Alltag Tagesfamilie: „Sasa“ sorgt für ganz viel Spaß

Von: Sonja Essers
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Der Berufsalltag von Susanne Müller-Otten wird von ihren Tageskindern bestimmt. Sie kümmert sich mit viel Hingabe um die Kinder. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Hehlrath. Susanne Müller-Otten hat vor einem Jahr ihren Traumberuf gefunden. Die 43-Jährige ist Tagesmutter und kümmert sich mit viel Hingabe um ihre Schützlinge. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt sie, inwiefern sich die Betreuung bei einer Tagesmutter von der in einer Kindertagesstätte unterscheidet und erzählt, warum der Trend nicht nur zu Tagesmüttern, sondern mittlerweile sogar zu so genannten Tagesfamilien geht.

Frau Müller-Otten, warum haben Sie sich vor einem Jahr dazu entschieden Tagesmutter zu werden?

Müller-Otten: Ich habe jahrelang die Jugendarbeit im Karneval gemacht und bin dann von einer Bekannten, die selbst Tagesmutter ist, angesprochen worden. Sie hat mich gefragt, ob ich mir das nicht auch vorstellen könnte, weil ich so gern mit Kindern arbeite. Dann habe ich auf mein Herz gehört und mir selbst gesagt: „Das ist es.“ Ich habe dafür meinen gesicherten Beruf aufgegeben und den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Wie hat Ihre Familie auf diese Entscheidung reagiert?

Müller-Otten: Wir haben diesen Schritt gemeinsam besprochen und meine Kinder waren von Anfang an total begeistert. Sie haben mir gesagt, dass ich mich dafür entscheiden soll, weil ich dann auch öfter zu Hause wäre. Mein Mann und ich sind aber eher Sicherheitsdenker. Am Anfang haben wir uns große Sorgen darüber gemacht, ob das alles so funktionieren wird aber diese Sorgen haben sich zum Glück nie bestätigt. Es ist von Anfang an gut gelaufen.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Müller-Otten: Ich habe eine schulische Ausbildung gemacht und so ein Zertifikat erworben. Man setzt sich mit der Ersten Hilfe bei Kleinkindern genauso auseinander, wie mit Pädagogik und der Kindeswohlgefährdung. Ich habe in drei bis vier Monaten einen kompletten Ausbildungsweg durchlaufen und auch eine Abschlussarbeit geschrieben und eine mündliche Prüfung abgelegt.

Sobald ich dann die Pflegeerlaubnis von der Stadt Eschweiler hatte, konnte ich starten. Natürlich musste ich mir noch ein Konzept und ein Logo überlegen. Ich habe mich gefragt, was ich den Kindern anbieten möchte und habe mich daran zurückerinnert, dass ich früher immer bei meiner Oma war. Dort gab es immer frisches Essen und das wollte ich auch umsetzen.

Wie viele Kinder betreuen Sie mittlerweile?

Müller-Otten: Ich darf acht Verträge abschließen aber es dürfen nur fünf Kinder auf einmal da sein.Aber das kommt auch auf die Größe des Hauses oder der Wohnung an, deshalb gibt es auch Tagesmütter, die weniger Kinder betreuen.

Fünf Kinder auf einmal können aber bestimmt auch anstrengend sein, oder?

Müller-Otten: Ich habe das Glück, dass meine Mutter immer dabei ist und sich mit mir gemeinsam um die Kinder kümmert. Wenn man mit fünf kleinen Kindern allein ist, kann das schon sehr stressig sein.

Wie sieht denn ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Müller-Otten: Man hat zwar einen strukturierten Tag, aber man kann ihn eigentlich nie so genau planen. Das ist auch von Familie zu Familie ganz unterschiedlich. Die ersten Kinder kommen normalerweise um 6.30 Uhr zu mir. Um 17 Uhr wird dann das letzte Kind abgeholt. Das ist natürlich ein Vorteil für die Eltern, die ihre Kinder so entsprechend ihrer Arbeitszeiten zu mir bringen können.

Wie alt sind die Kinder, die sie betreuen?

Müller-Otten: Momentan sind die Kinder, die ich betreue, zwischen sechs Monaten und zwei Jahren alt. Ich habe allerdings auch ein Kindergartenkind, das ich vor der Öffnung des Kindergartens betreue. Da mittlerweile viele Eltern in Schichten arbeiten, wird die so genannte Randzeitenbetreuung immer wichtiger und viele Kindergärten machen erst gegen 7.30 Uhr auf. Wenn man aber schon um 7 Uhr auf der Arbeit sein muss, dann hat man ein Problem.

Auf welchem Weg sind die Kinder zu Ihnen gekommen?

Müller-Otten: Die Stadt Eschweiler spricht Empfehlungen aus. Bevor man überhaupt als Tagesmutter zugelassen wird, werden zunächst die Räumlichkeiten begutachtet. Schließlich muss alles sicher sein. Die Treppen und die Steckdosen müssen abgesichert werden. Jedes Kind hat sein eigenes Bettchen. Die Eltern, die die Betreuung einer Tagesmutter in Anspruch nehmen wollen, wenden sich an die Stadt und dort wird dann zunächst einmal das Wesentliche besprochen.

Das bedeutet, dass man sich darüber unterhält, wie viele Stunden die Kinder betreut werden müssen. Natürlich spielt es auch eine Rolle, wie weit die Tagesmutter vom Wohnort der Familie entfernt ist. Wenn sich Eltern bei mir melden, vereinbare ich mit ihnen einen Termin. Das Zwischenmenschliche muss stimmen. Aber entscheidend ist, dass sich das Kind wohlfühlt. Es gibt zwar Eltern, die auf Empfehlung kommen, aber die Kinder, die ich betreue, sind alle über die Stadt Eschweiler zu mir gekommen.

Sie mussten aber nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen berücksichtigen, sondern hatten zu Beginn noch ein kleines Problem.

Müller-Otten: Genau, ich hatte kein Spielsachen. Meine Kinder sind 14 und 17 Jahre alt und deshalb musste ich mich erstmal darum kümmern. Ich habe dann viele Sachen gekauft aber auch von ehemaligen Kolleginnen geschenkt bekommen, das war wirklich toll.

Wie vereinbaren Sie Ihren Job als Tagesmutter mit Ihrer eigenen Familie?

Müller-Otten: Bei uns ist es so, dass die Kinder vollkommen in unsere Familie integriert sind. Wenn meine Kinder aus der Schule kommen, dann freuen sich die Kleinen darauf. Mir ist es wichtig, dass sie zu unserer Familie dazugehören. Gerade für junge Mütter ist dieser Job super. So können sie arbeiten, sind aber trotzdem für ihre Kinder da.

Ich habe seit dem vergangenen Jahr auch wieder viel mehr Zeit für meine Kinder. Auch wenn sie in einem Alter sind, in dem sie mich nicht mehr so brauchen. Ich bin zu Hause und wenn sie aus der Schule kommen essen wir alle und sie können mir von ihrem Tag erzählen. Früher war das nicht so. Ich habe selbst jahrelang im Schichtsystem gearbeitet und meine Kinder sind dann zu meiner Mutter gegangen.

Fällt es Ihnen nicht schwer die Tageskinder irgendwann wieder gehen zu lassen?

Müller-Otten: Natürlich wachsen einem die Kinder ans Herz. Man darf aber nicht den Fehler machen und eine so enge Bindung zu ihnen aufbauen, dass man sie nicht mehr loslassen kann.

Wie werden Sie von den Kindern genannt?

Müller-Otten: Für die Kinder bin ich Sasa. Ich heiße Susanne aber das ist zu schwer für sie. Den Namen können sie noch nicht richtig aussprechen.

Was machen Sie mit den Kindern? Verbringen Sie die Tage meistens zu Hause oder unternehmen Sie auch gemeinsam etwas?

Müller-Otten: Wir singen viel zusammen. Manchmal wird auch getanzt oder geturnt. Wir haben aber auch einen großen Hof, auf dem die Kinder spielen können oder wir gehen zusammen spazieren. Es gibt Tage, an denen die Eltern frei haben. Dann sind weniger Kinder hier. Diese Tage sind dann ideal für Ausflüge. Wir fahren dann zum Tierpark nach Alsdorf oder schauen uns im Stadtwald die Rehe an. Nur eine Sache können die Kinder hier nicht: Fernsehen. Das gibt es hier gar nicht.

Sie haben auch im Haus ein Spielzimmer eingerichtet.

Müller-Otten: Genau. Da gibt es jede Menge Spielsachen. Manchmal wollen die Kinder gar nicht nach Hause gehen, sondern am liebsten weiterspielen. Und nebenan befindet sich eine Toilette, wo wir dann die Zähne putzen und die Kleinen wickeln. Eigentlich halten die Kinder sich aber überall auf. Das, was wir machen, richtet sich immer nach dem Wetter und nach der Tagesform der Kinder.

Gibt es denn auch feste Rituale?

Müller-Otten: Natürlich. Gegen 11.30 Uhr wird gegessen, danach halten die Kinder Mittagsschlaf. Außerdem frühstücken wir morgens alle zusammen. Ich nehme die Kinder auch mit in die Stadt und gehe dort mit ihnen einkaufen. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass sie auch solche Abläufe kennen lernen. Ich sage immer, das ist wie bei Mama und Papa.

Verstehen sich die Kinder denn auch untereinander gut?

Müller-Otten: Auf jeden Fall. Auch wenn wir nur eine kleine Gruppe sind, aber die Kinder wachsen trotzdem zusammen. Wenn ein Kind fehlt, dann wird es von den anderen vermisst. Vor allem für Einzelkinder ist es wichtig, dass sie mit anderen Kindern in Kontakt kommen und Spielkameraden in ihrem Alter haben. Ich habe ein Tageskind, das vier ältere Geschwister hat. Da sind die Eltern froh, wenn sie mit Kindern in ihrem Alter zusammen sein kann.
 

Aber die Gruppe besteht nicht nur aus Ihnen und den Kindern. Welche Rolle spielt Ihre Mutter?

Müller-Otten: Meine Mutter kommt jeden Tag und hilft mir. Sie sagt immer, dass sie das jung hält. Für die Kinder ist es die „Oma“. So wird sie auch von ihnen genannt. Eines der Kinder hat keine Großeltern und deshalb ist meine Mutter dann so eine Art Ersatzoma.


Was gefällt Ihnen an Ihrem Job besonders gut?

Müller-Otten: Dieser Beruf ist einfach sehr vielseitig und es macht wahnsinnig viel Spaß mit den Kindern zu arbeiten. Ich habe mir früher immer darüber Gedanken gemacht, ob meine Kinder auch gut aufgehoben sind, wenn ich arbeiten bin. Da sie bei meiner Mutter waren, musste ich mir da nie Sorgen machen. Ich konnte immer mit einem guten Gefühl arbeiten gehen und ich möchte, dass die Eltern wissen, dass ihre Kinder bei mir auch gut aufgehoben sind.


Tauschen Sie sich auch mit Ihren Kolleginnen aus?

Müller-Otten: Es findet ein regelmäßiger Austausch statt. Zum einen gibt es ein Netzwerk für Tagesmütter. Das setzt sich für uns ein, wenn wir zum Beispiel einen höheren Stundenlohn durchsetzen wollen. Dann gibt es auch noch einen so genannten Tagesmütterstammtisch, bei dem wir uns regelmäßig austauschen. Außerdem finden zwei Mal im Halbjahr Fortbildungen statt, an denen wir teilnehmen.

Man arbeitet wirklich miteinander und das finde ich auch wichtig. Wenn ich keine Kapazitäten mehr habe, dann empfehle ich Kolleginnen und umgekehrt ist es genauso. Der einzige Unterschied ist, dass man sich nicht jeden Tag sieht, sondern meist telefoniert. Dann fragt man um Rat oder wird seine Sorgen los.

Haben Tagesmütter auch mit Vorurteilen zu kämpfen?

Müller-Otten: Das würde ich nicht sagen. Es ist eher umgekehrt. Viele Eltern schätzen unsere Flexibilität.
Was passiert wenn Sie krank werden oder in Urlaub fahren?
Müller-Otten: Wenn ich krank werde, benachrichtige ich sofort die Eltern. Ich habe das Glück, dass in der Regel dann die Großeltern des Kindes einspringen. Wenn man aber für einen längeren Zeitraum ausfällt, dann kann das Kind in dieser Zeit zu einer anderen Tagesmutter gehen. Bei meinem Urlaub ist es ähnlich. Am Anfang des Jahres gebe ich eine Liste mit meinen Urlaubstagen raus. Entweder planen die Eltern ihren Urlaub genauso, die Großeltern springen ein oder das Kind wechselt für diese Zeit zu einer Kollegin.  

Wie sieht die Zukunft der Tagesmütter aus?

Müller-Otten: Der Trend geht mittlerweile hin zu so genannten Tagesfamilien. In denen arbeiten Männer und Frauen zusammen. Das ist vor allem für Alleinerziehende von Vorteil, weil die Kinder so zwei Ansprechpartner haben. Meiner Meinung nach ist das wirklich eine sehr gute und sinnvolle Idee.

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