Also doch: Groß räumt seinen Stuhl im Schulausschuss

Von: pan
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Ihm ist das Lachen in der Politik erst mal vergangen: Manfred Groß (CDU) zieht sich aus dem Schulausschuss zurück. Foto: Irmgard Röhseler

Eschweiler. Selten wirkte Manfred Groß so nervös. Selbst bei den Kommunalwahlen 2005, als er als CDU-Bürgermeisterkandidat gegen Rudi Bertram verlor, schlug sein Puls wohl nicht so schnell wie bei der Sitzung des Schulausschusses am Mittwoch.

Die Kritik an dem Christdemokraten, der sich an das Schulministeriums gewandt hatte, um die Diskussion über einen Erlass zu klären, hat deutliche Spuren hinterlassen. Und auch zu Konsequenzen geführt: Gab sich Groß im öffentlichen Teil der Sitzung noch kämpferisch, so beugte er sich im nicht-öffentlichen Teil der Kritik.

Brief an Bürgermeister

Am Donnerstagmorgen herrschte dann Gewissheit. Manfred Groß teilte Bürgermeister Rudi Bertram mit: „Nach der Diskussion im nicht-öffentlichen Teil des Schulausschusses habe ich mich entschlossen, aus dem Schulausschuss auszuscheiden. Ich werde meine Fraktion bitten, eine Nachfolgeregelung möglichst bald mitzuteilen.”

„Es fehlt das Vertrauensverhältnis. Sich aus dem Ausschuss zurückzuziehen, war die einzig richtige Konsequenz”, erklärte Manfred Groß betroffen. An der Diskussion hinter verschlossenen Türen beteiligte er sich nicht, sondern nahm auf einem Zuschauerstuhl im Ratssaal Platz. Allerdings dürfte ihm nicht entgangen sein, dass die Kritik vor allem von den Grünen sehr deutlich ausfiel.

Schon gegen Ende der Sitzung teilte er mit, sich aus dem Ausschuss zurückziehen zu wollen. „Das Thema ist damit für mich erledigt”, hofft Groß, dass die öffentliche Diskussion um seine Person nun ein Ende hat.

Zahlreiche Zuschauer spürten jedoch die Verunsicherung, die bei der Bewertung des Schulerlasses, der die Klassengrößen definiert, herrscht. Für die Schulleiter sprach Ulrich Reinartz vom Städtischen Gymnasium am Mittwoch: „Die Brisanz in dem Erlass liegt in der Aufhebung der Schulbezirke.”

Nach Ansicht der Lehrer kann dies dazu führen, dass Kinder abgewiesen werden müssen, selbst wenn sie in der Nähe einer Schule leben. Reinartz: „Man kann kein vernünftiges Statement vom Ministerium erhalten, weil es die Situation hier unten nicht kennt.” Es sei von Fall zu Fall unterschiedlich, ob sich der Erlass positiv oder negativ auswirke.

Im aktuellen Schulentwicklungsplan liefert die Don-Bosco-Schule ein Beispiel: Sie ist dreizügig konzipiert, für das Schuljahr 2012/2013 rechnet das Schulamt der Stadt mit 94 Anmeldungen, geht aber von drei Klassen aus. Thomas Graff (CDU) interpretiert die Gesetzeslage so, dass dann auch vier Klassen gebildet werden könnten, nämlich zwei Klassen mit 23 Schülern und zwei weitere mit 24 Kindern. Eine Auffassung, die Grüne-Stadtverordneter Dietmar Widell teilt: „30 Grundschüler in einer Klasse - das ist wie Käfighaltung.” Die Stadtverwaltung geht nach wie vor von drei dann zu bildenden Klassen aus.

Schulamtsleiterin Petra Seeger und der Schulreferent der Stadt, Dieter Kamp, wollen bis zur nächsten Ausschusssitzung klären, wie sich der Erlass konkret auswirkt. Dann wird Manfred Groß allerdings nicht mehr zum Ausschuss gehören.

Wer seinen Nachfolge als Vorsitzender antritt, steht noch nicht fest. Vorschlagsrecht hat allerdings die CDU-Fraktion.
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