler gab es im Dezember 2716 Arbeitslose, 6,8 Prozent davon waren schwerbehindert. Das sind 185 Personen. Damit liegt die Stadt etwas über dem Durchschnitt der Städteregion (5,5 Prozent). Noch lange sind nicht alle schwerbehinderten Menschen in den Arbeitsmarkt integriert. Dabei sind private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Beschäftigten nach dem Sozialgesetzbuch dazu verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Bei einem Unternehmen mit 20 Arbeitsplätzen also einen.

Strafe zahlen

Wer dieser Vorgabe nicht nachkommt, muss Strafe zahlen. Im Fachjargon heißt die Ausgleichsabgabe. Sie beträgt bis zu 260 Euro monatlich und wird für die berufliche Förderung schwerbehinderter Menschen verwendet.

Um einen Überblick über die Einhaltung der Schwerbehindertenquote und die zu zahlenden Ausgleichszahlungen zu bekommen, erhebt die Arbeitsagentur jährlich die Beschäftigungsdaten der Unternehmen. Bis zum 31. März kontrollieren die Arbeitsagenturen die Einhaltung der Beschäftigungspflicht für Schwerbehinderte auch bei den hiesigen Arbeitnehmern.

Wie viele anzeigenpflichtige Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern es in Eschweiler gibt, ist bei der Arbeitsagentur statistisch nicht erfasst. Und auch nicht, wie viele Unternehmen ihrer Pflicht bisher nicht nachgekommen sind. Für Düren hatte ein Fachmann geäußert, dass nicht mal 50 Prozent der Unternehmen die Quote einhalten würden. Für den Bereich Eschweiler oder Aachen kann Arbeitsagentur-Sprecher Klaus Jeske keine derart konkreten Angaben machen. „Aber es wird vermutlich nicht wesentlich anders aussehen. Ein Großteil kommt dieser Pflicht nicht nach.”

„Nicht von Pflicht freikaufen”

Und diese Tatsache sorgt für Unmut. „Ich fände es wichtig, dass die Unternehmen sich künftig nicht mehr von dieser gesetzlichen Verpflichtung freikaufen können”, sagt Kurt Schmitz vom VDK Ortsverband Eschweiler. Er fordert, die Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen und - wo eben möglich und zumutbar - schwerbehinderte Menschen auf dem regulären Arbeitsmarkt und nicht in separaten Werkstätten zu beschäftigen.

Auskünfte über die Schwebehindertenquote wollen viele große Unternehmen - zum Beispiel das Antonius-Hospital und die F.A. Neumann Anlagentechnik - nicht an die Öffentlichkeit geben. Die Stadt Eschweiler hingegen braucht ihre Schwerbehindertenquote nicht zu verschweigen. „Wir liegen mit 8,03 Prozent deutlich über dem, was wir müssten”, sagt Personalamtsleiter Hans Schreiber. Statt der geforderten 28 Schwerbehinderten seien 45 eingestellt.

„Als Stadt haben wir natürlich eine Vorbildfunktion, der wir auch gerecht werden wollen.” Aber auch hier zeigen sich Grenzen. So sei beispielsweise ein Gehbehinderter schwerlich bei der Feuerwehr oder im Außendienst des Ordnungsamtes einsetzbar.

„Wenn man wirklich will, kann man aber sehr viel möglich machen”, sagt Coppeneur-Fröhlich. Blinde Menschen könnten in Call-Centern und schwerhörige in den Büros arbeiten. „Sie können die Aufgaben genau so gut erfüllen, wie ein nichtbehinderter Mensch”, sagt sie. Allerdings müsse sich das Umfeld darauf einstellen und bei Besprechungen zum Beispiel die Schwerhörigkeit berücksichtigen.

„Natürlich entstehen mit diesen Arbeitsplätzen Kosten”, sagt Schreiber. Kosten, die nicht jedes Unternehmen tragen möchte oder kann. Liselotte Coppeneur-Fröhlich hat zum Beispiel einen speziellen Stuhl, blinde können Hilfsmittel beantragen, schwerhörige Zuschüsse zum Hörgerät. Allerdings können Firmen auch Fördermittel beantragen.

Nach Leistung beurteilt

Liselotte Coppeneur-Fröhlich gehört seit 1978 zum Team im Rathaus. Damals waren die Abteilungen noch über die Stadt verteilt. „Es gab keinen Aufzug und ich musste Treppen steigen”, erinnert sie sich. Vieles geht eben, wenn man Biss und Rückhalt hat. „Und wo es nicht geht, zum Beispiel bei geistigen Behinderungen, ist eine Werkstätte mit Betreuungspersonal wohl der bessere Ort.”

Von ihren Kollegen sei sie nie als „Behinderte” behandelt worden, erzählt die Sachbearbeiterin. „Hier wird jeder nach seiner Leistung beurteilt.” Und wegen ihrer fünf zusätzlichen Urlaubstage gibt es allenfalls mal eine neckische Bemerkung. Neid gibt es nicht. „Gegen eine Schwerbehinderung wären fünf Urlaubstage ein schlechter Tausch.”
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