Angebot im VHS-Haus soll bunt bleiben

Von: Patrick Nowicki
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Will weiter auf Kooperationen und Verknüpfungen von Fachbereichen setzen: die VHS-Leiterin Silvia Hannemann. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Das neue Logo macht es deutlich: Einiges ist in der Volkshochschule im Wandel. Erstmals erschien das Programm des Herbstsemesters bereits vor den Sommerferien, man kann sich online anmelden und der Internetauftritt präsentiert sich in neuem Gewand.

Dies hängt sicherlich mit dem Wechsel an der Spitze der städtischen Bildungseinrichtung zusammen, aber eben nicht nur: Silvia Hannemann war in Mönchengladbach für die Berufsbildung verantwortlich. Die dort gesammelten Erfahrungen will sie in Eschweiler einbringen.

Die ohnehin hohe Kompetenz bei den Integrationskursen und der Sprachvermittlung wird seit dieser Woche von einem Kooperationsprojekt mit dem TÜV Nord ergänzt. Unter dem Titel „KompAS – Kompetenzfeststellung, frühzeitige Aktivierung und Spracherwerb“ werden die Absolventen parallel zum Integrationskurs fit für den Beruf gemacht. „Die verschiedenen Fachbereiche werden miteinander verzahnt“, berichtet Hannemann. In ihren Augen sei dies in Zukunft häufiger gefordert. Bis April des nächsten Jahres hofft sie, insgesamt fünf Kurse mit jeweils 25 Teilnehmern starten zu können.

Bei der Integration der Flüchtlinge kommt der Volkshochschule Eschweiler eine besondere Rolle zu: Sie bereitet die Menschen auf das Leben in Deutschland vor, sprachlich, aber auch kulturell. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stößt nämlich immer wieder an seine Grenzen. Für das „KompAS“-Projekt werden die Teilnehmer vorab getestet, welche Fähigkeiten sie mitbringen. So lehrte die Erfahrung vor dem Start, dass viele Menschen die Voraussetzungen für eine Integration auf den Arbeitsmarkt so schnell gar nicht schaffen können. „Einige Menschen sind nicht alphabetisiert“, sagt Hannemann. Dies hat zur Folge, dass sie zunächst das Buchstabensystem lernen müssen.

Der neue Kurs bietet aber auch einen entscheidenden Vorteil: Erfolgte die Einordnung und Anerkennung von Abschlüssen in einem anderen Land bisher erst im Jobcenter, wird sie nun schon während dieses speziellen Integrationskurses erledigt. Ohnehin dürfen nur Menschen teilnehmen, die aus Iran, Irak, Eritrea und Syrien stammen und eine Zuweisung von den Kooperationspartnern, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter, vorweisen können. Die 660 Stunden Unterricht im Integrationskurs ergänzen 420 Unterrichtsstunden, in denen Bewerbungen trainiert, berufsspezifische Inhalte vermittelt und kulturelle Unterschiede erläutert werden.

Rückt die Volkshochschule derzeit vor allem wegen solcher Angebote für Flüchtlinge ins Licht der Öffentlichkeit, so legt man an der Kaiserstraße Wert darauf, dass das Angebot breitgefächert bleibt. „Manchmal muss man auch einen langen Atem beweisen, wenn ein Angebot nicht sofort angenommen wird“, setzt sie auf Kontinuität. Betroffen sind davon Kurse, die den Umgang mit neuen Medien und technischen Geräten lehren. Dafür hat Silvia Hannemann eine Erklärung: „Viele Menschen denken, dass sie vieles kennen und haben dann im Kurs so manches Aha-Erlebnis.“ Dabei seien die Tipps, wie man etwas bei Ebay verkauft, wie man sein Online-Ich im Sozialen Netzwerk gestaltet und welche Gefahren im Netz lauern, nicht nur für ältere Menschen geeignet. Jeder könne etwas lernen. Keine Gedanken muss sie sich um die Besetzung der mehrtägigen Angebote machen, die als Bildungsurlaub auch beim Arbeitgeber angemeldet werden können. In den Herbstferien finden wieder solche Veranstaltungen statt. Auch rechtliche Themen kommen bei den Menschen erfahrungsgemäß immer gut an.

Erste Erfahrungen mit dem vorgezogenen Anmeldeverfahren hat die Eschweiler Volkshochschule inzwischen auch gemacht: 850 Anmeldungen erfolgten in den Sommerferien. Um die Zahlen des Vorjahres zu schaffen, werden noch bis zu 500 Anmeldungen benötigt. Silvia Hannemann ist sich aber sicher, dass diese noch erreicht werden. Der Vergleich zum Vorjahr ist ohnehin schwierig, weil die Menschen sich erst unmittelbar nach den Sommerferien für einen Kurs eintragen lassen konnten. Übrigens greifen nach wie vor die meisten Menschen zum Telefon, um sich anzumelden. Immerhin ein Fünftel nutzt die Möglichkeit, das Formular online abzusenden.

Während der Sommerferien flatterte ein Zertifikat ins VHS-Haus an der Kaiserstraße: Die Bildungseinrichtung erfüllt erneut den Standard ISO 9001. Dies gilt für alle drei Fachbereiche. Die Rezertifizierzung hat im Juni stattgefunden und wurde im Juli abgeschlossen. Solche Auszeichnungen gewinnen an Bedeutung, weil es in den Augen Silvia Hannemanns immer wichtiger wird, auch Drittmittel für Angebote der Volkshochschule zu bekommen.

Einige Kooperationen, nicht nur mit der Agentur für Arbeit und Jobcentern, geht die Volkshochschule ein. Mit einem in Eschweiler ansässigen Baumarkt bietet sie Heimwerkerkurse an. „Wo sonst haben wir die Möglichkeit, die Arbeiten mit den entsprechenden Geräten und Materialien zu zeigen?“ Der Eschweiler Kunstverein rückt in seinem Angebot den Nachwuchs in den Vordergrund: „Kinder brauchen Kunst“ heißt der Kursus, in dem Karl-Heinz Hennerici mit den Kleinen im Alter zwischen fünf und sieben Jahren an zwei Nachmittagen malt. Nach wie vor auch im Programm sind die Zeichenkurse mit der Künstlerin Gerlinde Zantis.

Historische Themen sind meist mit dem Eschweiler Geschichtsverein verknüpft: Am 22. September lautet der Titel des Vortrags im Kulturzentrum Talbahnhof: „Graf Balderich von Drenthe: Eine wahre mittelalterliche Kriminalgeschichte“. Nicht zu vergessen natürlich die Mundartabende in der Aula der Realschule Patternhof. Wer Gedichten, Liedern und Vorträgen in Eischwiele Platt lauschen möchte, sollte sich den Donnerstag, 27. Oktober, oder Samstag, 29. Oktober, im Kalender freihalten. Jeweils für 19.30 Uhr laden der Mundartkreis des Geschichtsvereins und die Volkshochschule ein.

Beratung vorgeschaltet

Vielen Kursen in der Volkshochschule ist eine Beratung vorgeschaltet. Bei Sprachunterricht dient sie dazu, die Vorkenntnisse richtig einzuordnen. Im Rahmen der Beratung zur beruflichen Entwicklung werden auch Möglichkeiten und Wege der Weiter- und Fortbildung gezeigt. „Auch wenn im Land NRW das Image der beruflichen Bildung an Volkshochschulen eingeschränkt ist, fand in Eschweiler ein Zertifikatslehrgang zum Thema Finanzbuchhaltung statt“, sagt Silvia Hannemann.

Insgesamt 370 Veranstaltungen mit mehr als 8800 Unterrichtsstunden sind vorgesehen. Die Integrations- und Deutschkurse unterstreichen mit alleine 4000 Unterrichtsstunden die derzeit wichtige Aufgabe, die die Volkshochschule zu erfüllen hat. In der kommenden Woche finden noch zahlreiche Schnuppertermine statt. Wer sich noch kurzfristig für ein Angebot der VHS anmelden will, kann sich unter Telefon 02403/70270 beraten lassen.

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