Amtsgerichtsgebäude: Eine Lehmlinse verursacht Risse

Von: Tobias Röber
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Im Jahr 1907 wurde das Amtsgerichtsgebäude an der Kaiserstraße bezogen. An der Südostseite (hinten links) ist es jetzt ein wenig abgesackt. Rund 800 000 Euro kostet die Sanierung. Foto: T. Röber

Eschweiler. Die Risse im Amtsgericht an der Kaiserstraße sind seit einiger Zeit nicht zu übersehen. In fast allen Räumen des ersten Obergeschosses traten die Schäden auf, unter anderem auch im Treppenhaus vor den Sitzungssälen.

Vor einigen Wochen sind nun die Bagger angerückt, noch bis September soll die Maßnahme dauern. Rund 800 000 Euro werden vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW in die Sanierung des Gebäudes investiert.

Verschiedene Bodenschichten

„Zunächst wurde vermutet, dass die Schäden vom Dachstuhl ausgehen“, sagt Peter-Heinz Arnolds, Geschäftsleiter am Amtsgericht. Im Frühjahr 2012 gab es erste Voruntersuchungen. Nach einem Bodengutachten stand dann jedoch fest, dass die Risse auf Veränderungen der unterschiedlichen Bodenschichten unterhalb der Fundamente entstanden sind. Direkt unter dem Fundament befindet sich eine Lehmschicht. Rund drei bis vier Meter unter dem Fundament befindet sich dann der sogenannte Inde-Kies. Diese Schicht ist fest, der Lehm nicht. Aufgrund des Rückgangs des Indewassers ist die Lehmschicht mit der Zeit ausgetrocknet. Das Gebäude ist aus diesem Grund – wenn man vor dem Haupteingang steht – an der hinteren linken Seite (Südosten) abgesackt. Eine sogenannte Lehmlinse ist dort entstanden. Die Risse wurden einige Zeit beobachtet. Als die Schäden jedoch erkennbar größer wurden, war klar, dass etwas unternommen werden muss. „Es war und ist zu keiner Zeit gefährlich für unsere Mitarbeiter, das haben die Experten uns versichert“, betont Amtsgerichtsdirektor Dr. Gisbert Fuchs.

Patentiertes Verfahren

Im Keller des 1907 errichteten Gebäudes musste zunächst der Boden raus. An 90 Stellen wird ausgeschachtet, mit Hilfe einer Hydraulikpresse bringt eine Koblenzer Firma mit einem patentierten Verfahren dort Presspfähle in den Boden ein.

Mitunter werde es im Gericht schon mal etwas lauter, ansonsten seien die Mitarbeiter so gut wie nicht beeinträchtigt, sagen Fuchs und Arnolds. Unter anderem wurde vereinbart, dass lärmintensive Arbeiten erst nach 14 Uhr begonnen werden, weil vorher Strafsitzungen angesetzt sind.

Der Keller musste für die Baumaßnahme geräumt werden, vor allem die Nachlassakten mussten ausgelagert werden. Sie sind jetzt in speziell gesicherten Containern untergebracht.

Unter Denkmalschutz

In einem zweiten Bauabschnitt werden dann die Räume saniert. Da das Amtsgericht unter Denkmalschutz steht, müssen etwa die Wandmalereien im Treppenhaus aufwendig wiederhergestellt werden. Im Zuge der Sanierung werden auch Mitarbeiter vorübergehend in andere Büros umziehen müssen. Voraussichtlich im September sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein.

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