Eschweiler - Am Ostersonntag gibt es lediglich Aufbackbrötchen

Am Ostersonntag gibt es lediglich Aufbackbrötchen

Von: se
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Manfred Franzen findet es ungerecht, dass Bäckereien am Ostersonntag geschlossen bleiben müssen. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Frisch aufgebrühter Kaffee, verschiedene Sorten Wurst und Käse sowie Marmelade und Eier werden wohl am Ostersonntag auf keinem reich gedeckten Frühstückstisch fehlen. Wer jedoch zusätzlich nicht auf frische Brötchen, Croissants und Kuchen verzichten möchte, muss sich etwas einfallen lassen, denn an diesem Tag bleiben alle Bäckereien der Indestadt geschlossen.

Grund dafür ist das Gesetz zur Regelung der Ladenöffnungszeiten des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW). Dieses besagt, dass „Blumen und Pflanzen, Zeitungen und Zeitschriften oder Back- und Konditorwaren“ am ersten Weihnachtstag, Oster- und Pfingstsonntag nicht vertrieben werden dürfen.

Alternativen sind zwar schnell gefunden, jedoch haben diese vor allem für die ansässigen Bäcker einen bitteren Beigeschmack. Ausgeschlossen von dieser Regelung sind nämlich Tankstellen. Diese dürfen an den erwähnten Feiertagen nach wie vor öffnen und ihre Kunden mit Blumen, Zeitungen und Brötchen versorgen.

Dass dies immer wieder zu Unverständnis führt, weiß auch Edmund Müller, Leiter des Ordnungsamtes: „Dieser Umstand ist für viele Bäcker ein Ärgernis, schließlich müssen sie an diesen Tagen auf ihren Umsatz verzichten.“ Auch Bäckermeister Werner Rotheut, der eine Bäckerei in Dürwiß betreibt, hat für diese Regelung kein Verständnis: „Die Geschäfte, die von ihrem Erwerb leben müssen, dürfen an diesen Tagen nicht öffnen. Meiner Meinung nach ist dies eine große Unverschämtheit.“ Über den „Zwangsurlaub“ freut er sich nicht.

Auch die Bäckerei von Manfred Franzen bleibt am kommenden Sonntag geschlossen. „Auf der einen Seite finde ich es ungerecht, dass Tankstellen an diesem Tag geöffnet haben dürfen, aber auf der anderen Seite freue ich mich auch über einen freien Tag“, erklärt er. Schließlich habe man als Bäcker eine Sieben-Tage-Woche und deshalb sei es schön, mal einen Tag Urlaub zu haben, so Franzen weiter. Doch nicht nur die Bäcker, sondern auch ihre Stammkunden können sich mit dem Gesetz nicht anfreunden. So auch Gastronom Hans Driesers, der seine Hotelgäste am Sonntag mit Brötchen von der Tankstelle versorgen muss: „Frische Brötchen vom Bäcker schmecken einfach besser“, meint er und fügt hinzu: „Für Ostersonntag müssen sich meine Gäste mit Aufback-Brötchen zufrieden geben.“

Ein Verstoß gegen das erlassene Gesetz kommt jedoch weder für Werner Rotheut noch für Manfred Franzen infrage. „Ich bin ja schließlich nicht verrückt“, sagt Franzen, der sich darüber bewusst ist, dass ein Verstoß mit einem Bußgeld im vierstelligen Bereich bestraft wird. „Wir wurden bisher immer vom Ordnungsamt darauf hingewiesen, dass an diesem Tag geschlossen sein muss“, berichtet Rotheut und fügt hinzu: „Auch Kontrollen finden an diesen Tagen statt. Wenn man da erwischt wird, hat sich der ganze Verkauf nicht gelohnt.“

Ordnungsamtsleiter Edmund Müller sind bei einem Verstoß die Hände gebunden: „Es handelt sich hier um ein Gesetz, das eingehalten werden muss“, erklärt Müller und ergänzt: „Wir haben die Pflicht zu kontrollieren, ob es von den verschiedenen Geschäften eingehalten wird, und deshalb müssen wir bei einem Verstoß reagieren.“ In den vergangenen Jahren habe es jedoch kaum Bäckereien gegeben, die sich nicht an die Regelung gehalten haben, so Müller weiter.

Änderung in Aussicht

Einen Lichtblick könnte es für die Bäcker der Indestadt jedoch bald geben. „Es gibt eine Gesetzesinitiative auf Landesebene, so dass sich die Regelung bereits zu Weihnachten ändern könnte“, weiß Müller. Laut dieser dürften die Bäckereien dann am ersten Feiertag öffnen, müssten jedoch am zweiten Feiertag geschlossen haben. Ob das jedoch eine annehmbare Alternative ist, wird sich zeigen. Die Bäckereien von Werner Rotheut und Manfred Franzen bleiben zumindest über Ostern an beiden Tagen geschlossen.

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