Anschluss gehackt: 5231 Euro für Telefonate nach Albanien

Von: Tyrone Schwarke
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Eschweiler. Als die Telefonrechnung von NetAachen ins Haus von Familie Roderburg aus Eschweiler kam, wurde dem Ehepaar schwarz vor Augen: 5231,18 Euro sollten an das Telekommunikationsunternehmen gezahlt werden.

Für etliche Gespräche ins ferne Ausland, nach Albanien zum Beispiel. „Dabei sprechen wir nicht mal albanisch“, sagt Norbert Roderburg.

Der Telefonanschluss der Familie wurde gehackt, die Telefonate ins Ausland generiert – zu Zeiten, in denen eigentlich keiner zu Hause war. Ähnliche Fälle sind der Verbraucherzentrale NRW in der Region nicht bekannt. „Zugriffe auf den Internetanschluss über WLAN werden uns öfter gemeldet, so etwas – gerade in der Höhe der Summe – aber nicht“, sagt Timo Sachsen von der Beratungsstelle in Alsdorf. Trotzdem ist die Masche an sich nicht neu. Hacker nutzen Lücken in der Software des Routers, um möglichst viele computergenerierte Anrufe ins Ausland zu schalten. Zwar reagierte Roderburg, als er bemerkt hatte, dass etwas mit seinem Anschluss nicht stimmt. „Da haben alle LED-Lampen am Router gebrannt, das konnte nicht normal sein.“ Da war es aber bereits zu spät.

Doch wer ist nun verantwortlich für die entstandenen Kosten? Das Unternehmen beharrt auf seiner Forderung, bot aber einen Vergleich in Höhe der Hälfte des entstandenen Schadens an. Schließlich sei „die Verbindung definitiv von Ihrem Anschluss aus aufgebaut und geführt worden“, heißt es in einem Schreiben. Und: „Für uns sind dadurch auch Kosten entstanden, da wir für die Verbindung auf andere Netzbetreiber zurückgreifen mussten – unser Netz geht ja nicht so weit ins Ausland“, sagt Thomas Schwabe, Pressesprecher von NetAachen. Roderburg hingegen lehnte diesen Vergleich ab: „Das ist viel zu viel für etwas, wofür wir nicht schuld sind. Wären es 50 Euro, hätte man es vielleicht als Lebenserfahrung abhaken können. Das ist aber eine Menge Geld.“

Sicherheitslücken schließen

Es sei eine verzwickte Situation für beide Seiten, sagt Schwabe. Einerseits könne er verstehen, dass der Kunde nicht für etwas zahlen möchte, wofür er augenscheinlich nichts kann. Andererseits muss auch geklärt werden, wie es zu dieser Sicherheitslücke gekommen ist. „Ich weiß nicht, ob er es hätte verhindern können. Die komplette Schuld hat nur derjenige, der für den Hack verantwortlich ist“, sagt er weiter. Trotzdem könne sein Unternehmen auch nicht komplett für den Schaden aufkommen – vor allem nicht wenn ein heruntergeladener Virus oder ähnliches schuld war. „Wir empfehlen immer, Passwörter regelmäßig zu ändern, alle Updates zu laden und vorsichtig bei unbekannten E-Mails zu sein.“

Laut Gesetz habe ein Anbieter eigentlich keinen Entgeltanspruch gegen den Nutzer, wenn diesem die Inanspruchnahme nicht zugerechnet werden könne und er dies nachweisen kann, fasst die Verbraucherzentrale die Sachlage in einer Veröffentlichung zusammen. Der Inhaber eines privaten Anschlusses muss zwar alle technischen Maßnahmen treffen, die einem Durchschnittsnutzer zuzumuten sind. Ob dazu gehört, die Technik auf dem neuesten Stand zu halten, ist eine Grauzone. Die Verbraucherzentrale rät zu eigenständigen Kontrollen der Routersicherheit, um Situationen wie bei den Roderburgs zu vermeiden. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass oftmals Updates nicht vom Anbieter durchgeführt werden, sondern ein selbständiger Download der aktuellsten Software zur Verfügung gestellt wird.

Eine Einigung der beiden Parteien wird es wahrscheinlich erst vor Gericht geben. Denn die Familie hat in ihrem Fall bereits einen Anwalt eingeschaltet. Blöd nur, dass bis dahin ihr Telefonanschluss wegen der offenen Rechnung abgeschaltet wurde. „Aber wir gucken schon nach einem neuen Anbieter“, sagt Norbert Roderburg.

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