An der Inde geht der Wehr nicht die Luft aus

Von: jül/ag
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Mit Atemschutz im Einsatz: Die
Mit Atemschutz im Einsatz: Die Geräte wiesen in der Nachbarstadt oft Defekte auf. In Eschweiler sätzt man auf eine andere Bauart, die wesentlich sicherer ist. Foto: Jürgen Lange

Eschweiler/Stolberg. Der Defekt kann lebensgefährlich für die Stolberger Feuerwehrleute sein. Erstmals trat er im November bei einem Löscheinsatz an der Cockerillstraße auf - glücklicherweise im Freien. Denn plötzlich entwichen bei einem eingesetzten Feuerwehrmann große Mengen Atemluft aus der Schutzausrüstung.

„Plötzlich hatten die Geräteträger keine Atemluft mehr”, beschreibt Wachleiter Karl Wenn die Gefahrensituation, wenn das im dichten Brandrauch oder auch bei Chemie-Einsätzen passiert, ist das Leben der Retter in der Not selbst in akuter Gefahr.

Der Defekt an den Steckanschlüssen zwischen Luftflaschen und Atemschutzmaske ist in Stolberg beileibe kein Einzelfall. Mittlerweile ist er an elf Geräten aufgetreten. „Mit weiteren Ausfällen muss jederzeit gerechnet werden”, warnt Karl Wenn. Materialermüdung der lebenswichtigen Teile ist die Ursache des Defektes. Dies hatte die Feuerwehr gutachterlich überprüfen lassen, und Recherchen bei anderen Wehren ergaben, dass es dort die gleichen Probleme beim selben Gerätetyp gibt.

In der Eschweiler Hauptwache muss man sich mit diesem Problem nicht auseinandersetzen: „Wir setzen einen anderen Gerätetyp ein”, sagt Wachleiter Axel Johnen. Demnach stelle sich das Problem gar nicht. Zudem würden die in Eschweiler eingesetzten Geräte regelmäßig überprüft und gewartet: „Deswegen kennen wir solche Ausfälle wie in Stolberg nicht.”

Nur 1600 Liter Atemluft nimmt der Feuerwehrmann mit in den Löscheinsatz. Durch den Defekt kann innerhalb einer Minute mehr als 500 Liter Atemluft ausströmen. Der Einsatzkraft bleiben maximal zwei Minuten, um sich von der Feuerfront aus in Sicherheit zu bringen.

Insgesamt 109 Atemschutzgeräte sind bei der Stolberger Feuerwehr auf den Fahrzeugen der Hauptwache und den 14 Löschgruppen im Einsatz. Beschafft wurden sie in den Jahren 1988 bis 1995, wobei die Fehler in allen Alterschargen auftreten. Eine Einsatzreserve wird nicht mehr vorgehalten.

„Die Sicherheit der Geräteschutzträger ist nicht mehr gewährleistet”, schlägt der zuständige Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt dem heute tagenden Stolberger Vergabeausschuss den Austausch vor. Rund 200 000 Euro würde die Ersatzbeschaffung eines anderen Gerätetyps kosten, der bei den übrigen Wehren in der Städteregion eingesetzt wurde und positiv bewertet wird. Die Kommunalaufsicht hat der Ausgabe insbesondere mit Blick auf die Sicherheit der Feuerwehrleute bereits zugestimmt.

Die plötzliche Ausgabe kommt nicht von ungefähr. „Seit Jahren versuchen wir schon, kontinuierlich unsere Atemschutzgeräte gegen eine neue Generation auszuwechseln”, erinnert Wenn. Aber immer wieder seien die dafür angemeldeten Mittel gestrichen worden. Denn der verwendete Luftflaschen-Typ datiert von anno 1958 und passt bereits nicht mehr sicher in die Gerätehalter, die als Ersatz für die nicht mehr produzierten Originalteile beschafft wurden. „Die sollen eigentlich bauartgleich sein, weichen aber offensichtlich in Details dennoch ab”, berichtet Wenn aus der Einsatzpraxis. Das System sei einfach über die Jahre hinweg veraltet.
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