„Alpin Drums”: Virtuos mit Topf, Sense und Milchkanne

Von: Nils Aßmuss
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Vor der Alpenkulisse in der We
Vor der Alpenkulisse in der Weisweiler Festhalle brannten die „Alpin Drums” ein einzigartiges Klangfeuerwerk ab. Foto: Nils Aßmus

Eschweiler/Stolberg. Äxte, Sensen, Bierfässer, Bohrmaschinen oder Milchkannen passten mit der Trachtenkleidung der sechs Ausnahmemusiker von „Alpin Drums” perfekt in das Klischee der bayerischen Tradition. Sofort kam auch der Gedanke an Schlager oder Volksmusik auf.

Am Samstagabend wurden die Zuschauer in der Festhalle Weisweiler bei dem Auftritt der außergewöhnlichen bayerischen Musikshow eines Besseren belehrt.

Sense, Nachttopf, Axt und Co. sind zwar keine Instrumente im klassischen Sinne, geben aber auf den Almen der Alpenlandschaft einen bestimmenden Rhythmus vor. Diese Erkenntnis nutzte Toni Bartl, der selber passionierter Musiker ist und bereits zahlreiche Preise für seine ungewöhnlichen Musikshows erhielt, zur Konzeption der neuen Show „Alpin Drums”.

Gebirgslandschaft

Das Bühnenbild entführte das Publikum in eine alpine Gebirgslandschaft und kleine Einspielfilme, die den Vater des Machers von „Alpin Drums”, Toni Bartl senior, bei der täglichen landwirtschaftlichen Arbeit zeigten, gaben weitere Eindrücke von einer original bayerischen Alm und gleichzeitig oftmals den Grundrhythmus für die Musiker auf der Bühne an.

Aus einem simplen Basistakt arrangierten die Künstler Schritt für Schritt komplexe Klang- und Rhythmuskollagen auf Alltagsgegenständen, die den Zuschauern überraschtes Staunen und Szenenapplaus entlockten. Die Entwicklung der Rhythmen gipfelte in virtuosen Klangkulissen und zeigte die herausragende musikalische Klasse der sechs Alpin-Drummer Hans Mühlegg, Simon Zieger, Jörg Regenbogen, Bodo Matzkeit, Sebastian Sieber und Daniel Neuner.

Im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Aachen traten die Bayern zum ersten Mal überhaupt in Nordrhein-Westfalen auf und lieferten dem voll besetzten Saal allen Grund zur Begeisterung.

Die traditionellen Almgeräusche interpretierte Toni Bartl völlig neu und schuf damit eine energiegeladene Musikshow, die sich an der Tradition orientiert, diese aber für die Moderne neu aufbereitet. Dabei sorgte vor allem Hans Mühlegg immer wieder mit unaufdringlichem Humor für Lacher beim Publikum und die Präsentation, die auch von der Mimik und Gestik der Trachtentrommler lebte, vermischte sich mit den Klängen der Schlag-„Instrumente” zu einem Gesamtkunstwerk, das sowohl das Ohr als auch das Auge des Publikums betörte.

Neben den Schlägen auf alle nur denkbaren hölzernen Objekte machten sich die Künstler auch das spezielle Klangverhalten von Metall zu Nutze und bearbeiteten Pfannen, Töpfe, Kannen und sogar Bohrmaschinenaufsätze mit einer Kreativität, die alles Denken in einfachen musikalischen Kategorien unmöglich machte.

Zwischen den beeindruckenden Schlagrhythmen präsentierte Hans Mühlegg seine Jodelkünste, und Simon Zieger war mit seinem Solo auf der ungefähr zwei Meter im Durchmesser großen Trommel „Trömmli” für einen weiteren Höhepunkt des Abends zuständig. Nach einer 90-minütigen Show, die vom Anfang bis zum Ende nicht an Spannung verlor, forderten die Zuschauer in der Weisweiler Festhalle lautstark eine Zugabe.

Mit dem „Skidipp”, der extra für die Ski-WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen inszeniert wurde, gab es dann noch eine Zugabe der Extraklasse. Scheinbar vierarmige Schlagzeuger trieben den Saal mit einer Performance an Skiern, Stöcken und Trommeln zu einem letzten langanhaltenden Applaus.

Mit dem Auftritt von „Alpin Drums” gelang der künstlerischen Leiterin des Kulturfestivals der Städteregion Aachen, Dr. Nina Mika-Helfmeier, in Kooperation mit der Rote-Funken-Artillerie Eschweiler ein unvergleichlicher Abend. Der unglaubliche Eintrittspreis von drei Euro dient sogar noch der Unterstützung sozialer Projekte in Eschweiler. Der Erlös geht an die Jugendförderung der Roten Funken und soll mithelfen, die Zukunft des Eschweiler Karnevals zu sichern.
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