Als die Braunkohle hier Berge versetzte

Von: ran
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Wurde in den ersten Monaten der Förderung die Kohle noch per Hand abgebaut, leisten inzwischen riesige Bagger die Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Im Jahr 1909 begann die „Gewerkschaft Zukunft” mit dem Aufschluss des Tagebaus zwischen Weisweiler und Dürwiß. Ein Jahr später wurde dort die erste Kohle gefördert.

Unter dem Titel „100 Jahre Braunkohle aus Eschweiler” erinnern der Eschweiler Geschichtsverein und die Stadt bis zum 25. November mit einer Ausstellung im Foyer des Rathauses an diese Ereignisse.

Am Montagabend wurde im Beisein zahlreicher Gäste die Ausstellung, die bemerkenswerte Eindrücke zur Geschichte des Bergbaus in Eschweiler und Umgebung, aber auch zur Entstehung der Kohle und der damit einhergehenden Erdgeschichte vermittelt, eröffnet.

„Das Thema Braunkohle hat die Stadt Eschweiler geprägt und wird dies auch weiterhin tun. Als Energiestadt werden wir auch in der Zukunft weiterhin mit der Kohle leben. Wichtig ist nicht nur, was war, sondern auch, was daraus wird”, betonte Bürgermeister Rudi Bertram während seiner kurzen Begrüßungsrede. „Wir können die Förderung nicht einfach von heute auf morgen einstellen. Schließlich hängen zahlreiche Arbeitsplätze davon ab”, so der Verwaltungschef.

Anschließend führte mit Simon Küpper der Vorsitzende des Geschichtsvereins in die Ausstellung ein: „100 Jahre Förderung des „braunen Goldes” erinnert an eine Zeit, in der in Eschweilers Norden zwischen der heutigen A4 und Jülich im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt wurden. Zunächst mit Hacke und Schaufel, dann mit riesigen Baggern”, erinnerte er.

Vergessen werden dürfe aber nicht, dass es auch „Opfer” des Tagebaus gegeben habe. „Nicht wenige Menschen mussten ihre Heimat verlassen”, ließ Simon Küpper auch die Schattenseiten nicht aus dem Blick. „Allerdings hat der Tagebau keinesfalls eine zerstörte Kulturlandschaft hinterlassen”, wies der Vorsitzende auf die Entstehung des Blausteinsees sowie die renaturierte Inde hin.

Jahre der Umsiedlung

Mit Franz Wings, dessen ehemaliger Heimatort Langendorf zwischen Fronhoven und Lohn dem Tagebau weichen musste, kam einer der Betroffenen zu Wort. „Zu Beginn der 50er Jahre hieß es bereits, „die Rheinbraun baggert uns weg”. Wir haben dies verdrängt, aber die Rheinbraun kam”, blickte der Wahl-Dürwisser zurück.

1957 starteten die ersten Verhandlungen mit den Vertretern des Unternehmens, doch Anfang der 60er Jahre konnte zumindest vorübergehende Entwarnung gegeben werden. „Diese lautete, dass wir noch zehn Jahre Zeit hätten”, so der frühere Landwirt, der seinen Hof jedoch aufgeben musste und 1971 eine Stelle bei der Zollverwaltung antrat.

Ein Jahr später fand die Umsiedlung der Bewohner Langendorfs statt, 1977 wurde das Dorf abgebaggert. Franz Wings fand mit seiner Familie eine neue Heimat in Dürwiß. „Nach der Umsiedlung war dies unser Zielwohnort”, freundete er sich mit seinem neuen Wohnumfeld schnell an. „Allerdings ist nicht jeder Fall so glatt gelaufen.

Viele damals ältere Menschen hatten größere Schwierigkeiten, ihre Heimat zu verlassen”, gab Simon Küpper zu bedenken. Zuvor hatte auch Gerhard Hofmann, Direktor des Kraftwerks Weisweiler, ein kurzes Grußwort gesprochen. „Diese Ausstellung eröffnet die Gelegenheit, die Tradition des Bergbaus in Eschweiler den Menschen ins Gedächtnis zu rufen.”

Musikalisch gestaltet wurde die Ausstellungseröffnung vom RWE-Chor unter der Leitung von Chordirektor Ernst Matthias Simons, der unter anderem den Bergmannsgruß „Glück auf” in beeindruckender Manier hören ließ.

Zu besichtigen ist die Ausstellung bis Donnerstag, 25. November, zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses. Die Vertreter des Geschichtsvereins wollen nicht zuletzt Schulklassen die Gelegenheit geben, die Ausstellung zu besuchen und stehen für Führungen bereit. Weitere Informationen sind bei Simon Küpper unter 02403/52277 und Leo Braun unter 02403/21104 zu erhalten.

Der Abbau der Braunkohle an langen Abbaufronten machte es notwendig, etliche Ortschaften komplett aufzugeben und deren Bewohner umzusiedeln. Betroffen waren bzw. sind die Orte Erberich (Umsiedlung 1979, abgebaggert 1981 - 1985), die Westhälfte von Fronhoven (1972/1974), das Rittergut Hausen (1969, 1976), Langendorf (1972/1977), Langweiler (1970/1973), Laurenzberg (1972/1974), Lohn (1972/1974), Lürken (1963/1965), Obermerz (1971/1972), Pattern (1990/1992), Pützlohn (1962-1972/1975), Velau, Ortsteil von Hehlrath (1952 abgebaggert), Inden (1999/2005), Altdorf (1999/2005), Pier (zur Zeit in der Umsiedlung).
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