Anpacken statt zu Hause untätig zu warten

Von: Patrick Nowicki
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Gespräch im Quartiersbüro West: Fim-Koordinatorin Monika Medic spricht mit einem Flüchtling, Fim-Teilnehmer Mustafa Shekh Shevan (Mitte) übersetzt. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Mustafa Shekh Shevan hat gute Chancen, in Eschweiler bleiben zu dürfen. Der 36 Jahre alte Iraker zählt zur kurdischen Minderheit des Landes. Erst vor wenigen Tagen fand zum dritten Mal eine Anhörung vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge statt.

Bis dort jedoch eine Entscheidung in seinem Asylverfahren gefällt wird, kann noch etwas Zeit vergehen. Die meisten Asylbewerber sind in dieser Zeit zur Untätigkeit verdammt, Shevan jedoch nicht: Er ist Teilnehmer der Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen (Fim).

Das von der Bundesregierung aufgelegte Programm soll Arbeitsgelegenheiten für Asylbewerber mit Bleibeperspektive bieten. Zehn Stellen bietet die Arbeiterwohlfahrt in Eschweiler an, vier in Kindertagesstätten, vier in den Offenen Ganztagsschulen und zwei an Migrationsberatungsstellen. Derzeit ist eine Stelle unbesetzt. In anderen Städten blieben deutlich mehr Lücken, so dass sich die Bundesregierung nun entschloss, das Programm zum November auslaufen zu lassen.

„Man kann den Asylbewerbern jedoch nicht vorwerfen, kein Interesse zu zeigen, sondern diese Arbeitsgelegenheiten waren nur für ganz wenige Asylbewerber anwendbar“, meint Monika Medic, die die Fim-Stellen für die Arbeiterwohlfahrt koordiniert. Es können nicht alle Asylbewerber teilnehmen, sondern nur solche mit Bleibeperspektive, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

Zurück zu Mustafa Shekh Shevan: Im Quartiersbüro an der Gutenbergstraße hat er wichtige Aufgaben übernommen. Zunächst als Küchenhilfe in einer Kita eingesetzt, hilft er nun bei der Betreuung anderer Flüchtlinge tatkräftig als Übersetzer mit. Auch bei manchen Behördengängen unterstützt er die Betroffenen. „Ihm und uns kommt zugute, dass er viele Sprachen spricht und sich gut verständigen kann“, sagt Raphael Kamp vom Quartiersbüro. Shevan spricht Kurdisch, Arabisch, ein bisschen Englisch und inzwischen auch sehr passabel Deutsch.

Vor 17 Monaten kam der heute 36-Jährige nach Eschweiler. Beim Ausbruch des Bürgerkriegs floh er aus dem umkämpften Mossul in die Türkei. Von dort aus wählte er die Flucht über die Balkanroute. „24 Tage lang bin ich zu Fuß unterwegs gewesen“, berichtet er. Um die Grenzen ohne Papiere überschreiten zu können, musste er Wachleute schmieren. 4000 Dollar habe er so ausgegeben. Für einen Mann, der unter anderem als Busfahrer tätig war, und maximal 400 Dollar im Monat verdient hat, eine große Summe Geld.

Inzwischen lebt er in einer kleinen Wohnung in der Innenstadt. Aber die Zustände dort beschreibt er als schlecht. Raphael Kamp vom Quartiersbüro bestätigt dies: „Man muss allgemein sagen, dass die Wohnungssituation für Flüchtlinge sehr schlecht ist.“ Manche Hauseigentümer, deren Wohnungen dringend sanierungsbedürftig sind, wittern in der Wohnungsnot ein Geschäft.

Auch Shevan fühlt sich nicht wohl. Am Morgen habe er schon wieder eine Maus in seiner 34 Quadratmeter großen Wohnung gefangen, berichtet er. Er selbst habe schon gesehen, dass drei bis vier Personen in einer noch kleineren Wohnung untergebracht waren. Diese Probleme sind auch im Rathaus bekannt. Der Stadtrat hat beschlossen, in den sozialen Wohnungsbau zu investieren.

Die Wartezeit für Shevan bis zum Ende des Asylverfahrens sei für ihn unerträglich gewesen: „Ich möchte etwas machen in Deutschland“, sagt er. Die Flüchtlingsintegrationsmaßnahmen sind für ihn eine willkommene Gelegenheit, der Untätigkeit zu entfliehen. Auch die Arbeiterwohlfahrt schätzt die Unterstützung der engagierten Flüchtlinge: „Wir hoffen auf ein Nachfolgeprogramm“, meint Monika Medic.

In ihren Augen leisten die Fim-Teilnehmer einen wichtigen Beitrag zur Integration der Menschen, die in ihrer Not nach Deutschland kommen. Sie glaubt, dass der Bundesfreiwilligendienst eine Möglichkeit für Flüchtlinge sein kann. Dieser werde besser vergütet als Fim. „Es gilt nun, die guten Erfahrungen zu nutzen, die wir vor Ort gemacht haben, auch wenn sich bundesweit nicht der Erfolg eingestellt hat, den sich die Bundesregierung erhofft hat“, betont Medic.

Wie es für Mustafa Skekh Shavan weitergeht? Er absolviert derzeit einen Integrationskurs bei der Volkshochschule. Wenn die Entscheidung des Bundesamts zum Asylverfahren positiv ausgefallen ist, wechselt er in den Aufgabenbereich des Jobcenters. „Ich möchte auf jeden Fall in Deutschland bleiben“, hofft er.

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