Am Rosenmontag hat Sicherheit Vorfahrt

Von: Sonja Essers
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Konzentriert prüft Ralf-Paul Engels die Wagen. Foto: Müller, Essers
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Früher war das anders. Der Elferrat der Scharwache fuhr mit einem Straßenroller durch die Innenstadt. Foto: Müller, Essers
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Bei den heutigen Wagen müssen Sicherheits-Standards eingehalten werden. Foto: Müller, Essers

Eschweiler. Für ihn hat in diesen Tagen die stressigste Zeit des Jahres begonnen. Ralf-Paul Engels ist Prüfstellenleiter des TÜV Rheinland in Aachen und nimmt in den kommenden Wochen zwischen 250 und 300 Karnevalswagen in der Städteregion ab. Natürlich führt sein Weg ihn auch in die Indestadt.

Dort nehmen 120 Wagen am Rosenmontagszug teil. Darunter auch die zehn Fahrzeuge, die Engels am Montagmorgen auf dem Neulandhof in Dürwiß abgenommen hat.

Um 9 Uhr beginnt dort sein Arbeitstag. Auf dem Programm stehen drei Wagen der KG Onjekauchde Eschweiler-Röhe, sechs Wagen der Eschweiler Scharwache und ein Wagen des Karnevals-Komitees der Stadt Eschweiler. Die Inde­stadt kennt Engels mittlerweile gut. „Früher musste man mir die Adressen sagen, heute weiß ich, wo die Wagen stehen“, sagt er.

Früher, das war im Jahr 2000. Damals wurde im „Merkblatt über die Ausrüstung und den Betrieb von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen für den Einsatz von Brauchtumsveranstaltungen“ bundesweit festgelegt, dass die Fahrzeuge bei Brauchtumsveranstaltungen bestimmten Sicherheits-Standards entsprechen müssen. Funktionierende Lichtanlagen und Bremsen sind heute nicht mehr wegzudenken und genau darauf legt der Prüfer bei seinen Abnahmen das Hauptaugenmerk.

Für die Vereine war diese Aufgabe zu Beginn gar nicht so leicht umzusetzen, schließlich gab es zuvor keine einheitliche Lösung. „Im Prinzip konnte jeder so fahren, wie er wollte“, erklärt Engels.

Mit Straßenroller in die Kneipe

Daran kann sich auch Dr. Heinz Jansen erinnern. Der ehemalige Scharwach-Präsident weiß, dass der Elferrat seines Vereins in den 1950er Jahren noch mit einem Fahrzeug der Deutschen Bundesbahn, dem so genannten „Culemeyer Straßenroller“, von Kneipe zu Kneipe zog. Die Miniaturausgabe des Gefährts ist im Eschweiler Karnevalsmuseum zu sehen. Die Mitglieder lehnten nicht aus den Fenstern heraus, sondern stiegen auch während der Fahrt auf den Wagen und wieder runter. Sicherheitsvorkehrungen spielten eine eher untergeordnete Rolle. Heute wäre das nicht mehr denkbar. „Man darf sich gar nicht vorstellen, was da alles hätte passieren können“, meint Jansen.

Viel Arbeit und Geld mussten die Gesellschaften in die Hand nehmen, um ihre Wagen entsprechend aufzurüsten. Eine neue Zugdeichsel, die heute unverzichtbar ist, kostet zwischen 400 und 500 Euro und auch eine Feststellbremse musste bei den meisten Wagen angebaut werden. „Das haben sie alle super gelöst und das muss man den Vereinen hoch anrechnen“, lobt der Prüfer das Engagement der Karnevalisten.

Auch die Abnahme der Wagen kostet die Gesellschaften Geld, denn ohne das Gutachten darf kein Fahrzeug am Rosenmontagszug teilnehmen. Für eine Wiederholungsprüfung fallen 40 Euro pro Fahrzeug an. Wird ein Wagen zum ersten Mal begutachtet, zahlt der Verein 100 Euro. Auch für die Wagenengel, die während des Zuges für Sicherheit sorgen, muss jede Gesellschaft selbst aufkommen, wie Komitee-Präsident Norbert Weiland berichtet. Zwischen 220 und 250 Wagenengel seien an diesem Tag im Einsatz. Pro Person müsse man mit 50 Euro rechnen, meint Weiland. In der Regel werden die Wagen von vier bis sechs Leuten begleitet.

Während die Wagen, die an diesem Tag von Engels abgenommen werden, erst einige Tage vor dem Rosenmontagszug fertig gemacht werden, treffen sich die Mitglieder der KG Narrenzunft Pumpe-Stich das gesamte Jahr über zwei Mal pro Woche, um ihre Anhänger vorzubereiten. Umbauarbeiten finden in diesem Jahr zwar nicht statt, jedoch sei immer etwas zu tun. So wurde kurz vor dem Besuch des Prüfers noch eine neue Handbremse in den Motivwagen eingebaut. Auf den sind die Mitglieder besonders stolz. Schließlich haben sie an diesem Schmuckstück, auf dem die verschiedenen Vereinsgruppierungen in Form von Puppen zu sehen sind, selbst Hand angelegt. „Man steckt da sehr viel Herzblut rein“, sagt Wagenbauleiter Richard Pampel.

Spaß an seinem Beruf hat auch Engels, der sich zwischendurch bei den Karnevalisten erkundigt, wie die Sitzungen laufen. Dann geht es wieder konzentriert zur Sache. „Ziehen Sie mal ganz leicht an“, ruft er dem Traktor-Fahrer zu. So könne er sehen, ob der Wagen Widerstand bietet. Auch die Bremsen werden bei jedem Wagen getestet. Das Gutachten hält er dabei immer in seiner Hand. Auf diesem sind die Fahrzeuge detailiert beschrieben, und auch Bilder haben die Gesellschaften zugefügt.

Mittlerweile nimmt Engels die Wagen vor jedem Rosenmontagszug ab. Das war nicht immer so. „Bis vor einigen Jahr galt das Gutachten zwölf Monate. Dann ist es aber vorgekommen, dass zwei Rosenmontagszüge in diese Zeit fielen, und da die Wagen vor jedem Zug kontrolliert werden müssen, nehmen wir sie jetzt nur noch für die jeweilige Session ab.“

Strenger als der Prüfer

In der Indestadt hat Engels mit den Vereinen keine Probleme. „Die kennen das und machen viel im Vorfeld. Sie sind sehr sensibilisiert für das Thema Sicherheit und manchmal sogar strenger, als ich es sein würde.“ Zu groß sei die Angst, nicht zugelassen zu werden. Doch das passiere kaum. „Von 15 Wagen muss vielleicht einer nachgeprüft werden“, sagt Engels.

Seine letzte Abnahme steht Karnevalssamstag an und zwar erneut in der Indestadt, bei der Eefelkank in Hastenrath. Ein Wiedersehen mit den Eschweiler Wagen gibt es dann schon wenig später, denn zum ersten Mal schaut der Prüfer sich den Rosenmontagszug in Eschweiler an. „Dann sehe ich mal alle Wagen und Vereine in Aktion“, freut er sich.

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