Am Ende flippt Rüdiger Hoffmann aus

Von: Paul Santosi
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Insgesamt zwar leise, aber dafür humor-, sprach- und klanggewaltig: Rüdiger Hoffmann auf der Bühne der Weisweiler Festhalle. Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Er gilt als eine Art Buddhist unter den deutschen Comedy-Künstlern: Den gebürtigen Paderborner Rüdiger Hoffmann bringt seit 30 Jahren auf der Bühne (fast) nichts aus der Ruhe. Seine wohltemperierte Stimme könnte jederzeit eine CD für autogenes Training zieren, sein geschwindigkeitsreduzierter Humor ist ein Paradebeispiel für perfektes Timing.

Hoffmann präsentierte am Donnerstagabend in der Weisweiler Festhalle vor einigen hundert Fans sein aktuelles Programm „Ich hab‘s doch nur gut gemeint“. Im Volksmund heißt es zwar „Gut gemeint ist schlecht gemacht“, aber Rüdiger Hoffmann belegte inhaltlich und formal das absolute Gegenteil.

Uhren ticken anders

Vor einem geschmackvoll beleuchteten Bühnenhintergrund erschien Rüdiger Hoffmann gewohnt unaufgeregt mit streng durchkonzipierter Frisur, in grauer Jacke und Flickenjeans, sockenlos und in Turnschuhen. Dazu ein Stuhl, ein Mikro und ein Piano, mehr brauchte es an diesem Abend nicht, um das Publikum in das Hoffmann‘sche Universum zu entführen, in dem die Uhren etwas anders ticken.

Natürlich eröffnete er seine Show erwartungsgemäß mit den Worten: „Ja hallo erstmal“, seinem Markenzeichen, das ihn seit seinen frühesten Anfängen bei Kollege Jürgen Becker und in der TV-Show „Samstag Nacht“ schnell zu einer Genre-Berühmtheit machte. In einer Art gezieltem Hochdruck-Potpourri brutal schlechter Witze im Fips-Asmussen-Stil stellte er sein Publikum dann erstmal auf eine harte Probe, bevor er mit Erzählungen aus der Wunderwelt zwischenmenschlichen Beziehungswahnsinns in sein ureigenes Fahrwasser gelangte.

Der Report vom nur vordergründig aufregendsten Urlaub aller Zeiten war eine typische Hoffmann-Story, in der sich die Protagonisten zwischen modernem Lifestyle-Anspruch und brettharter Wirklichkeit wie von selbst auflösten. In der Episode „Selbstoptimierung“ durften die Zuschauer dann erfahren, wie bescheuert sich die vermeintlich unerlässlichen Errungenschaften moderner Elektronik vom Mobiltelefon bis zum Navigationsgerät aus halbwegs vernunftorientierter Perspektive erweisen. Immer wieder hielt Rüdiger Hoffmann inne, atmete tief durch und erzeugte mit seinen Pausen intensivere Lacher, als es 20 andere Schenkelklopf-Comedians mit Dauergrinsegesicht und Berliner Schnodderakzent es jemals zustande brächten.

Zahlreiche Entertainer-Kollegen schlüpfen ja gerne in eine kostümierte oder akzentbehaftete Rolle, um dem Publikum zu signalisieren, dass es nun an der ordnungsgemäßen Zeit zum Lachen sei. Das brauchte Hoffmann bis auf hauchzarte Ausnahmen nicht. Ein Hut oder ein falscher Bart reichten da vollkommen.

Den lange anhaltenden Puppenspieler-Hype in der deutschen Humor-Industrie à la René Marik nahm Rüdiger Hoffmann mit seiner Frosch-Bauchredner-Variante jedenfalls treffsicher aufs Korn. Zudem weiß der Mann, wie man mit einem Piano umgeht. Sein Song vom „Eimersauf-Verbot“ am Ballermann traf den Nagel gleich mehrfach auf den Kopf. Zum Ende seines Jubiläumsprogramms gelang es ihm, den Saal mit einer Mitsing-Nummer aus der Passiv-Rolle heraus- und in einen, wie er es nannte „Audiophilen Gruppensex“ hineinzukatapultieren. Rüdiger Hoffman bewies: Wenn man Männer und Frauen im Publikum daran erinnert, wie wohltuend unterschiedlich sie im Grunde sind, erreicht man eine hohe Dynamik in der Zuschaueraktivierung.

Absolut sehens- und hörenswert schließlich die Zugaben-Elemente Rüdiger Hoffmanns. Da flippte der Entschleunigte dann selbst mal für einige Sekunden völlig aus, zelebrierte einige Tanzschritte, imitierte Karel Gott und versicherte dem dennoch dankbaren Publikum schließlich: „Manchmal muss man auch mal was für sich selbst machen.“

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