Eschweiler - Als reine Amateurin Deutsche Meisterin im Synchronschwimmen

Als reine Amateurin Deutsche Meisterin im Synchronschwimmen

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
Lea von Meer
Hat schon einige Medaillen bei Meisterschaften gewonnen: die 24 Jahre alte Synchronschwimmerin Lea von Meer. Foto: Maria von Meer

Eschweiler. In Budapest laufen gerade die Weltmeisterschaften im Schwimmen. Lea von Meer könnte eigentlich dabei sein, schließlich ist sie aktuelle Deutsche Meisterin im Synchronschwimmen. Doch die 24-jährige Eschweilerin ist zu Hause geblieben. „In Budapest hätte ich keine Chance“, gesteht sie.

Zudem müsste sie alles selbst finanzieren, müsste dafür ihren Urlaub opfern. Synchronschwimmen ist in Deutschland eine Randsportart, im Gegensatz zu den meisten Mannschaftssportarten wie Fußball und Handball. Dennoch hat Lea von Meer all diesen anderen Sportlern etwas voraus: Sie ist Eschweilers Sportlerin des Jahres.

Besonderer Platz

Die Trophäe hat einen besonderen Platz in ihrer Wohnung: „Sie steht im Wohnzimmer im Regal, damit ich sie immer schön sehen kann“, sagt sie. Dass sie heute eine erfolgreiche Schwimmerin ist, verdankt sie gewisserweise ihrer großen Schwester Jana. „Ihr habe ich immer nachgeeifert“, gesteht sie.

Sportlich war sie schon, seitdem sie laufen kann. Turnen, Leichtathletik, Tanzen bei der KG Narrengarde Dürwiß und eben Schwimmen zählten zu ihren Hobbys. Irgendwann musste sie sich entscheiden, ihre Wahl fiel auf Synchronschwimmen, weil eben dort auch ihre Schwester aktiv war. Bereut hat sie ihre Entscheidung nie.

Auch am Wochenende war Lea von Meer wieder als Schwimmerin unterwegs. Diesmal allerdings nicht in einem Wettkampf, sondern als Showeinlage bei der Einweihung des Stadtbads in Dormagen. Wettkampfwochenenden sind wesentlich anstrengender. Vergleichbar mit Eiskunstlauf müssen Synchronschwimmer nämlich zwei Küren und eine Pflicht ins Wasser legen.

Morgens um Acht an den Samstagen geht es meistens los, zehn Stunden später ist der erste Tag des Wettkampfs beendet. Auch der Finaltag, der Sonntag, beginnt um Acht. Anschließend geht es wieder nach Hause. Häufig kommt es vor, dass die jungen Athletinnen lange Strecken in Kauf nehmen müssen, wenn die Veranstaltungen zum Beispiel in Augsburg oder Berlin anstehen.

Remscheid war der Ort des letzten großen Triumphes der Synchros des SC Wasserfreunde Delphin. Fünf Meistertitel heimsten die Indestädterinnen ein. Der Eschweiler Schwimmclub verfügt über eine sehr aktive und erfolgreiche Gruppe Synchronschwimmerinnen. Auch aus diesem Grund sollen die Trainingsbedingungen in der Jahnhalle verbessert werden.

Eine Goldmedaille

Eine Goldmedaille ging auch an Lea von Meer, die diesmal im Duett mit Katharina Groh erfolgreich war. Allerdings blieb es bis zum Schluss spannend: In der Altersklasse 20 bis 24 Jahre lagen sie nach dem ersten Wettkampftag zwar mit 0,8 Punkten Vorsprung vorne, mussten aber eine nahezu perfekt geschwommene freie Kür hinlegen, um den deutschen Meistertitel zu gewinnen.

Während man in anderen Sportarten von einer großen Karriere träumen kann und mit wenigen Jahren als Profi finanziell ausgesorgt hat, lässt sich Synchronschwimmen in Deutschland nur als reines Hobby betreiben. Zeitaufwendig ist es dennoch, wenn man parallel eine Ausbildung absolviert oder einem Beruf nachgeht. „Manche hören dann auch mit diesem Sport auf“, gesteht Lea von Meer.

Studium in Köln

Für sie ist das allerdings kein Thema. An der Kölner Universität büffelt sie für ihre Karriere. Dort absolviert sie ein Studium der Sonderpädagogik. Nach ihrem Abschluss will sie an einer Förderschule arbeiten. Mindestens zwei Mal in der Woche streift sie allerdings auch während des Studiums den Badeanzug über und trainiert im Becken.

Eineinhalb Stunden lang stehen Übungen im Wasser auf dem Programm, eine Stunde Trockentraining sind normalerweise vorgesehen. Die Gymnastik hilft bei der Koordination und Körperbeherrschung. Synchronschwimmen verlangt dem Körper schließlich einiges ab. Für Lea von Meer gehört diese Anstrengung zum Ausgleich vom Studium dazu: „Ohne Schwimmen würde mir etwas fehlen“, sagt sie.

Zahlreiche Medaillen hat sie schon gewonnen – auch bei internationalen Turnieren. Was für sie die Ehrung zur Sportlerin des Jahres in Eschweiler so besonders macht? „Man wird von vielen Leuten wahrgenommen, es ist eine wunderbare Anerkennung, schließlich wird Synchronschwimmen von vielen noch immer belächelt“, sagt die 24-Jährige. Zugleich sind die Sportlerwahlen eine Gelegenheit, das Synchronschwimmen etwas ins Rampenlicht zu rücken, wo sonst König Fußball regiert.

Eine Zeit ohne Synchronschwimmen kann sich Lea von Meer nicht mehr vorstellen: Schon jetzt unterstützt sie den Verein, wie es ihre Zeit erlaubt, auch als Trainerin für die Jüngsten. Gemeinschaft und Freundschaften – auch dies sind Aspekte, die für sie den Sport im Verein so wertvoll machen.

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