Altes Bürohaus bietet 16 Familien Zuflucht

Von: Patrick Nowicki
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Noch prangt ein Werbeschild für Büroflächen vor dem Gebäude am Stich: In den nächsten Monaten wird das ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Dohmen umgebaut, um Wohnungen für Flüchtlinge zu schaffen. Im September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Die Stadt Eschweiler reagiert auf den Flüchtlingsstrom in den vergangenen Monaten: Bis September soll das ehemalige Verwaltungsgebäude der Firma Dohmen auf dem Stich so umgebaut werden, dass dort 16 Wohnungen für Familien und weitere sechs Unterbringungsmöglichkeiten für Einzelpersonen entstehen.

Nach den Arbeiten sollen dort maximal 80 Personen Platz finden. Ende des vergangenen Jahres hat die Strukturfördergesellschaft, eine 100-prozentige Tochter der Stadt Eschweiler die leerstehende Immobilie erworben, nachdem der Stadtrat in nicht-öffentlicher Sitzung am 16. Dezember zugestimmt hatte. Die unmittelbaren Anwohner – insgesamt elf Haushalte – wurden sofort danach informiert. 1,8 Millionen Euro kosten der Erwerb des Gebäudes und die anschließende Umgestaltung. Um die Zinskonditionen zu Verbessern, hat die Stadt eine Ausfallbürgschaft übernommen. Darüber hinaus liegt ein Antrag Eschweilers bei der NRW-Bank vor, die Neubauten und Käufe von Gebäuden für Flüchtlinge mit einem Sonderprogramm unterstützt.

Der Handlungsdruck auf die Stadt wuchs in den vergangenen Monaten beträchtlich. Die Zahl der Flüchtlinge, die Eschweiler erreichten, nahm zum Jahresende hin weiter zu. Stand am Freitag leben 243 Menschen in städtischen Unterkünften an der Gracht-, Hütten- oder Severinstraße. 28 Personen sind obdachlose deutsche Staatsbürger, die übrigen Flüchtlinge. Zum Vergleich: Am 6. Februar 2013 zählte die Stadt 133 Menschen in den Unterkünften. Auch der Anteil der Familien, die ihr Hab und Gut zurückließen, und flüchteten, wächst. 40 Familien mit insgesamt 61 Kindern leben aktuell in einer städtischen Bleibe – 2013 waren es noch 24 Familien.

Ursprünglich war geplant, die Gebäude an der westlichen Gracht­straße hinter dem ehemaligen Gußwerk zu modernisieren und aufzustocken. Doch im Oktober kam die Kehrtwende, nachdem sich der Eigentümer der Immobilie am Stich gemeldet hatte. Unter dem Strich kostet die Stadt die neue Lösung weniger als die Maßnahme an der Grachtstraße, die nach ersten Schätzungen über zwei Millionen Euro verschlungen hätte.

Die Stadt reagiert auf verschiedenen Ebenen auf die Flüchtlings-Entwicklung. Parallel zu den Bauarbeiten sollen Strukturen entstehen, die die Integration der Menschen in Eschweiler erleichtert. Entsprechende politische Anträge stellten die SPD und die CDU in den vergangenen Wochen. So lädt die Stadt für den 24. März zu einem runden Tisch ein, an dem nicht nur Behörden, sondern auch Institutionen und Ehrenamtler eingeladen sind. „Wir wollen die Menschen frühzeitig informieren und aufklären“, sagt der zuständige Dezernent der Stadt Eschweiler, Stefan Kaever.

Polizeiumzug am 1. März

Ursprünglich sollte der Termin vorrangig genutzt werden, um die Thematik der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zu behandeln. Der Umzug der Bundespolizei an die Rue de Wattrelos soll am 1. März erfolgen. Spätestens dann ist das Eschweiler Jugendamt für minderjährige Flüchtlinge zuständig, die von den Behörden auf ihrer Einreise aufgegriffen werden. Bereits jetzt sind die Weichen dafür gestellt, erste Jugendliche wurden schon aufgenommen, Strukturen geschaffen. Mitarbeiter des Jugendamtes hospitierten bei der Bundesbehörde, um Einblicke in deren Arbeit zu bekommen. „Die Zusammenarbeit klappt bisher gut, nun muss sie sich auch in der Praxis bewähren“, sagt der Jugendamtsleiter Jürgen Termath. Als pädagogische Einrichtung ist das Haus St. Josef eingebunden, das die jungen Menschen bei ihrer Ankunft und in den ersten Wochen ihres Aufenthalts unterstützt.

Tätig wurden auch Eschweiler Schulen: Das Städtische Gymnasium plant ebenso eine internationale Klasse wie die Realschule am Patternhof. Derzeit existiert ein solches Angebot nur an der Hauptschule Stadtmitte. Jugendamtsleiter Termath versichert: „Die jungen Flüchtlinge haben viel auf sich genommen, um nach Deutschland zu kommen. Sie sind unglaublich engagiert und wollen lernen.“

In der Stadtverwaltung geht man davon aus, dass mit dem Umbau am Stich die erforderlichen Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen sind. „Wir erhoffen uns sogar die Möglichkeit, sukzessive auch die anderen Einrichtungen in der Hütten- und Severinstraße zu modernisieren“, berichtet Stefan Kaever. Die Baracken an der westlichen Grachtstraße sollen bald nicht mehr genutzt werden...

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