Altenpflege-Azubis führen selbst geschriebenes Musical auf

Von: af
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Die italienische Mafia zu Besuch im Senotel Eschweiler: Hier traten Auszubildende in der Altenpflege mit ihrem selbst verfassten Musical „Sussurri d‘amore“ auf. Foto: Anna Fitscher

Eschweiler. „Sussurri d‘amore“, zu Deutsch „Liebesgeflüster“ war der Titel des Musicals, das am vergangenen Mittwochnachmittag im Ago Senotel Eschweiler aufgeführt wurde. Das Besondere: Auszubildende in der Altenpflege waren nicht nur Darsteller, sondern auch Produzenten des Musicals.

Von den Kostümen, den Tänzen, der Musikauswahl bis hin zu der eigentlichen Geschichte und den Dialogen: Alles hatten die Auszubildenden des Kurses „Ausbildung zur/zum staatlich anerkannten Altenpfleger/in“ zum Thema „Aktivitäten gestalten und Projektmanagement“ in Eigenregie entworfen und einstudiert.

Die Idee zum diesem besonderen Projekt stammt von Klaudia Robel, Fachseminarleiterin an der Akademie für Gesundheit und Altenpflege in Aachen. „Ich wollte einfach mal etwas anderes auf die Beine stellen“, sagte Robel. Dabei kam ihre Idee bei den Auszubildenden anfangs gar nicht so gut an. „Als ich ihnen von meinen Plänen erzählte, lachten viele und dachten wahrscheinlich ich spinne. Singen und tanzen, das würden sie unter der Dusche machen, aber doch niemals vor Publikum“, erzählte Robel schmunzelnd von der ersten Reaktionen der Auszubildenden.

Doch die Fachseminarleiterin wusste ganz genau, was sie zu tun hatte, um die Auszubildenden von ihrer Idee zu überzeugen. „Wichtig war es, eine Gruppendynamik zu erzeugen. Das schafft man auch mit kleinen Aktionen, etwa indem alle aufstehen, gemeinsam einen Schritt nach rechts und nach links gehen und dabei klatschen.“

Das Ergebnis dieses ganz besonderen Projektes, in das die Mitwirkenden viel Zeit und Mühe investiert hatten, ist eine feurige italienische Liebesgeschichte. Sie spielt in einem kleinen italiensichen Dorf, wo sich die Tochter des dort ansässigen Mafia-Bosses und der Sohn einer Bordellbesitzerin beim Tanzen ineinander verlieben. Die anschließenden heimlichen Treffen der beiden bleiben nicht lange im Verborgenen: Die Handlanger des Mafia-Bosses finden schnell heraus, wo sich die Tochter ihres Bosses so rumtreibt. Doch das erwartete Drama um das ungleiche Paar bleibt aus: Ein klärendes Gespräch zwischen den Eltern der Verliebten bringt eine schnelle Lösung und somit ein Happy End für alle Beteiligten.

Die Bewohner des Senotels wurden von der Figur Josef Alfredo, einem Richter, durch das Stück begleitet. Der kam zwischen den Szenen immer wieder auf die Bühne und war auch nicht verlegen, sich immer wieder vorzustellen. „Ich bin Josef Alfredo und komme aus einem kleinen kleinen Dorf, ca. 337,2 km südwestlich von Rom“, erklärte er den Bewohnern immer wieder und kommentierte die eben gespielten Szenen.

„Demenz ist ein sehr aktuelles Thema“, erklärte Robel. In der Pflege sei es ein beinahe tägliches Erlebnis, von an Demenz erkrankten Menschen immer wieder nach seinem Namen gefragt zu werden. Deswegen sei es für das Musical auch überaus wichtig gewesen, das Publikum immer wieder in das Geschehen einzubringen und zu erklären, was gerade passiert sei.

Dass die Geschichte mit wenig Konfliktsituationen und Dramatik gespickt war, tat ihrem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Das schnelle Happy End begründete dann auch Richter Josef Alfredo mit den Worten von Oscar Wilde: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“ Auch über die Musikauswahl hatten die Auszubildenden sich viele Gedanken gemacht: Am Ende wurde es eine gute Mischung aus alten Liedern wie „Ich will keine Schokolade“ oder „Santa Maria“, bei denen die Senioren auch mitsangen und mitschunkelten, und neueren Stücken wie zum Beispiel von der Girlband „The Pussycat Dolls.“

Um bei den Tänzen auch Akrobatik mit einringen zu können, hatten die Auszubildenden sogar eine Akrobatikgruppe in Aachen besucht. Hier lernten sie von den Profis einige Tricks und Kniffe für Hebefiguren, denn die verlangten der Gruppe von Klaudia Robel so einiges ab.

„Mir war es wichtig meine Gruppe auch mal an ihre Grenzen zu bringen. Denn auch in unserem Beruf wird man oft mit neuen Situationen konfrontiet und immer wieder an seine Grenzen gebracht“, erklärte Robel weiter.

Die Bewohner des Senotels waren von dem Musical jedenfalls begeistert. Nach dem tosenden Applaus für die Zugabe erhob sich sogar ein Bewohner von seinem Sitzplatz und bedankte sich im Namen aller Bewohner des Senotels. „Das war ganz toll! Da sage ich nur: Teatro fantastico!“, sagte er mit italienischem Akzent, und erntete dafür Applaus von allen Bewohnern und den Darstellern. Auch Anneliese Faymonville, Pflegedienstleiterin des Senotels, bedankte sich ganz herzlich bei ihren zukünftigen Kollegen. „Das war auch für unsere Bewohner mal etwas anderes“, war die Pflegedienstleiterin und sichtlich gerührt über das Engagement der Auszubildenden.

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