Eschweiler - Am Ende finden zwei Abifeiern statt

Am Ende finden zwei Abifeiern statt

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
Erleben nun das Doppel-Abi: Le
Erleben nun das Doppel-Abi: Lehrer Claus Buchholz, die Schüler Lena Vogel, Tim Herrmanns, Laura Priebe, Lina Zaft-Schallenberg, Milko Breuer sowie die Lehrer Friedrich Borghans, Dr. Friedhelm Mersch und Maria Weber.

Eschweiler. Abitur nach 13 Schuljahren (G9), dann nach 12 (G8) oder doch wieder nach 13? In Eschweiler lautet die Antwort einfach: „Wir drehen das Rad nicht mehr zurück”, betont Dr. Friedhelm Mersch, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums.

Es bleibt also bei der im Jahr 2005 beschlossenen Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre. Das führt allerdings in diesem Schuljahr zu einem einmaligen Phänomen: Zwei Jahrgangsstufen werden gleichzeitig die Allgemeine Hochschulreife erreichen.

Am Städtischen Gymnasium hat man sich dafür entschieden, beide Jahrgangsstufen getrennt voneinander zum Abitur zu führen. Das war nicht nur der Wunsch der Lehrer, sondern auch der Eltern und Schüler. Überschneidungen gibt es nur wenige. Organisatorisch ändere sich dadurch nicht viel, betont Oberstufenkoordinator Friedrich Borghans. Die Prüfungen werden getrennt voneinander absolviert, es werden in diesem Jahr zwei Abiturfeiern stattfinden. „Das Abitur ist ein wichtiger Schritt im Leben, das sollte man in einem würdigen Rahmen feiern”, sagt Dr. Mersch.

182 Pennäler streben in diesem Schuljahr die Hochschulreife am Städtischen Gymnasium an - sie alle vereint eine Frage: Wie geht es nach dem Abitur weiter? „Ganz klar, ich mache mir Sorgen um meinen Studienplatz”, bringt es Lena Vogel auf den Punkt. Im nächsten Schuljahr streben schließlich doppelt so viele Schüler zu den Unis wie üblich. Die Schülerin der 13. Jahrgangsstufe denkt deswegen darüber nach, ein freiwilliges soziales Jahr oder ein Praktikum einzulegen, falls es mit dem Studienplatz - sie hat den Bereich Sonderpädagogik mit Schwerpunkt Sprache ins Auge gefasst - nicht klappt.

Den Lehrern ist die Situation durchaus bewusst. „Die Schüler müssen sich darauf einstellen, keinen Studienplatz in Nordrhein-Westfalen zu bekommen”, weiß Borghans. Alternative ist ein Ausbildungsplatz. „Ich weiß, dass sich einige in meiner Stufe beworben haben, um die Zeit zu überbrücken - für mich wäre das aber nichts”, sagt Lena Vogel. Mehr Gymnasiasten drängen also auf den Ausbildungsmarkt, was auch andere Schüler spüren werden.

Erste Erfahrungen mit G8

Die derzeitige 12. Jahrgangsstufe kann zudem beurteilen, was es bedeutet, in acht Jahren zur Hochschulreife zu gelangen. „Ich musste einige Hobbys aufgeben, das ist schon sehr belastend”, berichtet Lina Zaft-Schallenberg. Ihre beiden Stufenkollegen Tim Herrmanns und Milko Breuer hingegen empfinden das Arbeitspensum zwar auch als anstrengend, schränken jedoch ein: „Wir kennen das ja auch nicht anders.” Das Mehr an Unterricht lässt sich an einfachen Zahlen festmachen: Während die 13. Jahrgangsstufe an zwei Tagen in der Woche bis 15 Uhr büffeln muss, erklingt für die 12. Jahrgangsstufe an jedem Tag der Schlussgong zu diesem Zeitpunkt.

Friedrich Borghans beschwichtigt: „Die Ganztagsschule ist noch nicht so sehr in den Köpfen verankert, das ist in anderen Ländern anders.” Im internationalen Vergleich sind die deutschen Abiturienten älter, ehe sie ins Berufsleben starten. Borghans wünscht sich, dass solche Entscheidungen von Behörden besser vorbereitet werden: „Es fehlt oft an Transparenz und finanziellen Mitteln.”

Die Jahrgangsstufenlehrer sind oft erste Ansprechpartner und wissen, was die Schüler empfinden. Claus Buchholz stellt die Stundenpläne zusammen und weiß: „Die Unterschiede in der Stundenzahl sind schon - die Schüler würden sagen - krass!” Sein Kollege Dr. Manfred Vogt schlägt in die gleiche Kerbe und fordert, dass die Lerninhalte überarbeitet werden müssen. „Der einzig klare Vorteil von G8 ist bisher, dass wir bald an der Schule mehr Parkplätze haben”, sagt er ironisch. Die meisten Schüler werden ihre Volljährigkeit nämlich nicht mehr vor dem Abitur erreichen. Auch das ist eine Folge von G8...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert