Alte Hauptpost: Endspurt hinter historischen Mauern

Von: Annika Kasties
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Das denkmalgeschützte Gebäude der Kaiserzeit wurde für die Post errichtet und seither durchgehend von Postdiensten genutzt. Foto: Annika Kasties
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Vom Turm der Hauptpost hat Bauherr Michael Hoffmann einen tollen Blick über die Südstadt. Foto: Annika Kasties
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Noch ist sie eine Baustelle, doch ab dem 14. Oktober soll die neue Postbankfiliale an der Ecke Franz- und Kaiserstraße in Betrieb gehen. Foto: Annika Kasties

Eschweiler. Es tut sich was in der alten Hauptpost. Auf den ersten Blick scheint das Gebäude von 1914 unverändert imposant seinen Platz an der Ecke Rosenallee und Kaiserstraße einzunehmen. Doch ein Blick hinter die historische Backsteinfassade zeigt: Hier wird seit rund einem Jahr gespachtelt und gemauert was das Zeug hält.

Holzbalken lehnen verlassen an der Wand, bunte Kabel hängen von der Decke, es riecht nach Staub und Baustelle. Und klingt dank ratternder Motoren und hämmernder Handwerker nach Schwerstarbeit. Das Gebäude, das 100 Jahre lang in Eschweiler die Post beherbergte, putzt sich heraus für seinen neuen Mieter. Und das unter den wachsamen Augen seines Bauherrn Michael Hoffmann.

Im November 2012 erwarb Hoffmann das Gebäude aus der Kaiserzeit. Damals ging er davon aus, dass die Deutsche Post – ihrem Mietvertrag entsprechend – das Gebäude noch bis 2018 nutzen würde. Die Überraschung folgte nur sieben Monate, nachdem er den Kaufvertrag unterzeichnet hatte, als plötzlich die Kündigung seines Mieters ins Haus flatterte. Das Unternehmen nutzte eine Vertragsklausel, um vorzeitig aus dem Mietverhältnis auszusteigen. Der Briefzustellservice ist bereits ausgezogen. Die Postbank erhält nur einen Steinwurf entfernt ein neues Zuhause an der Ecke Kaiser- und Franzstraße.

Nur Stahlbaugerüst erhalten

Innerhalb der vergangenen Monate hat sich auf dem fast 2000 Quadratmeter großem Grundstück viel getan. Dort, wo sich vor einem Jahr noch eine Fahrzeughalle befand, sucht man heute vergebens nach den gelben Post-Lastwagen, die Pakete an zahlreiche Haushalte auslieferten. Holzpaletten, Werkzeuge und schwarze Rohrleitungen, durch die dunkler Estrich in die Hinterräume gepumpt wird, bestimmen das Bild. Die Halle ließ Hoffmann durch einen Anbau ergänzen.

Von dem Altbau blieb nur das Stahlbaugerüst erhalten. Schon bald soll hier ein etwa 400 Quadratmeter großer, moderner Bankkomplex stehen. Eine bodentiefe Fensterfront ersetzt bereits ehemals schwere Garagentore. Wo heute noch schwarze Folie den Boden bedeckt, sollen in wenigen Wochen Kunden der Postbank am Tresen warten. Die neue Filiale an der Ecke Franz- und Kaiserstraße soll am 14. Oktober eröffnet werden, bestätigte ein Sprecher der Postbank auf Anfrage unserer Zeitung.

Bis das Jobcenter der Städteregion seine beiden Eschweiler Standorte in dem historischen Gebäude zusammenführen kann, dauert es noch etwas länger. Derzeit befinden sich die Büros des Jobcenters im Rathaus und im Gebäude der Agentur für Arbeit am Bushof. Ab dem 1. Januar 2016 sollen die Kunden den zentralen Standort in der Kaiserstraße nutzen können, sagte Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters der Städteregion.

Bis dahin herrscht im Prachtbau der Kaiserzeit noch reger Betrieb. An der historischen Fassade wird sich kaum etwas ändern, versichert Hoffmann. Doch das Innenleben des Gebäudes, das vor hundert Jahren für die Post erstellt wurde, ist von Grund auf umgekrempelt worden. „Das hier ist ein Neubau auf alten Wänden“, betont der Bauherr. „Keine Stromleitung blieb gleich, keine Gas- und keine Wasserleitung. Alles wurde komplett ausgetauscht.“

Das Jobcenter hatte an den Umbau klare Anforderungen. Etwa 60 Büroräume entstehen in dem Gebäude. Diese müssen miteinander verbunden sein, damit Angestellte des Jobcenters im Falle eines Übergriffs durch eine Fluchttür entkommen können. Um den Altbau barrierefrei umzubauen, musste Hoffmann zudem einen Aufzug installieren, der vom Keller in den Dachboden reicht. Hierfür musste mitunter der gesamte Dachstuhl neu abgestützt werden.

Trotz einiger Schwierigkeiten, die mit dem Umbau eines Altbaus Hand in Hand gehen, ist Hoffmann mit dem Fortschritt der Umbaumaßen zufrieden. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt hat in allen Abteilungen richtig gut geklappt. Zwar war man nicht immer einer Meinung, doch die Diskussionen waren immer lösungsorientiert“, betont Hoffmann.

Dass ein Eschweiler Investor das Gebäude gekauft habe, sei die richtige Entscheidung gewesen. So konnte er den Vorteil des kurzen Dienstweges nutzen. Denn der Umbau des historischen Gebäudes war aufwendig und kompliziert. Das lag vor allem daran, dass das Gebäude seit einigen Jahren unter Denkmalschutz steht und somit bauliche Veränderungen mit dem Landeskonservator abgestimmt werden mussten. Kompromisse seien dabei unvermeidbar gewesen, erzählt Hoffmann.

Ein Beispiel dafür sind die Dachfenster. Um die obersten Quadratmeter auch für Büroräume nutzen zu können, ließ Hoffmann das Dachgeschoss ausbauen. Das historische Haupt des Gebäudes ist jedoch fensterlos. Damit der Raum dennoch lichtdurchflutet ist, musste Hoffmann mit dem Landeskonservator ordentlich verhandeln. Das Ergebnis: Zur Rosenallee und zur Kaiserstraße hin bleibt das Dach in seinem fensterlosen Zustand erhalten. Zum Hinterhof durfte der Bauherr große Fenster einlassen. „Das sind die Kompromisse, die man bei einem Altbau schließen muss“, kommentiert Hoffmann.

Mit großer Leidenschaft

Doch statt Anflügen von Frust, ist in seinen Erläuterungen zu den komplexen Umbaumaßnahmen vor allem die Leidenschaft zu hören, mit der er das staubige Projekt angeht. „Schon als Steppke habe ich kleine Buden gebaut und konnte nachts nicht schlafen, weil ich so hyperaktiv war“, erzählt Hoffmann, der hauptberuflich Chemiker ist und als Vorsitzender die Hemoteq AG mit Sitz in Würselen leitet.

Die Entscheidung, in ein denkmalgeschütztes Gebäude zu investieren, habe er sehr bewusst gefällt. „Das ist ein Hobby von mir. Natürlich möchte ich mit diesem Gebäude auch Geld verdienen, doch ich möchte auch, dass es mir nach dem Umbau gefällt.“

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